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Paris, 2.August 1944: Die Befreiung durch die Alliierten steht unmittelbar bevor. Der deutsche Oberst von Waldheim lässt Gemälde von unschätzbarem Wert auf einen Güterzug verladen, um sie nach Berlin zu verschicken. Der französische Fahrdienstleiter Labiche, ein Mitglied der Résistance, wird gebeten dies zu verhindern, hält es jedoch in Anbetracht der Lage für nicht besonders relevant. Bis der Zugführer, ein von allen geschätzter, bald väterlicher Freund, bei dem Versuch der Sabotage exekutiert wird. Nun wird die Sache persönlich…

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Mit Botschafter der Angst und besonders Der Gefangene von Alcatraz gelang John Frankenheimer 1962 im Alter von gerade mal 32 Jahren der ganz große Durchbruch. Bis zu seinem Tod im Jahr 2002 wurde er berühmt als einer der großen, amerikanischen Actionfilmregisseure, drehte noch bis ins hohe Alter und konnte selbst dort noch Maßstäbe setzen. Wer würde beispielsweise denken, dass der hochrasante Ronin (1998) mit seinen furiosen Verfolgungsjagden von einem fast 70jährigen Mann inszeniert wurde?

Zu einem seiner frühen Glanzstücke gehört auch Der Zug, eine US/französische Co-Produktion, die Elemente des Kriegsfilms (insbesondere natürlich des in Frankreich aufgrund seiner Historie populären Résistance-Kinos), Actionfilms, Survival-Thrillers und ethisch-hinterfragenden Drama miteinander vermengt. Nach mehr als 1000 Tagen der deutschen Besatzung scheint die Befreiung zum Greifen nah. Die alliierten Truppen sind nur noch einen Steinwurf von der Hauptstadt entfernt, täglich, eher stündlich wird mit dem erlösenden Durchbruch gerechnet. Während das stationierte Naziregime immer noch befehlstreu seinen Dienst verrichtet und die Wahrheit nicht erkennen will/darf, gilt es für die tapferen Männer des geheimen Widerstandes jetzt eigentlich nur noch die Füße stillzuhalten und kein unnötiges Risiko mehr einzugehen. Oberst von Waldheim (Paul Scofield; Scorpio, der Killer) will die verbleibende Zeit nicht mit sinnloser Frontunterstützung verplempern, sondern dem deutschen Reich einen letzten, großen Beutezug (im wahrsten Sinne des Wortes) bescheren. Gegen die Order seiner Vorgesetzten schickt er einen eigentlich für Kriegsmaterial vorgesehenen Güterzug Richtung Berlin, beladen mit der größten Gemäldesammlung von Paris. Die Schlacht ist verloren, das ist ihm klar, aber gemäß der alten Fußballweisheit „Wenn wir schon nicht gewinnen können, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt“ will er La Grande Nation noch einen Tiefschlag versetzen, und wenn es nur materieller und darüber hinaus speziell kultureller Natur sein mag.

Viel pragmatischer geht da zunächst der französische Fahrdienstleiter und Résistance-Anführer Labiche (Burt Lancaster, Rächer der Unterwelt) vor. Ihn interessiert das Vorhaben des Oberst zunächst nur sekundär, so kurz vor der anstehenden Erlösung will er seine Leute nicht gefährden und fokussiert die riskanten Sabotage-Aktionen lieber noch auf die Kriegsmaschinerie der Deutschen. Bis die Sache durch eine Hinrichtung persönlich und er direkt in den Ritt nach Berlin involviert wird. Nun werden alle Hebel und Weichen in Bewegung gesetzt, um die Reise des Zuges so intensiv wie möglich zu verlangsamen. Mit hohem Aufwand und als ihm bewusst wird, wie sehr er um fünf vor zwölf zu viel investiert hat, ist die Sache bereits zum Selbstläufer geworden. Geschickt baut Der Zug seine Story wie die Charakterisierung der Figuren, ihre Motivationen und Entwicklungen auf. Vor der Kulisse der letzten Atemzüge deutscher Besatzung entsteht ein als reiner Action- und Spannungsfilm sehr effektiver, intensiver Streifen mit beachtlichen Drucksequenzen, der aber gleichzeitig den moralischen wie logisch konstruierten Konflikt seiner Figuren nicht aus den Augen verliert, darauf sogar eher das Augenmerk richtet. Das erinnert teilweise stark an Henri-Georges Clouzot’s Jahrhundertwerk Lohn der Angst, nur vor völlig anderem Hintergrund.

Bewusst werden sehr kluge Fragen gestellt und die Antworten nicht auf dem Silbertablett, aber genauso unverblümt im Schmutz abseits der Gleise serviert. Wenn ein Bruchteil der - in dem an sich unnötigen Gefechts – gefallenen Männer und Frauen, Franzosen wie Deutsche, neben den Holzkisten stapeln, deren Inhalt natürlich enorm wertvoll ist, materiell, künstlerisch wie als Prestigeobjekte, aber war es das wert? Und besonders jetzt?! Beide Männer sind über’s Ziel hinausgeschossen. Haben sich zu einer Vendetta hinreißen lassen. Aus unterschiedlichen Gründen, dem einen mag man es mehr verzeihen als dem anderen. Sein Antrieb mag nachvollziehbarer, emotionaler sein, aber unterm Strich werden am Ende der Schlacht die Toten gezählt. Alles für die Kunst…oder alles für die Katz? Die Sinnlosigkeit des Krieges, besonders eines eigentlich schon entschiedenen, verdeutlicht Der Zug anhand einer eindrucksvollen Prämisse. Und funktioniert ganz nebenbei als damals moderner und heute nicht minder gelungener Genrefilm einwandfrei.

Fazit

Ein in immer noch kraftvolles, schmutziges und pulsierendes Stück Filmgeschichte, das ein unrühmliches Kapitel des letzten Jahrhunderts anhand einer an sich einfach klingenden, aber sehr wohl durchdachten Idee gnadenlos seines Werteverfalls entlarvt. Ohne direkt anzuklagen, denn es ist in seinem Kontext immer nachvollziehbar, konsequent auf emotionaler Schiene und trotzdem bzw. dennoch von unschätzbarem Wert. Mehr als hundert Kunstwerke, mögen sie noch so selten sein.

Kritik: Jacko Kunze

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