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Inhalt

Nick Mason freut sich. Nicht, weil Weihnachten vor der Tür steht, sondern weil er und sein Knastkumpel Rudy (Ben Affleck) in drei Tagen wieder freie Männer sind. Nick kann es kaum erwarten: Er hatte vor einigen Monaten eine Brieffreundschaft mit der schönen Ashley (Charlize Theron) begonnen – nun wird er sie endlich kennenlernen. Doch kurz vor der Entlassung stirbt er. Rudy kann der Versuchung nicht widerstehen und nimmt kurzerhand Nicks Identität an. Der Ärger ist vorprogrammiert. Er verbringt zwar einige schöne Tage mit Ashley, doch dann taucht plötzlich ihr Bruder auf. Er plant einen Überfall auf das Casino, in dem Nick früher arbeitete und setzt nun auf dessen Hilfe. Für wen Rudy sich jetzt auch ausgibt, er sitzt in der Falle.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

-„Bitte, tun Sie es nicht…ich habe Frau und Kinder!“

-„Ich habe Kopfschmerzen…und Hunger!“

Fünf tote Santas am Weihnachtsabend, was ist da schief gelaufen? Mit diesem wenig besinnlichen Bild eröffnet Action-Veteran John Frankenheimer (French Connection 2) seinen letzten Kinofilm, der ganz in der Tradition der etwas aus der Mode gekommenen Christmas-Actioner wie Stirb Langsam oder Tödliche Weihnachten steht. Mittendrin der zu dieser Zeit unverständlich omnipräsente Ben Affleck (Batman v Superman: Dawn of Justice) als eigentlich geläuterter Ex-(Auto-)Knacki Rudy, der pünktlich zum Fest wieder auf freien Fuß kommt und nichts mehr mit krummen Dingern am Hut haben möchte. Nach fünf Jahren Bau und wahrscheinlich entsprechend unausgeglichenen Hormonhaushalt kann er sich jedoch nicht die Chance entgehen lassen, die bildhübsche Brieffreundin seines gerade verstorbenen Zellenkumpels Nick ins Bett zu locken. Vor Ashley (Charlize Theron; Mad Max: Fury Road) gibt er sich als dieser aus und lässt den etwas angerosteten Charme spielen, was erstaunlich schnell zum Erfolg führt. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott  bekanntlich sofort, so lässt auch der Denkzettel für diesen moralischen Aussetzer nicht lange auf sich warten: Ashleys garstiger Bruder Gabriel (Gary Sinise; Spiel auf Zeit), von seinen Kumpanen liebevoll nur „Monster“ genannt, und seine Gang greifen sich den falschen Nick, da sie mit seiner unfreiwilligen Hilfe „dessen“ alten Arbeitsplatz – ein Indianercasino – ausnehmen wollen.

Das große Actionspektakel bleibt bei Wild Christmas lange aus, stattdessen wird der Coup äußerst holperig vorbereitet, da Nick bzw. Rudy natürlich über keinerlei erhofftes Insiderwissen verfügt und lediglich immer wieder versucht, Zeit zu gewinnen und irgendwie doch noch seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Die eigentlich brutalen und ungeduldig wirkenden Ganoven lassen ihm dabei bemerkenswert viel durchgehen; bellen lieber mehrfach bevor sie denn mal entnervt zubeißen. Dass die Plotentwicklung maximal als zweckdienlich aus dem Boden allerlei unglaubwürdiger Momente gestampft bezeichnet werden kann, geschenkt, ist ja schließlich Weihnachten und so pingelig betrachtet kommt auch John McClanes traditionelles Feiertagsprogramm auf keinen grünen Zweig (besonders Teil 2!). Nur ist Konserven-Darsteller Ben Affleck leider kein Bruce Willis, dafür gibt Gary Sinise eine recht süffisante Over-The-Top-Badass-Performance ab (die auf die Dauer allerdings auch droht zu nerven) und besonders Charlize Theron ist als bitter-süße Femme Fatale mehr als nur ein Hingucker. Licht und Schatten nicht nur im Cast, dieser Kontrast zieht sich durch alle Bestandteile des Films.

Es wird schon ordentlich viel Zeit vertrödelt ohne die Geschichte entscheidend voranzubringen oder aufsehenerregend zu schmücken, obwohl das Ganze von John Frankenheimer natürlich souverän und fachmännisch kompetent vorgetragen wird, dazu auch noch recht hübsch fotografiert. Richtig Leben in die Bude kommt erst beim eigentlichen Beutezug, bei dem der Regisseur nun sein Können in dem Bereich ausleben darf. Kein Vergleich zu seinem durchgehend rasanten und spektakulären Vorgänger-Kracher Ronin, das gibt das Geschehen allein grundsätzlich nicht her, aber auf Frankenheimer ist was gut inszenierte Action angeht immer Verlass, die auch ohne die ganz großen Explosionen und überladenen CGI-Schnickschnack auskommt. Beinah gelingt es Wild Christmas gar durch seinen launigen Schlussakkord, die Gunst des Zuschauers doch noch für sich zu gewinnen oder zumindest über den bis dahin gerade so durchschnittlichen Rest wohlwollend hinwegzusehen. Bis er sich diese Goofy-Pointe unter den Baum legt, das haut dem glatt die Kerzen aus dem Adventskranz. Eine schöne Bescherung sieht dann doch anders aus.

Fazit

Zu doof um wirklich Spannung aufkommen zu lassen und gleichzeitig nicht knackig oder einfallsreich genug, damit das eigentlich niemanden interessiert. „Wild Christmas“ ist dennoch kein richtig schlechter Film, der für das belanglose Festtagsprogramm mal ausreichen kann. Halbgare 08/15-Ware mit ein paar lichten Momenten und einem satten Schuss Schwachsinn im Glühwein.

Autor: Jacko Kunze

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