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Der junge amerikanische Fotograf Charles Horman und seine Frau Beth leben in der chilenischen Hauptstadt Santiago. Während der Unruhen im Verlauf des Militärputsches 1973 versuchen sie, das Land zu verlassen. Dabei verschwindet Charles spurlos...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Früher oder später gerät man als cinephiler Zeitgenosse zwangsläufig in Berührung mit dem Namen Constantin Costa-Gavras (Der unsichtbare Aufstand), dem Meister des (heute) klassischen Spannungskinos. Vor allem Z - Anatomie eines politischen Mordes ist eine unverwüstliche Referenz in diesem Gefilden. Kaum ein anderer Künstler verstand es danach derart versiert, den Rahmen des dokumentarisch angehauten Genrefilms zu nutzen, um persönliche Überzeugung zu formulieren; um durch einen oftmals thesenhaften Gestus gezielt sein Publikum herauszufordern und zu eigenen Überlegungen zu animieren. Eine wütende, aufrüttelnde, packende und hochkonzentrierte Seherfahrung, die auch mit über 50 Jahren auf dem Buckel nichts von ihrer Aktualität einbüßen sollte. Genau das, was einen Klassiker ausmacht: Zeitlose Strahlkraft. Auch der 1982 entstandene Vermisst offenbarte ein weites Mal, wie gekonnt Costa-Gavras es beherrschte, politische Stimmungen einzufangen. 

Während Vermisst bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme prämiert wurde, wirbelte Costa-Gavras zeitgleich in den Vereinigten Staaten mit dem ebenfalls für den Oscar für das Beste adaptierte Drehbuch ausgezeichneten Drama einige handfeste Kontroversen auf. Natürlich aus dem Grund, weil er es sich (erneut) nicht nur wagte, unangenehme Fragen zu stellen, sondern auch, weil er die einzig schlüssigen Antworten auf diese abbildete. Die filmische Aufbereitung des historischen Falls von Charles Horman, der im Zuge des blutigen Pinochet-Putsch im September 1973 vermutlich von Militärs aufgegriffen und in einem zum Konzentrationslager umgebauten Fußballstadion von Santiago hingerichtet wurde, sorgte in Amerika für reichlich Anspannung. Costa-Gavras schürte Misstrauen in die eigenen politischen Lager, was das Außenministerium der Vereinigten Staaten anhielt, eine umfangreiche Erklärung abzugeben, die bekräftigte, es hätte keine an Amerikaner ausgesprochenen Todesurteile gegeben.

Über seine zweistündige Laufzeit hält Vermisst den Zuschauer an der kurzen Leine, führt ihn durch den militärischen und psychologischen Terror eines Landes, in dem Lügen, Opportunismus und Massensterben an der Tagesordnung stehen: Während über 40.000 Menschen ihr Leben lassen müssen, die Straßen von Leichen überflutet sind, geht es Amerika nur darum, eigene ökonomische Ambitionen zu bewahren. Koste es, was es wolle. Dass diese gnadenlos mitreißende Tour de Force vollends funktioniert, liegt natürlich auch zu einem nicht unwesentlichen Teil an dem erneut exzellenten Jack Lemmon (Save the Tiger), dessen leiderfülltes Gesicht immer mehr zum Ausdruck bringt, wie der Glaube in die Ideale seines Heimatlandes zusehends erlöschen. Verloren in einem fremden Land, muss der Vater, der nur noch einmal seinen Sohn in den Armen halten möchte, erkennen, dass das Private und das Politische nicht zu trennen sind. Vor allem, wenn wirtschaftliche Interessen im Spiel sind.

Fazit

Mit "Vermisst" liefert Constantin Costa-Gavras ein formvollendetes Polit-Melodrama. Bitter, erschütternd, mitreißend und stilistisch ausgefeilt zeichnet der griechische Franzose nicht nur die Verheerungen eines Landes nach, sondern erkundet auch das Grauen, das vom Politischen in das Private hinabsteigt. Wenn Jack Lemmon nicht schon den Oscar für seine Performance in "Save the Tige"r gewonnen hätte, hier wäre er spätestens reif für den Goldjungen gewesen. Exzellent, wie der gesamte Film.

Autor: Pascal Reis

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