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Ein wegen Höhenangst aus dem Polizeidienst ausgeschiedener Detektiv verliebt sich in die neurotische Frau eines Schulfreundes, die er überwachen soll. Offenbar hält sie sich für die Reinkarnation einer jungen Frau, die sich vor ungefähr 100 Jahren in den Tot stürzte. Er verfällt ihr mit Haut und Haar, gegen das Karma scheint er jedoch machtlos...

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Kritik

Der Werdegang von „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ ist ähnlich einzigartig wie der Film selbst. Bei seiner Uraufführung noch mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen, teilweise gar heftig verrissen, mauserte er sich über die Jahrzehnte zum Meisterwerk und löste 2012 – was lange undenkbar schien – das goldene Kritikerkalb „Citizen Kane“ als bester Film aller Zeiten ab (laut der mehr oder weniger repräsentativen Umfrage der Zeitschrift „Sight & Sound“). Ob dieser größte gemeinsamer Nenner einer kleinen Zahl von Filmexperten einen wirklich bedeutenden, aussagekräftigen Wert hat, darüber lässt sich streiten. Wie grundsätzlich über die Auszeichnung „Bester Film aller Zeiten“, etwas Subjektiveres und Undefinierbares gibt es wohl kaum.

Interessant und ganz selten dabei: Das unterschiedliche Echo auf diesen Film lässt sich durchaus nachvollziehen (besonders damals, wir sprechen immerhin von 1958, aber auch heute noch), wie die spätere Entwicklung der flächendeckenden Wahrnehmung und der in unermessliche Höhen steigende Wertschätzung, bis hin zum ultimativen Ritterschlag. „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ bedient auch jetzt, 2016, immer noch nicht ganz konventionelle Sehgewohnheiten, entwickelt sich auf ungewohnte Art und Weise und ist dabei die reine Perfektion, die sich er langsam erschließt. Es wurde stellenweise erkannt, einige Stimmen sprachen von einem visionären Werk, dessen wahre Qualität man erst in Jahrzehnten zu schätzen wissen wird. Zu traurig, dass es Alfred Hitchcock („Cocktail für eine Leiche“) in dieser Form nicht mehr selbst erleben durfte. Er war seiner Zeit einfach viel zu weit voraus. Er ist es immer noch. So weittragend, dass es selbst heute – es wurden schon unzählige Filme von ihm direkt oder indirekt inspiriert, er so oft wie selten zumindest zitiert – eigentlich kein vergleichbares Material gibt, das sich zumindest in seiner Individualität deutlich von ihm abhebt. Jahrhundertwerk nennt man so was.

Der sonst bei Hitchcock klar in der Realität verankerte Plot (vergleichbar wäre aus seiner Vita nur die erste US-Arbeit „Rebecca“) arbeitet mit der Kraft des Übernatürlichen, spielt mit der Möglichkeit einer Existenz oder zumindest der Präsenz nach dem irdischen Dasein. Spielen, das genau tut Hitchcock, sehr geduldig, für manche Gemüter vielleicht zu sehr. Mit dem Publikum (auf die Gefahr hin, es abzuschrecken, hat offenbar ja partiell „funktioniert“), in erster Linie jedoch mit seinem Protagonisten, dem nach einem tragischen Unfall an Akrophobie (Höhenangst) leidenden und daraufhin in den Ruhestand versetzten Polizisten John „Scottie“ Ferguson (James Stewart, „Der Mann, der zuviel wusste“, in seiner vierten und letzten Rolle für Hitchcock). Der Zuschauer befindet sich über 90 Minuten – einer früher ganz handelsüblichen Spielfilmlänge – ausschließlich an seiner Seite, betrachtet alles aus seiner Perspektive, hat keinerlei Wissensvorsprung. Dementsprechend ist man ihm und seiner Gefühlswelt sehr nah, sieht und nimmt nur das Offensichtliche wahr, wird in sie involviert wie selten, selbst bei Hitchcock. Gemessen an dem, wie der Film letztlich funktioniert. Ähnliches bot der Meister bei „Psycho“, aber selbst dort ganz anders. Der geniale Bruch erfolgte dort eher und war in seiner plötzlichen Radikalität deutlicher, bei „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ schleicht sich alles sehr behutsam ein und vermittelt erst relativ spät (umso überraschender), was er letztendlich im Schilde führt.

Der Weg bis dahin – und darüber lässt sich keinesfalls streiten – ist stilistisch das Beste, was Hitchcock jemals abgeliefert hat (die Latte hängt hoch). Beginnend mit dem von Saul Bass (auch aktiv als Regisseur, u.a. beim großartigen „Phase IV“) kreierten, brillanten Vorspann (eine beinah ausgestorbene Kunstform), über den szenenabhängigen, wechselnden, dabei immer perfekt arrangierten Score von Bernard Hermann, bis hin zum unsterblichen Jimmy Stewart und die nur notbesetzte Kim Novak („Mord im Spiegel“), die ein Glücksgriff ist. Hätte Hitch die Wahl gehabt, es wäre wohl mal wieder Grace Kelly („Das Fenster zum Hof“) geworden, die war aber bereits dem Adel verpflichtet. Vera Miles („23 Schritte zum Abgrund“) war in anderen Umständen, so musste Novak herhalten. Die unfreiwillige, perfekte Alternative, denn gerade dieses recht unbekannte Gesicht vermittelt optimal die mysteriöse Aura, enorm relevant für die Rolle und deren Wirkung. Der Höhepunkt (unabhängig vom wegweisenden Skript) ist das Zusammenspiel von Einstellungsfanatiker Hitchcock und der optischen Präsentation. Von der Beleuchtung (inklusive dem dahinterstehenden Konzept), den ungewöhnlich surrealen Elementen bis hin zu den malerischen Bildern (passend zur Handlung), die speziell Kim Novak als bald schwebenden Engel vor der verträumten, geschichtsträchtigen „Geisterstadtkulisse“ von San Francisco in Szene setzen. Gepaart mit Anflügen klassischer, altmodischer Hollywoodromantik ergibt sich ein faszinierendes, immer noch irritierendes Hantieren mit gängigen Mustern, die Stück für Stück in sich zusammenfallen und neu definiert werden.

Fazit

„Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ ist so unglaublich gut, so durchkomponiert von vorne bis hinten, das er in seiner Gänze kaum bei einer Erstsichtung zu greifen ist, selbst mit einer gewissen (filmischen) Reife. Das soll nicht abgehoben klingen, es entspricht einfach den Tatsachen, eines (auch persönlichen) Erfahrungswertes. Kein Wunder, dass er so lange nachreifen durfte/musste. Hitchcocks psychologisch komplexester Film, der mal als Unsinn verschrien wurde, dabei enorm clever mit Ängsten, Traumata und Täuschungen jongliert, dass einem buchstäblich schwindelig wird. Und die Höhenangst ist sogar nur ein(er von vielen) Macguffin(s)… Geht nicht besser. Ein obsessiver Rausch der Sinne, ein Film aus einem, idealen Guss.

Autor: Jacko Kunze

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