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Seine Kameraden beneiden Kriegsheimkehrer Johnny Morrison (Alan Ladd), erwartet ihn doch im Gegensatz zu ihnen eine Familie zurück. Doch Morrison weiß, dass seine Rückkehr keine erfreuliche ist, kam doch sein Sohn während seiner Abwesenheit bei einem Unfall ums Leben. Doch das ist noch nicht alles. Seine Ehefrau Helen (Doris Dowling) feiert bei seiner Ankunft gerade eine wilde Party. Er muss erkennen, dass sie ein Verhältnis mit Eddie Harwood (Howard Da Silva), dem zwielichtigen Eigentümer des Nachtclubs „Die blaue Dahlie“, hat und Ursache für den Tod des Sohnes ihre Alkoholsucht war. Er trennt sich von ihr, verlässt die Stadt und trifft dabei auf die schöne und hilfsbereite Joyce (Veronica Lake), die – was er noch nicht ahnt – Harwoods gehörnte Gattin ist. In jener Nacht wird Morrisons Frau ermordet und die Polizei hält ihn für den Täter.

Kritik

Die blaue Dahlie gilt heute allgemein als einer der großen Namen des Film noir, wird zumindest immer mal reflexartig ins Rennen geworfen. Aus unterschiedlichen Gründen, ein ziemlich makabrer davon hat mit dem Film eigentlich gar nichts zu tun. Der nie aufgeklärte Mord an der angehenden Schauspielerin Elizabeth Short, die 1947 in zwei Teile geschnitten aufgefunden wurde, ging damals als der Fall „Der schwarzen Dahlie“ durch die Medien. Selbst mehrfach verfilmt (u.a. 1981 mit Fesseln der Macht oder 2006 mit Black Dahlia) bezog sich die Presse bei ihrer Betitelung auf diesen ein Jahr zuvor erschienenen Film, obwohl es dafür genaue genommen keinen logischen Grund gab. Einzige echte Überschneidung (viel mehr Details waren ja über das reale Verbrechen anfangs nicht bekannt): Die ungeklärte Ermordung einer Frau. Abgesehen davon handelte es sich um eine verhältnismäßig große Produktion, die mit Alan Ladd und Veronica Lake zwei der bekanntesten (Genre-)Stars seiner Zeit zum bereits dritten Mal vor der Kamera vereinte (nach Die Narbenhand und Der gläserne Schlüssel) und  - der wohl wichtigste Punkt bei der Einstufung als Klassiker – das von Raymond Chandler verfasst, Oscar-nominierte Drehbuch war damals ein sehr ambitioniertes Exemplar. Damals…

Johnny Morrison, der nach Kriegsende wieder in die Heimat zurückkehrt, findet sein bisheriges Leben als Scherbenhaufen wieder und muss kurz danach sogar untertauchen, da er des Mordes an seiner untreuen Ehefrau verdächtigt wird. Tatsächlich kehrte Alan Ladd auch im wahren Leben gerade aus dem Wehrdiensteinsatz zurück, was eventuell nicht irrelevant für den interessantesten und für die damalige Zeit sehr modernen Teilaspekt der Handlung ist. Ungewöhnlich direkt (für einen Hollywood-Produktion von 1946) wird die Traumatisierung, die körperlichen und geistigen Folgeschäden von Veteranen dargestellt, sogar nicht nur am Rande. Die Figur des offenkundig stark gebeutelten Frontkameraden Buzz (William Bendix, Die rote Schlinge) nimmt – was sich schon früh andeutet - eine im Plot nicht unwichtige Position ein. Ohnehin will Die blaue Dahlie keine ganz schlichte Kriminalgeschichte sein, das merkt man schnell. Relativ viele Personen (für einen vermutet herkömmlichen Unschuldiger-auf-der-Flucht-Film dieser Tage) dürfen als relevant betrachtet werden, das Whodunnit-Prinzip wird ausführlich ausgereizt ohne zu deutliche Infos zu geben, ganz unmissverständlich wird auf die Kraft der Pointe hingearbeitet, um den Zuschauer und seiner Erwartungshaltung ein Bein zu stellen.

All diese Ansätze, der angestrebt komplexe Plot, die zahlreichen und wenig konkret-greifbaren Handlungs-Variationen, besonders die Integration der Kriegstraumata, sind selbstbewusst, lobenswert…und sorgen am Ende dafür, dass Die blaue Dahlie die selbst aufgestellten Hürden kaum überspringen kann, fast unter dem aufgestauten Anspruch zusammenbricht. Es ist wahnsinnig bemüht, aber auch irrsinnig konstruiert. Speziell das überladene Finale entbehrt nicht einer ganz leichten, unfreiwilligen und (extrem) ungünstigen Komik. Zu sehr wird auf einer interessanten Grundidee rumgeritten, bis sie zum plakativen, beinah albernen Selbstzweck verkommt, der sich kaum noch ernst nehmen lässt. Heute würde man das als Twist-Wut verreißen, damals war das sicherlich sehr gewagt und überraschend. Wobei der Film auch an anderen Stellen sichtlich ungünstig gealtert ist bzw. sogar unabhängig davon sich diverse Fragen gefallen lassen muss. Besonders die Rolle von Veronica Lake…ist doch eigentlich nur im Film, weil Veronika Lake mitspielen muss und der Held was zum Flirten hat??! Ansonsten könnte man sie auch streichen oder auf maximal 5 Minuten Screentime kürzen. Aber wäre ja schade drum.  

Fazit

Auch nach 70 Jahren hat „Die blaue Dahlie“ unbestreitbare Qualitäten und seinen Entstehungszeitraum einbezogen versucht er vehement aus der Masse herauszustechen. Das ist markant, wirkt aber zum Teil krampfhaft-ungeschickt, stellenweise gar überfordert. In Anbetracht der sich bietenden und selbst auferlegten Möglichkeiten allemal. Viele wesentlich simpler konstruierte Filme von damals funktionieren immer noch prima, dieser hier nur äußerst bedingt.

Autor: Jacko Kunze

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