Der Dokumentarfilm Melania von Regisseur Brett Ratner über die amtierende First Lady Melania Trump sorgt seit seiner Premiere für Schlagzeilen. Realisiert im Auftrag von Amazon MGM Studios, wurde das Projekt mit einem Produktionsbudget von 40 Millionen Dollar umgesetzt und zusätzlich durch ein Marketingbudget von 35 Millionen US-Dollar unterstützt (mehr dazu hier). Die Premiere im Kennedy-Center fand in Anwesenheit des Ehepaars Trump und weiterer hoher Regierungsvertreter statt, war jedoch der Presse vorenthalten.
Kritiker*innen vs. Publikum: Rekordhafte Diskrepanz auf Rotten Tomatoes
Auf Rotten Tomatoes zeigt sich schnell, dass Kritiker*innen und Publikum den Film stark unterschiedlich bewerten. Der Abstand zwischen Kritiker- und Publikumsscore erreicht Rekordhöhe und übertrifft frühere Beispiele wie das Reagan-Biopic mit Dennis Quaid von 2024, das bei Kritikern nur 18 Prozent, beim Publikum jedoch 98 Prozent erreichte.
Die wenigen Kritikerbewertungen stammen ausschließlich von konservativen Medien wie The Epoch Times, The London Evening Standard und The New Republic. Amazon/MGM verweigerte zudem Pressevorführungen, sodass Journalist*innen den Film selbst kaufen und am Eröffnungswochenende ansehen mussten.
Box-Office-Erfolg in den USA trotz leerer Kinos in Metropolen
Das US-Startwochenende brachte ein Einspielergebnis von sieben Millionen US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie die prognostizierten drei Millionen (wir berichteten). Während Kinos in Großstädten häufig leer blieben, berichteten Medien von vollen Vorstellungen in MAGA-Hochburgen wie Texas und Florida.
Ob die Tickets tatsächlich von Zuschauer*innen genutzt wurden, lässt sich jedoch nicht verifizieren. Dennoch verkündete Amazon/MGM medienwirksam, es handele sich um den erfolgreichsten Start eines Dokumentarfilms seit Michael Moores Fahrenheit 9/11 (2004). Die Zielgruppe ist offensichtlich klar definiert: vor allem weibliche Trump-Fans, die ein positives, affirmatives Porträt der First Lady erwarten, werden angesprochen.
Außerhalb der Vereinigten Staaten konnte Melania kaum Aufmerksamkeit erzielen. In Großbritannien startete der Film in 155 Kinos auf Platz 29 mit 33.000 Pfund, in Italien in 94 Kinos auf Platz 38 mit lediglich 6.520 Euro. In Deutschland lief der Film in 44 Kinos, 767 Besucher*innen zahlten 8.300 Euro, was Platz 47 bedeutete. Einige Kinos, darunter der Kölner Cinedom, nahmen den Film aufgrund geringer Nachfrage und „weltweiter kritischer Reaktionen“ kurzfristig aus dem Programm (Quelle: The Spot).
Inhaltliche Bewertung: Doku oder politisches Statement eines Skandal-Regisseurs?
Ob Melania als Dokumentarfilm inhaltlich überzeugt, bleibt fraglich. Fachliche Tiefe oder cineastische Qualität treten hinter der Absicht zurück, die Sympathien einer klar definierten Zielgruppe zu bedienen. Aus neutraler Perspektive wirkt der Film eher wie ein politisches Statement in Form eines biografischen Porträts, das kaum universelle Relevanz beanspruchen kann.
Trotz der polarisierenden Reaktionen wird Melania durch die mediale Aufmerksamkeit und die Rekordbewertung auf Rotten Tomatoes in Erinnerung bleiben – weniger wegen cineastischer Qualität, sondern aufgrund der gezielten Ansprache eines bestimmten Publikums.
Was bei dem Thema öfters vergessen wird, ist dass auch Regisseur Ratner in der Filmbranche seit Jahren kritisch beäugt wird. Nicht nur wegen umstrittener Produktionsentscheidungen, sondern auch wegen persönlicher Skandale und übergriffigem Verhalten. Insbesondere seine Verbindungen zu Jeffrey Epstein und Berichte über Besuche auf Epstein Island werfen Schatten auf seine Reputation. Ratner dementiert zwar, Epstein zu kennen, allerdings gibt es eindeutige Beweise (via BBC).
Mit seinem Kontakt zur Trump-Familie hat es Ratner nun aber wohl geschafft wieder Arbeit in Hollywood zu finden. So bereitet er gerade den Dreh für Rush Hour 4 vor. Mehr zu diesem Projekt gibt es hier.