6.5

MB-Kritik

Die drei ??? – Toteninsel 2026

Adventure

6.5

Julius Weckauf
Nevio Wendt
Levi Brandl
Jördis Triebel
Florian Lukas
Filip Schnack
Andreas Pietschmann
Jannik Schümann
Simon Kluth
Katja Lechthaler
Florentine Behrend

Inhalt

Die Sommerferien haben begonnen und Die drei ??? wollen einen Roadtrip unternehmen. Doch gerade als Justus Jonas , Peter Shaw und Bob Andrews aufbrechen wollen, klingelt in der Zentrale das Telefon und ein unbekannter Anrufer übergibt dem Detektiv-Trio ihren neuesten Fall. Da sind die Urlaubspläne natürlich schnell vergessen. Die drei Jungs verfolgen die Spuren und stoßen auf den Geheimbund Sphinx rund um den mysteriösen Archäologie-Professor Phoenix und seinen Assistenten Olin. Sphinx führt illegale Ausgrabungen durch und verkauft die so gestohlenen Kunstschätze. Bald starten sie eine Expedition zu der aktiven Vulkaninsel Makatao, die auch als die Toteninsel bekannt ist. Denn die dort gelegene Ruhestätte eines uralten Volkes soll mit einem Fluch belegt sein: Niemand, der Makatao betritt, kommt lebend zurück. Warum begibt sich Sphinx auf eine so waghalsige Reise? Und was hat der erfolgreiche Unternehmer Joseph Saito Hadden mit der Expedition zu tun?

Kritik

Die drei ??? – Toteninsel tritt mit einem beachtlichen Erwartungsrucksack an. Sein unmittelbarer Vorgänger Die drei ??? und der Karpatenhund erwies sich nicht nur als kommerzieller Erfolg, sondern auch als erfreulicher Beleg dafür, dass moderner Kinderfilm die gesamte Familie erreichen kann, ohne sich anbiedernd oder beliebig zu geben. Gute Darsteller*innen, eine stimmige eigene Welt und ein klassisch erzählter Kriminalfall sorgten damals für ein rundes Erlebnis. Dass der neue Film direkt im Anschluss gedreht wurde und zudem auf einer Jubiläumsfolge der legendären Hörspielreihe basiert, ließ auf eine ähnlich überzeugende Fortsetzung hoffen. 

Diese Hoffnungen erfüllt Toteninsel jedoch nur eingeschränkt. Dabei ist vorab festzuhalten: Der Rezensent ist kein ausgewiesener Kenner der Die drei ???-Reihe, weder in literarischer noch in akustischer Form. Der Blick auf den Film ist also jener eines Zuschauers, der die Figuren vor allem aus den bisherigen Kinoabenteuern kennt und sie als eigenständiges Filmtrio bewertet. Gerade aus dieser Perspektive offenbaren sich einige Schwächen, die den Gesamteindruck deutlich trüben.

Ein enttäuschender Fall für die drei Detektive

Am schwersten wiegt die Kriminalhandlung selbst. Zwar beginnt der Film durchaus vielversprechend und etabliert ein rätselhaftes Szenario, doch etwa ab der Hälfte verliert die Geschichte spürbar an Fokus. Der Versuch, den klassischen Detektivstoff um einen ausgeprägten Abenteueraspekt zu erweitern, wirkt unausgegoren und fügt sich stilistisch nicht harmonisch in den zuvor gesetzten Ton ein. Statt Spannung zu steigern, verwässert dieser Richtungswechsel den Kern der Erzählung. Besonders enttäuschend gerät schließlich die Auflösung des Falls, die weder geistreich noch überraschend ausfällt, sondern eher den Eindruck erweckt, man habe sich für den bequemsten Weg entschieden.

Ungeachtet dessen bleibt die Chemie zwischen den drei jungen Hauptdarstellern grundsätzlich intakt. Man spürt, dass das Trio inzwischen eingespielt ist und ein natürliches Zusammenspiel entwickelt hat. Umso bedauerlicher ist die Entscheidung, eine der Figuren über längere Strecken von den anderen zu trennen. Dadurch geht ein wesentlicher Reiz verloren, denn gerade das gemeinsame Ermitteln, Streiten und Ergänzen bildet das emotionale Zentrum dieser Reihe. Wenn dieses Gefüge aus dem Gleichgewicht gerät, leidet zwangsläufig auch die Dynamik.

Auch auf Seiten der erwachsenen Darsteller*innen zeigt sich ein spürbares Ungleichgewicht. Während der Vorgänger mit markanten Leistungen von Ulrich Tukur (Und dann passiert das Leben) und Sunnyi Melles (Triangle of Sadness) ein starkes Gegengewicht zu den Jugendlichen bot, fehlt es Toteninsel an vergleichbarer schauspielerischer Schwere. Die meisten neuen Figuren bleiben schemenhaft und austauschbar. Kostümideen und äußerliche Merkmale können diesen Mangel nicht kaschieren, denn eine Augenklappe ersetzet keine klar konturierte Persönlichkeit. Eine positive Ausnahme bildet Jelena, gespielt von Momo Beier (Die Chaosschwestern und Pinguin Paul). Die Hackerin im Rollstuhl ist eine der wenigen neuen Figuren, die tatsächlich Profil gewinnen. Erfreulich ist dabei, dass ihre Behinderung nur selten zum definierenden Merkmal reduziert wird. Stattdessen überzeugt sie durch Witz, Eigenständigkeit und ihre Fähigkeit, Justus Jonas entschieden zu widersprechen.

Im Vergleich zum Vorgänger eine Rückschritt

Diese Reibung sorgt für frische Momente, zumal Justus auch hier wieder als schwieriger Sympathieträger angelegt ist.  (Der Junge muss an die frische Luft) verkörpert ihn gewohnt nüchtern und kontrolliert, was durchaus zur Figur passt. Seine beiden Mitstreiter Bob () und Peter () kommen emotional zugänglicher daher, doch bleibt die Frage, warum sie das dominante Verhalten ihres Anführers so oft kommentarlos hinnehmen. Für langjährige Fans mag genau das zum festen Figurenbild gehören, im filmischen Kontext wirkt es nicht immer überzeugend austariert.

Im direkten Vergleich mit Der Karpatenhund erweist sich Toteninsel somit als klarer Rückschritt. Die Geschichte ist weniger geschlossen, die Figurenzeichnung schwächer und die dramaturgische Linie inkonsequenter. Für sich genommen bleibt der Film dennoch ein solider Familienunterhalter, der handwerklich sauber inszeniert ist und jüngeren Zuschauer*innen ausreichend Abwechslung bietet. Problematisch ist weniger das, was Toteninsel ist, als vielmehr das, was er nach dem starken Vorgänger zu sein versprach. Wer seine Erwartungen entsprechend anpasst, kann hier immer noch einen passablen Kinoabend verbringen. Wer jedoch auf eine Fortsetzung in gleicher Qualität gehofft hat, dürfte ernüchtert den Kinosaal verlassen.

Fazit

Ein sauber inszenierter, aber erzählerisch unausgeglichener Familienfilm, dem es weder gelingt, seinen Kriminalkern konsequent auszuspielen noch neue Figuren mit echtem Gewicht zu etablieren. Einzelne Lichtblicke können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Spannung, Atmosphäre und Auflösung hinter den geweckten Erwartungen zurückbleiben. Für sich genommen solide, als Nachfolger jedoch enttäuschend.

Autor: Sebastian Groß
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