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Das bewegende Drama erzählt die wahre Geschichte von Maria Altmann, die im mutigen Kampf um ihr Erbe und um Gerechtigkeit bis vor das höchste Gericht der USA zieht. In einem spektakulären Prozess verklagt sie die Republik Österreich auf die Herausgabe der Kunstsammlung ihrer Familie, die einst von den Nationalsozialisten enteignet wurde. Unter den Bildern befindet sich auch eines der berühmtesten Bilder der Welt: "Die goldene Adele", Gustav Klimts Portrait der Wiener Industriellen-Gattin Adele Bloch-Bauer - Marias Tante. Mit Hilfe des jungen und unerschrockenen Anwalts Randy Schoenberg beginnt für Maria nicht nur ein siebenjähriger Kampf à la "David gegen Goliath", sondern auch eine Reise in die Vergangenheit.
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Kritik

Cellomusik, ein Gemälde und der Dämon der Vergangenheit

Restitution von Raubkunst bezeichnet die Rückgabe und Übertragung der Eigentumsrechte an die eigentlichen Besitzer der von den Nationalsozialisten entwendeten Kunstwerke während der Zeit des Dritten Reichs. Betroffen waren vor allem Juden, die aufgrund ihrer Situation als Verfolgte ihre Besitzerrechte nicht länger geltend machen konnten. Insgesamt wurden schätzungsweise 600 000 Kunstwerke zwischen 1933 und 1945 von den Deutschen beschlagnahmt und gestohlen. Die Zahl der bis heute noch nicht an den rechtmäßigen Besitzer zurückgegebene Kunststücke liegt ungefähr bei 10 000. Das amerikanische Filmdrama „Die Frau in Gold“ beschäftigt sich mit dem berühmten Fall von Restitution, bei dem Maria Altman nach einem achtjährigen juristischen Kampf 2006 die Eigentumsrechte an einem von Gustav Klimt gemalten Portrait ihrer Tante Adele Bloch-Bauer und einigen anderen Kunstwerken zurück erhielt.

Dieser wahren Geschichte nahm sich der in erster Linie durch Fernsehproduktionen bekannte Regisseur Simon Curtis an. Mit dem 2011 erschienen Drama „My Week with Marilyn“ zeigte er jedoch bereits sein Können, was Kinoproduktionen anbelangt. Curtis inszenierte, unterstützt von der nicht zu unterschätzenden darstellerischen Präsenz der Hollywood-Ikone Helen Mirren, einen oberflächlich makellosen Film, der es versteht, den Zuschauer über seine Fehler hinwegzutäuschen. Unterlegt von der beschwingten Filmmusik von Hans Zimmer und Martin Phipps schwelgt das Drama in prächtigen Farben und mitreißenden persönlichen Schicksalen. Doch tut es das auf eine subtil manipulative Weise und ohne die gewünschte Seriosität. Denn was da farbenreich auf den Zuschauer niederprasselt, ist im Endeffekt blutleer und mit wenig Esprit geschaffen. Hinter den Fassaden perfekter Bildschönheiten lauern dramaturgische Freiheiten in der Faktenlage des Falls und unechte Charaktere, die über ein mäßiges Drehbuch stolpern.

Verfasst wurde das Drehbuch von Alexi Kaye Campbell, basierend auf der Lebensgeschichte von Maria Altman und ihrem Anwalt E. Randol Schoenberg. Es ist verständlich, dass zugunsten einer fesselnden Dramaturgie ein paar Änderungen an der Geschichte vorgenommen werden müssen. Doch dürfen diese Abweichungen keine einseitige Sichtweise produzieren, was einigen kritischen Stimmen zufolge bei diesem Film der Fall zu sein scheint. Darüber hinaus hält das Drehbuch einige lächerlich gezwungene Witze auf Lager, welche die ohnehin schon seltsame Beziehung zwischen Maria Altman und Ihrem Anwalt noch unauthentischer werden lässt. Obwohl Helen Mirren und Ryan Reynolds ihre Sache gut machen, sieht man ihrem Zusammenspiel in jeder Situation die Intention an, dass die Beziehung gezwungen locker sein sollte und vom Regisseur oder der Textgrundlage übergestülpt wurde. Neben Katie Holmes und Jonathan Pryce geben sich auch einige deutsche Schauspieler und Schauspielerinnen die Ehre. Während Daniel Brühl eine relativ große, aber ihn nicht wirklich fordernde Rolle abbekommen hat, sind Justus von Dohnányi, Nina Kunzendorf, Antje Traue, Tom Schilling und Moritz Bleibtreu in eher kleinen Nebenrollen zu sehen.

Trotz der zahlreichen Ecken und Kanten, die sich in der Tiefe des Werkes versteckt halten, ist es Simon Curtis gelungen, die Aufmerksamkeit auf ein wichtiges und bisher eher zu wenig beachtetes Thema zu lenken. In der Ebene der Gegenwart vermittelt er dem Zuschauer einen Eindruck von den Motiven einer Frau, der vor langer Zeit etwas unrechtmäßig entwendet worden ist und die auf der Suche nach Gerechtigkeit gegen starke Widerstände ankämpfen muss. Sie muss sich letzten Endes dem Dämon der Vergangenheit stellen und kehrt nach langem Hadern mit sich selbst in ihre alte Heimat Wien zurück. Unterstützt wird sie dabei letztendlich von einem aufstrebenden Anwalt, der sich zu Beginn gegen den Fall sträubte. Die zweite Ebene besteht aus Rückblenden in die Zeit während der deutschen Besetzung Wiens. Es geht um die Familiengeschichte von Maria Altman, also um das schwere Schicksal einer jüdischen Familie zur NS-Zeit. Vor allem die zweite Ebene entwirft eine glaubhafte, berührende Atmosphäre und hätte gut und gerne als eigenständiger Film Bestand haben können. Was emotional manipulativ seine Wirkung auf den Zuschauer entfaltet, birgt auch die Kraft in sich, dass er in die Geschichte hineingesogen wird und Kunst, Gerichtsfilm und Historiendrama zugleich hautnah miterlebt.

Fazit

Hier ist ein Historiendrama entstanden, das leichtsinnig sein Potenzial verschenkt. Oberflächlich wirkt „Die Frau in Gold“ wie ein farbenprächtiges Fest für Auge, Ohr und Verstand, doch unter dem verdächtig glatten Wasserspiegel schlummern einige Missbildungen. Die Fakten werden undifferenziert dargestellt, das Drehbuch hat mehr als eine Schwachstelle und die emotionale Manipulation des Zuschauers lässt sich leicht entlarven. Doch immerhin generiert der Film Aufmerksamkeit für ein bis jetzt vernachlässigtes Thema. Hinzu kommt die gute Leistung der Darsteller, allen voran Helen Mirren, und eine vielseitige Genreausrichtung, die für jeden etwas zu bieten hat. Wenn man seine Ansprüche etwas herunterschraubt, kann es einem gelingen, von dem Schicksal der Hauptperson eingeholt und tangiert zu werden. Ein gewisses Feuer lässt sich dem Film wahrlich nicht abstreiten.

Autor: Jonas Göken

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