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MB-Kritik

Growth of the Soil 2026

Drama

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Herbert Nordrum
Asta Kamma August
Gard B. Eidsvold
Anders Baasmo Christiansen
Sjur Vatne Brean
Oddgeir Thune

Inhalt

Zwei Menschen im Kampf gegen die Natur, die in der Einöde irgendwo in Nordnorwegen Neuland erschließen. Geleitet von den elementaren Bedürfnissen des Lebens, stellen sie sich den drohenden Herausforderungen und stellen ihre Fähigkeiten auf die Probe.

Kritik

Äußerlich betrachtet ist Hans Petter Molands (Absolution) epische Leinwand-Adaption Knut Hamsuns (Victoria) gleichnamigen Romans ein imposantes Monument des menschlichen Ringens mit einer gleichsam erhabenen und unbarmherzigen Natur. Eine grandios geschauspielte Saga von Liebe und Zeit, deren fundamentalen Umbrüche die Menschen erst im Nachhinein sehen. Ein visuell berauschendes Werk, das die raue Schönheit der norwegischen Landschaft in majestätische Kamerabilder bannt. Doch mit dem zweieinhalbstündigen Werk untrennbar verbunden sind die ideologischen Implikationen des norwegischen Roman-Autoren, der seinen Nobel-Preis für die Buchvorlage Goebbels widmete und glühender Verehrer der Nazis war.


Diese politische Verstrickung macht die wortkarge Story des Einzelgängers Isak (Herbert Nordrum, Solomamma) und der Ausgestoßenen Inger (Asta Kamma August), die Hamsun 1920 den Literatur-Nobel-Prize einbrachte, zu einem beunruhigenden Zeitspiegel. Der wachsende Rechts-Reaktionismus findet eine nahezu ideale ideologische Vorlage in der Geschichte von männlicher Kraft und weiblicher Fruchtbarkeit, hierarchischer Harmonie in archaischer Aufstiegsmacht, monogamer Meritokratie und der vermeintlich destruktiven Kraft weiblicher Emanzipation und sozialen Wandels. Zivilisatorischer Fortschritt, verkörpert durch das archetypische Figurenpaar, ist weiß und heteronormativ. Männliche Moralfestigkeit steht über weiblicher Emotionalität und Eitelkeit. 


Regisseur und Drehbuchautor Moland webt diese allegorischen Untertöne so organisch in die minimalistische Handlung, dass sie zur Selbstverständlichkeit werden. Entsprechend der biblischen Anklänge der existenzialistischen Erzählung ist Isak der eigentliche Hauptcharakter und zu Beginn allein in der winterlichen Wildnis. Dort begegnet ihm die durch eine Lippenspalte gezeichnete Inger, die er des nachts vor dem Kältetod bewahrt. Menschliche Wärme ist lebensrettend in der rauen Bergwelt, in der Isak während in zwei Episoden Ingers Abwesenheit jedesmal fast umkommt. Notwendigkeit wird gleichgesetzt mit Liebe, Kollektivgewinn überwiegt individuelle Ziele. 


Gemeinsam bauen sie aus Reisig eine Unterkunft, die zu einer Erdhöhle wächst. Vom Berg schleppt Isak Felsbrocken für den Grundstein eines Hauses, für das sie eine Kuh zur Versorgung herbringt. Dank beider unermüdlicher Arbeit wächst das schlichte Heim über die Jahre zum beachtlichen Gut. Zwei Söhne komplettieren scheinbar das Glück, doch das Inger die Geburt stets allein bewältigt, zeigt beim dritten Kind seine tragischen Beweggründe. Weil das kleine Mädchen ihre Missbildung geerbt hat, trifft sie einen fatalen Entschluss. „Es war besser für sie.“, erklärt Inger später. 


Unterschwellig bestätigt der dramatische Rahmen eugenische Konzepte, obwohl er sie für die Tat verurteilt. Dass sie aus der Haft mit kosmetisch korrigiertem Gesicht zurückkehrt, unterstreicht die Analogie äußerlicher Makel mit moralischen Defiziten, deren Buße einer ästhetischen Anpassung gleichkommt. In diesem Kontext ist sind die sublimen Szenengemälde auch ein inszenatorisches Idiom, das die ambivalente Philosophie überhöht. Ingers äußere Veränderung markiert das offene Hervortreten ihrer verborgenen Unterschiede zu Isak. Die kosmetische Korrektur und ihr neu erlerntes Handwerk eröffnen ihr eine Loslösung vom Hof, der Isaks ganze Welt ist. 

Fazit

Gesprochene Dialoge braucht es nur sporadisch in Hans Petter Molands imposanter Verfilmung Knut Hamsuns preisgekrönten Literatur-Klassikers. Dessen suprematistische Dogmen hüllen Oskar Dahlsbakkens majestätische Kamera-Panoramen in eine Aura gravitätischer Gewaltigkeit. Die nuancierten Darstellungen vertiefen das Charakter- und Beziehungs-Porträt, dessen von Ruhe und Reduktion gelenkter Erzählfluss observatives Slow Cinema mit nationalistischer Ikonographie verknüpft. Formal beeindruckend und handwerklich ausgefeilt, steht die atavistische Aura in eklatantem Kontrast zu dem völkischen Gedankengut und traditionalistischen Dogmen, die tief in ihr verankert sind. Eine archaische Ode der Romantisierung von Revisionismus und Reaktionismus.

Autor: Lida Bach
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