Inhalt
In der mexikanischen Grenzstadt Juárez, wo Gewalt gegen Frauen ungestraft verübt wird, tritt eine unerwartete Verteidigerin auf den Plan und richtet einen verzweifelten Appell für Veränderung an die Öffentlichkeit. Inspiriert von wahren Begebenheiten.
Kritik
Abrupte Panik, reflexartige Reaktionen und eine schwelende Wut signalisieren das Trauma der kämpferischen Titelheldin Suzanne Andrews Correas energischen Spielfilm-Debüts eindringlich und direkt, noch bevor das Publikum dessen konkrete Ursachen begreift. Die nagende Angst der Fabrikarbeiterin Luz (Adriana Paz, Emilia Perez) um ihre eigene Sicherheit, aber mehr noch die ihrer 14-jährigen Tochter Alejandra (Jennifer Trejo) teilen nahezu alle Frauen im Schauplatz Ciudad Juárez. Vergewaltigungen und Morde an Frauen gehören in dem mexikanischen Grenzort zur Alltagsrealität, der Beziehungen, Selbstwahrnehmung und Gemeinschaftsleben formt. Ständig gejagt wird Luz zur Jägerin.
Der Titelbegriff ist die Selbstbezeichnung einer Serienkillerin, die im Jahr 2013 an dem realen Handlungsort zwei Busfahrer erschoss. Beide waren mutmaßliche Täter in den zahllosen Verbrechen und Übergriffen gegen Frauen und Mädchen, die niemals sicher sind. Auf der Busfahrt zur Arbeit, die wegen ein paar Minuten Verspätung gekündigt werden kann, bei der Polizei oder daheim: Nirgendwo gibt es Sicherheit für Frauen wie Luz, die selbst Opfer einer Vergewaltigung wurde. In ihrer Verzweiflung greift sie selbst zur Waffe und gibt den Tätern eine Kostprobe ihrer Angst.
In düsteren Sand- und Staubtönen entwirft die mexikanische Regisseurin und Drehbuchautorin eine fiktive Biographie der realen Person, die sich nach der römischen Göttin Diana benannte und nie gefasst wurde. Auf heroische Überhöhung verzichtet die raue Inszenierung ebenso wie auf erlösende Katharsis. Luz bleibt gehetzt, gequält von alptraumhaften Erinnerungen an ihre eigene Gewalterfahrung. Der Zuneigung ihres fürsorglichen Freundes Jaime (Eme Malafe) misstraut sie. Ihre Morde können die Gewalt nicht beenden, aber sie setzen ein Zeichen, das Correas konsequentes Kriminaldrama mit bitterer Entschlossenheit amplifiziert.
Fazit
Formal konzentriert und dramaturgisch kondensiert begleitet Suzanne Andrews Correas psychologischer Thriller seine entschlossene Protagonistin über wenige Tage, in denen ihre innere Qual ein Ventil findet. Die eigenmächtigen Hinrichtungen fungieren als strukturelle Marker innerhalb des konzisen Plots, der die zerrissene Psyche seiner Hauptfigur durch fokussierte Körpersprache und metaphysische Metaphorik vermittelt. Adriana Paz herausragende Darstellung wird zum glühenden Zentrum einer mit mythischer Allegorik untermauerten Story, die Selbstjustiz in ihrer tragischen Motivation und Resolution untersucht. Dunkelheit und Dreck deuten auf den moralischen Abgrund, der die paradox benannte Protagonistin zu verschlingen droht.
Autor: Lida Bach