Inhalt
Als eine unscheinbare Hausfrau unerwartet für eine Laientheaterproduktion besetzt wird, verliert sie sich unter dem Bann eines willensstarken Regisseurs in ihrer Rolle.
Kritik
Der bescheidene Rahmen des titelgebenden Theaterauftritts Jesse Eisenbergs (A Real Pain) warmherziger Meta-Comedy steht in markantem Kontrast zur Hingabe der Charaktere vor und hinter der Kamera an die Bühne. Selbige steht in einem Off-Theater in New Jersey, nur eine kurze Distanz und dennoch weit ab vom Renommee und Glanz des Broadway. Doch die universelle Magie des Theaters räsoniert selbst in der kleinen Nebenrolle eines obskuren Musicals, das Julianne Moores (Echo Valley) unscheinbare Hausfrau Mona Friedman aus ihrem monotonen Alltag reißt. Ein nie gekanntes Selbstwertgefühl und neu entdeckte Sinnhaftigkeit öffnen ihr die Tür zu einer neuen Welt.
Dieses figurative Bild visualisiert Regisseur und Drehbuchautor Eisenberg, der selbst eine Nebenrolle im Film sowie dem Theaterstück im Film hat, mit Monas von einem liebevollen Willkommen und allseitiger Ermutigung begleitetem physischen Eintritt in die Theater-Sphäre. Die war ihr noch am Vorabend, ebenfalls buchstäblich, verschlossen. Regisseur Jerry (famos: Paul Giamatti, Downton Abbey: Das große Finale) hatte statt der gänzlich schauspielunerfahrenen Protagonistin die Provinz-Ikone Serena Cherry (eine wunderbar selbstironische Cameo von Broadway-Veteranin Bernadette Peters, The Desert) erhalten. Doch ihr ist die Rolle der energischen Vermieterin eines New Yorker Mietshauses voll kurioser Existenzen zu klein, daher castet Jerry mangels anderer Bewerberinnen Mona.
Die Mutter zweier erwachsener Kinder kurz vor dem Auszug und eines selbstgenügsamen Gatten (Patrick Fabian, The Ritual), der schon lange das Interesse an ihr verloren hat oder nie wirklich hatte, ist angesichts dieser trivialen Bestätigung endlos begeistert und bemüht. Ein Hauch Tragik liegt in der entflammten Energie und Nervosität dieser in Auftreten und Aussehen gleichermaßen biederen Persönlichkeit, die sich zum ersten Mal entfalten darf. Jerry indes ist korrigiert mit wachsender Sorge ihre krampfige Darbietung in seinem selbstverfassten Stück „Nosy Neighbors“. Das Musical-im-Musical, zu dem ausführliche Proben-Szenen die satirische Story machen, wird zum parodistischen Running Gag.
Monas beachtlich talentierte Bühnen-Kolleg*innen Stef (Halle Bailey, Quincy) Zachary (Colton Ryan, The Girl from Plainville) und Eisenbergs Todd sowie Jerrys übereifriger Regie-Assistent Piotr (Eldar Isgandarov) sind Teil der kameradschaftlichen Clique, die Monas Selbstvertrauen stärken. Davon braucht sie jede Menge, um Jerrys Method-Acting Unterricht zu packen. Je tiefer Mona in ihrer Rolle versinkt, desto mehr weicht die Realität einer skurrilen Traumwelt. Die liegt unterschwellig von den ersten idealisierten Einstellungen an in dem zeitentrückten Szenario, das Wahnsinn und Wunder des Theaters zelebriert. Doppelbödig arrangierte Tropes verknüpfen sich zu einer eigenwilligen Hommage an den kuriosen Mikrokosmos und die Menschen, die ihn schaffen.
Fazit
Julianne Moores grandiose Darstellung einer ambitionierten Laien-Schauspielerin, die mit ihrem Platz im Rampenlicht ihren Platz in einer Gemeinschaft findet, ist Mittelpunkt und Momentum Jesse Eisenbergs tragikomischer Theater-Komödie. Deren sprühendes Ensemble evoziert eine verklärte Version der Egozentrik und Energie der Charaktertypen, die ihr kleines Schauspielhaus für einen kurzen Moment ihren unerfüllten Träumen näher bringt. Ihre Community schafft Kunst während zugleich die Kunst ihre Community schafft. Sarkastischer Humor und bizarre Symbol-Situationen bewahren die energetische Inszenierung davor, in Kitsch abzudriften. So unwirklich das amüsante Geschehen ist, so aufrichtig ist die Liebe der Beteiligten zu dieser Welt.