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Kinder kriegen ist nicht schwer - Kinder haben um so mehr! Dieser Spruch stimmt für Felix und seine Freunde nur sehr bedingt. Norbert und seine Frau müssen auf die Künste der Kinderwunsch-Medizin zurückgreifen, und ihr Liebesleben Terminen und strengen medizinischen Reglements unterwerfen, während Tom ein überzeugter, aber manchmal ziemlich überforderter Vater ist. Für Felix ist das eigentlich kein aktuelles Thema. Er hat mehr damit zu tun, dass sein nerdiger Bruder Henne plötzlich vor seiner Tür steht. Um den muss er sich plötzlich kümmern, und da steht Vater werden nicht gerade auf seiner Agenda. Doch dann passiert etwas völlig Unvorhergesehenes und mit einem Mal will er nur noch wissen, ob Münchens bekannteste Sportmoderatorin Maren auch eine gute Mutter sein könnte...

Kritik

Unser Matze ist endlich wieder da, gekommen, um uns erneut mit seinen alljährlichen Versuchen zu beglücken, Regisseur zu spielen. Die dramaturgischen Formel bleibt natürlich dieselbe, denn warum neues Terrain betreten (und sich damit vermeintlich weiterentwickeln), wenn die ollen RomCom-Kamellen doch immer noch am besten fruchten? Outet man sich dann dahingehend, sich nicht gerade als Teil der treuen (blinden?) Anhängerschaft von Klein Matthi zu verstehen, dann gehört man zur fiesen Gegenläufer-Fraktion, die gewiss keine (meinungstechnisch) nahegelegenen Vordermänner kennt, niemanden, der Schweighöfer-Filme irgendwie „okaaay“ findet. Man muss die Augen schon mal krampfhaft zusammenkneifen, um den krassen Gegenpol zur eigenen Auffassung, also die Fans, in der Ferne erspähen zu können. Dazwischen gibt es nun mal einfach nichts: Entweder man ist für oder gegen ihn. Stellt man sich also gegen die künstlerischen Ergüsse dieses Mannes, hagelt es nach Kinobesuch wenig reflektierte Totschlagargumente: „Du magst ihn nur nicht, weil er so gutaussehend ist.“ oder „Du hast einfach kein Herz!“.

Aber das Fanboytum lässt ja bekanntlich keine Kritik an ihren Götzen zu, egal ob wir nun von Stanley Kubrick, Christopher Nolan oder auch Matthias Schweighöfer sprechen. Dabei ist es ja beileibe nicht so, das man es nicht versucht hätte! Man stemmt sich nicht ostentativ gegen Filmemacher, sondern filtert seine Antipathie aus schmerzhafter Selbsterfahrung, mit dem Hintergedanken, irgendwann vielleicht doch nochmal eines Besseren belehrt zu werden. Nach seinem Regie-Debüt „What a Man“, eine larmoyante Katastrophe und echtes Anti-Vergnügen für jeden, der noch etwas Glauben in die deutsche Mainstream-Ware gesteckt hat, kam der marginal bessere, aber immer noch furchtbar miese „Schlussmacher“. Schweighöfer verkörperte darin den – wie der Titel es schon sagt – professionellen Schlussmacher Paul, um sich, wie schon mit seinem Alex in „What a Man“, komplett selbst zuspielen. Bestimmt ist Schweighöfer kein untalentierter Schauspieler, doch in seiner inszenatorischen Selbstzelebrierung versagt er indessen, weil er dem Zuschauer nicht davon überzeugen mag, eine fiktive Figur zu verkörpern.

