MB-Kritik

I Want Your Sex 2026

Comedy, Drama, Thriller

6.6

Olivia Wilde
Cooper Hoffman
Mason Gooding
Chase Sui Wonders
Daveed Diggs
Charli xcx
Johnny Knoxville
Margaret Cho
Roxane Mesquida
George Todd McLachlan

Inhalt

Als der unerfahrene Elliot einen Job bei der Künstlerin und Provokateurin Erika Tracy bekommt, werden seine Fantasien wahr, denn sie erwählt ihn zu ihrer sexuellen Muse. Doch Elliot gerät schnell an seine Grenzen, als Erika ihn auf eine Reise in eine Welt voller Sex, Besessenheit, Macht, Verrat und Mord mitnimmt.

Kritik

Knallige Kulissen, die verspielte Gegenüberstellung von Kunst und Künstlichkeit, die Eckthemen Identität, Materialismus, Sex und Moral, gezielt gegen Typ besetzte Stars und bekannte Gesichter aus älteren Werken: Nach einem Jahrzehnt mit Serien und TV-Inszenierungen kehrt Gregg Araki zum Sundance Film Festival und zur großen Leinwand zurück mit einer pseudo-provokanten Prestige-Produktion. Jene betont gerade durch die formale Nähe zu klassischen Araki-Filmen die dramaturgische Diskrepanz zu jener Ära. Die süffisante Story und manierierte Inszenierung wirken mehr wie die Imitation Arakis charakteristischen inszenatorischer Handschrift als deren Weiterentwicklung. 

Gemeinsam mit Karley Sciortino, Co-Autorin der kurzlebigen Serie Now Apocalypse, mixt der Regisseur und Co-Drehbuchautor Sex und Satire zu einem komödiantischen Kommentar zu im Wandel begriffener Sexualpolitik, den Kunst-Betrieb sowie Fetisch und Kinks als identitätsstiftende Instrumente. Was in einer Ära religiösen Revivals subversiv klingen mag, entwickelt sich eine ernüchternd biederen und konservativen Popkultur-Parodie. Jene beginnt mit einem kriminalistischen Teaser. Olivia Wildes (The Invite) manipulative Galleristin und Künstlerin Erika treibt leblos in einem Pool, aus dem sie ihr neuer Assistent und Sexsklave Elliot (Cooper HoffmanOld Guy) fischt. 

Eine Rückblende zeigt die vorangehenden Ereignisse, während der Elliot sich bereitwillig von seiner Chefin in eine Porno-Phantasie-Welt der Rollenspiele (ver)führen lässt. Von Erotik und Affront sind die albernen Aktionen des heimlichen Paares allerdings ebenso weit entfernt wie von moralpolitisch oder soziologisch relevanten Beobachtungen. Stattdessen bestimmt den abstrusen Plot verkappte Verklemmtheit. Symptomatisch dafür ist eine Phantasie-Szene, in der Elliots desinteressierte Freundin (Charli xcx, The Moment) lüstern ihre Bluse aufreißt, aber dem Publikum statt echter Brüste Cartoon-Titties entgegenspringen. Sex ist allgegenwärtig und dennoch abwesend; ein kommerziell aufbereitetes Kunst-Konstrukt. 

Fazit

Je krampfhafter Gregg Arakis Kopulations-Komödie sich als tabubrechend und subversiv präsentiert, desto offenbarer werden die moralistischen Muster der skurrilen Story. Kinos werden zelebriert, aber Lustlosigkeit abgewertet. Sexuelle Selbstsicherheit ist nur akzeptiert in den längst genormten Bahnen von Sex-Positivität. Belästigung wird als heimtückische Manipulation dauergeiler Frauen dargestellt. Obwohl alles angeblich so locker ist, genügen die braven Bilder jeder Jugendfreigabe. Verkehr ähnelt grotesker Gymnastik, Witzvorlage statt Wichsvorlage, in sicherer Distanz zur Realität. Farbintensives Design, stilisierte Ästhetik und ein unterhaltsamer Cast können den spießigen Subtext nicht ausgleichen. 

Autor: Lida Bach
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