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Ein ehemaliger Boxer lässt sich von zwei Auftragsmördern ohne jeglichen Widerstand erschiessen. Die merkwürdigen Umstände des Mordes lassen einen Versicherungsdetektiv Ermittlungen aufnehmen, in deren Verlauf der Werdegang des Boxers beleuchtet wird.
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Kritik

Kaum auszudenken, wie sich das amerikanische Nachkriegskino (und speziell der Film Noir) ohne den Einfluss der vor dem aufkeimenden Nationalsozialismus ins Exil geflohenen deutschen Filmemacher entwickelt hätte. Wie schon seinem Kollegen Fritz Lang („Ministerium der Angst“) gelang auch dem gebürtigen Dresdener Robert Siodmak („Die Wendeltreppe“) mit prägenden Filmen der schwarzen Serie der Durchbruch in den USA. „Rächer der Unterwelt“ wurde zu einem seiner größten Erfolge, heimste vier Oscarnominierungen ein, beförderte ihn zu einem der bestbezahlten Regisseure seiner Zeit und machte die bis dato eher unbekannten Darsteller Burt Lancaster („Verdammt in alle Ewigkeit“) und Ava Gardner („Die barfüßige Gräfin“) über Nacht zu Stars.

In dieser düsteren Verliererballade gibt es keinen Platz für Hoffnung, keine Chance auf Vergebung, damit wird gleich in den ersten Szenen abgerechnet. Das Eintreffen zweier unheilvoller Gestallten in der verschlafenen Kleinstadt Brentwood – schnell als die titelgebenden Killer auszumachen - markiert den chronologischen Schlusspunkt der Geschichte, nimmt das tragische Ende des am Leben gescheiterten „Schweden“ Ola Anderson (trotz maskuliner Härte erstaunlich verletzlich wirkend: Lancaster) vorweg. Ein Film, der mit dem Tod des Protagonisten beginnt und danach anhand von Befragungen, Ermittlungen und Erinnerungen alter Weggefährten Stück für Stück den langen Weg dorthin wie ein Puzzle zusammensetzt: „Rächer der Unterwelt“ könnte als „Citizen Kane“ des Film Noir bezeichnet werden. „Ich habe vor langer Zeit ein Unrecht begangen“ beichtet Anderson kurz vor seiner Exekution einem Arbeitskollegen, wohlwissend das sein Ende naht und bereit, sich seinem Schicksal zu stellen. Der Satz wird zu seinem Rosebud, der Frage auf die es die Antwort zu finden gilt: Nicht wer den Schweden tötet, das wissen wir bereits, sondern warum.

Versicherungsermittler Jim Reardon (Edmond O'Brien, „Opfer der Unterwelt“) will eigentlich nur aufklären, warum die Lebensversicherung des Toten an eine mit ihm nicht näher in Verbindung stehende Hotelangestellte ausgezahlt werden soll, doch seine Untersuchung führt ihn bald schon viel weiter. Immer tiefer in die fatale Abwärtsspirale, die aus dem ehrlichen, bodenständigen Arbeiter Anderson einen verurteilten Verbrecher machte und letztlich ihm das Leben kostete. Der primäre Fall rückt zusehend in den Hintergrund, immer mehr Figuren fördern durch ihre Perspektive auf das Vergangenen neue Erkenntnisse zu Tage und führen Reardon auf die Spur eines ganz anderen Verbrechens, dass den Ursprung der verhängnisvollen Ereigniskette bildet. Durch diese geduldige, dabei hochinteressante und clevere Erzählstruktur hält Siodmak die Spannung trotz fast ausschließlich in der Vergangenheit stattfindender Ereignisse konstant hoch, das Zusammenfügen des lückenhaften Bildes entwickelt einen faszinierenden Sog. Immer wieder rücken andere Charaktere in den Fokus der Handlung, ohne das andere gänzlich ihren Stellenwert einbüßen, nur deren Relevanz für das Gesamte verschiebt sich mit jedem neu gelüfteten Detail. Dem hervorragenden Skript gelingt es mühelos, die zahlreichen Personen in ein stimmiges Ganzes zu integrieren und den Plot somit lebendig, pulsierend, bald organisch zu gestallten.

Siodmak gelingt ein Musterbeispiel des Film Noir, das sowohl von seiner formellen Inszenierung wie seiner pessimistischen, nihilistischen Grundstimmung die inoffiziellen Regeln des Genres vorbildlich bedient. Von seinen exzellenten Fotographien, den zwielichtigen Figuren (allen voran die betörende und auf eine destruktive Art anziehende Ava Gardner), dem ausgezeichneten Cast und einer verwinkelten, doppelbödigen Geschichte voller Verrat, Misstrauen und besonders gescheiterter Existenzen. Genaugenommen wäre das Eingreifen der Ermittler, den Hütern von Recht und Gesetz für den Ausgang der Handlung total nebensächlich. Sie sind nur Zeugen und Chronisten auf dem Weg in den Abgrund. Am Ende hacken sich die Krähen gegenseitig die Augen aus, Ganovenehre oder Loyalität haben auf der schiefen Bahn keinerlei Bedeutung. Der Untergang, das Scheitern und die Perspektivlosigkeit sind von der ersten Sekunde allgegenwertige und zentrale Themen von „Rächer der Unterwelt“. Durch seine geschickte Narration macht er von vornherein klar, dass ein Happy End definitiv ausgeschlossen werden kann und bietet nur die Option einer Erklärung, nicht die der Erlösung. Ein fast voyeuristische Form von Elendstourismus, deren einzige Genugtuung bleibt: Verbrechen lohnt sich nicht und wenn es so was wie Karma gibt, ist darauf wenigstens noch Verlass.

Fazit

Eine tiefschwarze Sternstunde des Genres, für seine Zeit außergewöhnlich strukturiert und in vielerlei Hinsicht als Inspirationsquelle späterer Werke zu betrachten, bis hin in die jüngere Vergangenheit des Kinos. Klug, abgründig und konsequent. So sollte Film Noir sein. Kompromisslos empfehlenswert, nicht nur für Fans.

Autor: Jacko Kunze

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