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Der Gefängnisausbruch eines Kleinkriminellen schlägt in seiner Heimatstadt unerwartet großen Wellen. Noch bevor der junge Mann (unfreiwillig) wieder einen Fuß auf deren Boden gesetzt hat, droht die Lage bereits zu eskalieren.

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Kritik

Obgleich er bei Der Zug noch gefeuert und durch John Frankenheimer ersetzt wurde, gelang Arthur Penn noch eine beachtliche Karriere in Hollywood. Bei Ein Mann wird gejagt konnte der Regisseur späterer Kultfilme wie Bonnie und Clyde, Alice’s Restaurant oder Little Big Man bereits sein großes Talent auf ebenso großer Bühne präsentieren. Stargespickt und aufwändig produziert kommt diese mahnende wie beunruhigende Gesellschafts-Parabel daher, beruhend auf dem Roman wie dem Bühnenstück von Horton Foote. In prachtvollen Bildern wird die Erzählung begonnen mit dem Gefängnisausbruch - bzw. der Flucht nach eben selbigen – von Bubba Reeves (Robert Redford, Der Clou). Dieser wird dem Zuschauer eigentlich als recht sympathisch vorgestellt. Klar, er wird was verbrochen haben und mit seiner Flucht ist er sowieso knietief in der Scheiße, aber ein skrupelloser Verbrecher ist auf den ersten Blick schon etwas ganz Anderes. Bubba will eigentlich nach Mexiko, springt leider auf den Zug in die falsche Richtung auf und ist seiner alten Heimat unverhofft plötzlich ganz nahe.

Diese ist die texanische Kleinstadt Tarl, beherrscht von dem Öl-Mogul Val Rogers (E.G. Marshall, Die Zwölf Geschworenen) und behütet von Sheriff Calder (Marlon Brando, Der Pate). Letzterer ist weniger beunruhigt von der Person Bubba Reeves. Nur ein Junge, der früh unter unglücklichen Umständen auf die schiefe Bahn geriet und in einem resozialisierungsfaulen Cowboystaat nie eine faire, zweite Chance erhielt. Aber mit seiner unfreiwilligen Streichholzfunktion, die er in dem schon lange bis zum Rand angestauten Pulverfass Tarl ausfüllen könnte. Hier kennt jeder jeden, was nicht unbedingt vorteilhaft sein muss. Manche kennen sich auch „zu gut“. Offenen Geheimnisse werden selten direkt angesprochen, aber gleichzeitig unverblümt ausgelebt. Wer mit wem und warum ist mal offensichtlich. Mal aber auch Gerüchte, welche sich aufgrund der Eigendynamik nicht mehr wiederlegen lassen. Das Val’s Sohn Jason (James Fox, Sexy Beast) eine Affäre mit Bubba’s Strohwitwe Anna (Jane Fonda, Barbarella) pflegt, ist stadtbekannt und unter den aktuellen Umständen äußerst pikant. Gleichzeitig betrügt Emily (Janice Rule, Vermisst) ihren langweilen Buchhalter-Ehemann Edward (Robert Duvall, Fesseln der Macht) vor aller Öffentlichkeit, was dieser aber besser ignorieren kann als eine mögliche Rückkehr von Bubba. War er es doch einst, der ihm das Leben versaut hat und nun bibbert wie kein Zweiter. Und auch Calder gilt nur als verlängerter Arm von Rogers; als dessen persönliche Leibgarde. Dabei möchte dieser so schnell wie möglich den Gnaden-Stern ablegen und sein altes Leben als Farmer wieder aufgreifen, was aber schier unmöglich scheint.

Es ist enorm und unbehaglich viel los in dieser Kleinstadt, nur ein kleiner Funke genügt für eine unkontrollierte Explosion. Ein noch junger Robert Redford wird beinah zum Macguffin, aber auch so ist er nur der Zünder zum perfekten Zeitpunkt, um all den Hass, die Doppelmoral, den Rassismus und den eskalierenden Hedonismus einer weißen, volltrunkenen, feigen und alle scheinheiligen Masken fallenlassenden, blütenweißen Oberschicht gnadenlos an die Oberfläche zu kehren. Im Stil klassischer, dichter Südstaaten-Melodramatik wird ein oftmals packender Moraldiskurs in ein stark inszeniertes und erstklassig besetztes Ensemblestück verlegt, das in der ersten Hälfte lediglich durch das bekannte, selbstgefällige Spiel von Marlon Brando etwas schwächelt, was er wiederum später durch seine enorme Präsenz und Physis wieder rechtfertigt. Wenn der Mann abliefern muss, dann mit einer Wucht, die ihres Gleichen sucht. In manchen Szenen scheint es ihm beinah langweilig, weshalb er sich unnötig aufplustert. Ein wilder Gaul, den es gegebenenfalls zu zügeln die wohl größte Kunst ist. In der zweiten Hälfte fallen wiederum die drastischen Straffungen auf, die Erfolgsproduzent Sam Spiegel (Die Faust im Nacken, Die Brücke am Kwai, Lawrence von Arabien) im Alleingang und unter massiven Zeitdruck vornahm. Der Film funktionier trotzdem tadellos und ist straff erzählt, jedoch verschwinden nicht unwichtige Nebenfiguren ab einem gewissen Punkt nahezu komplett und viele spannenden Nebenplots, angerissenen Hintergründe und Einzelschicksale werden zu einer Masse vermengt. Das ist unter einer effizienten Sichtweise sogar ganz vernünftig umgesetzt, trotzdem würde man Ein Mann wird gejagt gerne in seiner ursprünglichen Fassung sehen.

Fazit

Ein für seine Zeit wahnsinnig hochwertiger und ziemlich kritischer Film wird am Ende etwas zu straff abgehandelt, vielleicht weil man kein Vertrauen in ein großes Epos hatte. Das Potential war absolut vorhanden. Unabhängig davon ist „Ein Mann wird gejagt“ eine intensive, radikal Gesellschaftsstudie mit Top-Besetzung und einer hochwertigen Regie, die lediglich an gewissen, egozentrischen Entscheidungen Einbußen erleidet. Ein Meisterwerk-Torso, ähnlich Scorsese’s „Gangs of New York“, der dennoch funktioniert.

Autor: Jacko Kunze

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