Inhalt
Piero und sein Sohn Giuliano leben allein am Stadtrand in einem Bauernhaus voller verletzter Tiere, die sie aufnehmen und pflegen. Die Nonnes, eine angesehene Familie, wollen sie vertreiben, weil sie wie Vagabunden leben. Als Schnee fällt, verschwindet Piero und die Tiere werden getötet. Giuliano muss seinen Vater suchen. Unterwegs begegnet er Maddalena.
Kritik
Drei schicksalhaft miteinander verbundene Familien; ein skrupelloser Sohn aus reichem Hause und ein gutherziger Sohn eines armen Vaters, die um die ätherische Tochter einer dritten Familie konkurrieren; ein mysteriöser Wald, der ebenso den Tieren gehört wie einer Bande dort hausender elternloser Kinder. Die märchenhafte Struktur Salvatore Mereus (Bentu) ausufernder Adaption Alberto Capittas 2013 erschienenem Roman "Alberi erranti e naufraghi" maskiert eine paternalistische Parabel, deren restriktive Romantisierung sozialer Ressentiments und Marginalisierung so verstaubt ist wie die narrativen Tropen.
Selbige zeigen sich bereist prologartigen Auftakt der Jahrzehnte umfassenden Erzählung, die das Verhältnis von Mensch und Natur zur ambivalenten Analogie on aporophober Ausgrenzung und Klassenkonflikten einsetzt. Vor dem Hintergrund Siziliens malerischer Landschaft, stilisiert zum mythischen Nicht-Ort, lebt der kleine Giuliano Arca (Romeo Perrone) mit seinem alten Vater Piero (Alessandro Haber, Der Schatten von Caravaggio) in einem baufälligen Haus voller verwundeter Tiere. Jene flickt Piero mit improvisierten Operationen wieder zusammen. Seine Qualifikation bleibt so zweifelhaft wie der Humanismus dieses selbstauferlegten Mission.
Der beengte Haus-Zoo erinnert mehr an Dr. Moreau, dessen Fixierung Piero scheinbar teilt. Eines Nachts überfallen Eindringlinge aus der nahegelegenen Stadt das entlegene Haus und töten die eingepferchten Tiere. Berührt sind weder Giuliano noch Piero, der spurlos verschwindet. Auf der Suche nach ihm kehrt Giuliano Jahre später zurück an diesen Ort unter Kontrolle der reichen Familie seines einstigen Schulfreundes Emilio (Lorenzo Richelmy, Rain Catcher). Der naturliebende Narr und der hinterhältige Erbe wollen nun beide die ätherische Maddalena (Giulia Maenza, Eine stürmische Affäre).
Die einzige ansatzweise relevante Frauenfigur ist nur ein passives Objekt im Konflikt der jungen Männer. Sie verkörpern ihre Gesellschaftsschicht sowie gegensätzliche Positionen zur Natur; beide gleichermaßen realitätsfern und verzerrt. Während der Plot sich in einer unausgegorenen Mischung aus Kunstmärchen und operatischer Familienfehde versteigt, verliert sich die Handlung in unfertigen Nebensträngen. Kuriose Facetten wie die im Wald hausende Kinderbande bleiben ohne dramaturgische Funktion. Ein weiteres konstruiertes Klischee in einem kunsthandwerklichen Konglomerat poetischen Prätention, dessen Tiefgang und Universalität Behauptung bleiben.
Fazit
Der pittoreske Schauplatz Salvatore Mereus kommerziellen Kino-Kunstmärchens bietet Francesco Piras Kamera eine dankbare Folie für generische Ästhetik und Kinderbuch-Atmosphäre. Magisch-realistische Einschübe verstärken die süßliche Verklärung von Armut, Ausgrenzung und familiärer Vernachlässigung. Das erwachsene Ensemble verleiht den unterentwickelten Charakteren mehr Profil als die Story suggeriert. Den kindlichen Darstellenden fehlt allerdings Überzeugungskraft und Ausdruck. Ihre Präsenz ist Teil der emotionalen Manipulation und plakativen Symbolik der überlangen Romanverfilmung. Deren Öko-Humanismus ist lediglich zeitgenössischer Anstrich konservativer Dogmen.
Autor: Lida Bach