Schweighöfer ist immer Schweighöfer. So verhält es nicht nur in der Parallelisierung von Film und Öffentlichkeit, was auch nichts mehr mit „Er ist halt einfach er selbst geblieben“ zu tun hat, sondern gilt vielmehr als stinklangweilig, als mutlos, als Verschwendung der eigenen Passion. Und in seinem neusten Streich „Vaterfreuden“ ist es eben kein Alex und kein Paul, sondern ein Felix. Peng. Die Charakterisierung ist damit größtenteils abgeschlossen, möchte man meinen. Felix donnert nicht mehr wie Paul mit dem motorisierten Schlachtschiff durch die Straßen Berlins, sondern präferiert wie Alex das Rad und ist genau der gleiche Hallodri, der zwar immer etwas verdattert, aber doch ungemein liebenswert erscheint. Der seinen Job kurzerhand an den Nagel hängt (weil sein Patenkind Geburtstag hat), irgendwie nie Geld in der Tasche hat und dennoch sein geräumiges Appartement mühelos finanzieren kann. Das Geheimnis, warum Felix ausschließlich in die Pedale tritt und panische Angst vor Autos hat, wird später in einem hochdramatischen Flashback gelüftet. Man darf also höchstgradig gespannt sein.

Es kommt ja nun mal nicht ungefähr, dass sich Rezensionen zu den Werken von Til Schweigeroder eben Matthias Schweighöfer in ihrem Resümee immer recht ähnlich ausfallen, immer werden ähnliche Kritikpunkte angesprochen und auf die gleichen Fehler aufmerksam gemacht. Auch „Vaterfreuden“ ist so ein Film, der schlichtweg nichts zur tieferen Auseinandersetzung hergibt, weil er es nie wagt, an irgendeiner Stelle vielleicht mal um die Ecke zu denken, anstatt stur geradeaus zu poltern und dabei nur soweit blickt, wie der eigene Schatten auf den Asphalt fällt. Die Ingredienzien des Erfolgsrezepts dürfen nicht modifiziert werden, auch wenn es für den Zuschauer, der Kino auch über dem Niveau billigster Unterhaltung antreffen möchte, nicht mehr goutierbar erscheint. So ist „Vaterfreuden“ eben auch genau der Film, den Schweighöfer, bis auf schmale Verschiebungen der Storyeckpfeiler, schon zwei mal so abgedreht hat. Wiedermals fühlt man sich aus der Realität gehebelt und in einem Paralleluniversum, das von humanoiden Lebensformen belagert ist, abgeladen. Probleme, die keine sind, werden künstlich aufgebauscht und Elementares trivialisiert wie pauschalisiert.

Und mittendrin feiert Matthias Schweighöfer seinen Ego-Trip, in dem er sich – in diesem Fall – auch mal von einem miesen Sidekick Frettchen in den Pimmel beißen lässt, was ihn in eine dümmliche Situation mit einer Reihe von noch dümmlicheren Aktionen wirft. Begleitet von Postkartenmotiven der „ländlichen Gegend“, in der er seine liebste Maren (unfassbar monoton: Isabell Polak) um den Finger wickelt, und einem amerikanisierten Großstadtbildes von Berlin, verlässt sich „Vaterfreuden“ mal wieder ganz höhnisch und furchtbar selbstgefällig auf sein „Alles wird gut!“-Postulat. Und es spricht ja so überhaupt nichts dagegen, ein beschwingtes Feel-Good-Movie zu inszenieren. Doch wenn man dieser Intention schon folgt, dann bitte nicht so ungeheuer weltfremd und verlogen, wie es der Schweighöfer nun schon zum dritten Mal getan hat. Irgendwann muss doch auch mal Schluss sein. Immerhin hat „Vaterfreuden“ die Besucherzahlen von „Schlussmacher“ überboten, was wohl impliziert, dass Schweighöfer noch lange nicht genug von seiner rosaroten Welt hat. Man ist gewarnt und gewappnet, nun endgültig.

Fazit

Wer „What a Man“ und „Schlussmacher“ gesehen hat, der kennt im Großen und Ganzen auch schon „Vaterfreuden“. Matthias Schweighöfer spielt mal wieder nur sich selbst und eskortiert den Zuschauer durch eine Welt, die in ihrer Verlogenheit nichts mit unserer Realität zu tun hat. Eine selbstgefällige und weltfremde RomCom, die weder Sinn für Humor besitzt, noch wirklich dramatisch daherkommt. Dafür klatscht Schweighöfer ganze acht Popsongs auf die Tonspur. Hut ab, neuer Rekord.

Autor: Pascal Reis

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