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Inhalt

Im Tokio der nahen Zukunft herrschen 23 Clans über die Stadt: manche von ihnen friedliebend und mehr oder weniger aufrecht, andere machthungrig und gewalttätig. Unter ihnen auch die Bukuro Wu-Ronz, die sich unter der Führung des wahnsinnigen Yakuza Buppa anschicken, die Alleinherrschaft über den rotlichtgetränkten Moloch zu übernehmen. Als sein Günstling Mera im Streit den von allen Clans geschätzten Tera tötet, geht ein Beben durch die Stadt: Die Gira Gira Girls, die Shibuya-Saru, die Shinjuku-­‐Hands und allen voran die Musashino-Saru rotten sich unter der Führung des energischen Kai zusammen, um den Wu-Ronz ein blutiges Ende zu bereiten. Die Battles können beginnen.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Schon mal einen Film vom Japaner Sono Sion gesehen? Wenn nicht, dann ist es sehr schwierig, den richtigen Eindruck von „Tokyo Tribe“ entstehen zu lassen. Seine letzten beiden Filme, „Why Don’t You Play in Hell?“ und eben dieser hier, zeichnen sich durch offenbar durch das Missachten jeglicher Regeln und Grenzen aus. Regeln und Grenzen des Filmemachens und menschlichen Verstandes gleichermaßen. Für Sonos Arbeit lassen sich schlicht und ergreifend keine Vergleiche heranziehen, die einem eine ungefähre Vorstellung erleichtern. Es handelt sich hier um einen Film, der schwierig zu sehen, schwierig zu bewerten und kommentieren, aber auch schwierig zu hassen ist. Ein Versuch der Erklärung und Würdigung.

War „Why Don’t You Play in Hell?“ noch eine Reminiszenz an den Beruf, die große Liebe und den Lebensinhalt von Sono Sion, den Film nämlich, handelt es sich hier nun um eine Zelebrierung der Liebe an die Musik, speziell das Rap-Genre. Als „das größte Rap-Battle der Welt“ beschrieb der Regisseur seinen Film und damit wird er absolut Recht haben. Das Rap-Battle erstreckt sich nämlich über die volle Laufzeit von zwei Stunden und wechselt beliebig Akteure, Handlungsort und -Zeit und macht generell das, was es auch immer vorhat. Die einführenden Minuten lassen dabei nur erahnen, was hier später alles noch abgerissen wird. Etabliert der Regisseur zu Beginn das fiktive Tokyo, in dem sich die Geschichte abspielen wird, werden dem Zuschauer Schlagworte wie Einsamkeit, Armut und Kriminalität an den Kopf geworfen. Ein Vergleich zur Stadt Sin City ist da nicht Fehl am Platze. Nur ein wenig abgefahrener und lauter. Musik gibt es nämlich über die gesamte Laufzeit, von der ersten viereinhalbminütigen Plansequenz bis zum bombastischen finalen Kampf. Dieser scheint keinen wirklichen Anfang zu haben, alles läuft irgendwie ineinander über und ergibt, nach einer zehnminütigen Exposition einen wilden Mix, ein abgefahrenes Etwas von Film in drei Akten.

Der Plot kann dennoch, gelinde gesagt, einem jeden Zuschauer gepflegt am Gesäß vorbeigehen. Der geht über den obigen Umriss nämlich nicht hinaus. Es gibt Klans, die kriegen sich in die Haare. Das war’s. Der Rest ist eine Chaos-Party, ein Wort, das jetzt einfach mal für dieses Werk erfunden wurde. Doch, doch, Sono bleibt sich seiner Arbeit aus „Why Don’t You Play in Hell?“ treu. Der Absurdität, dem Exzess, dem Humor. War es im Genannten vor allem die Ausgangssituation, die schon wahnwitzig war, ist es hier alles andere, woran man denken und nicht denken mag. Einfach alles. Der Humor ist mal unterschwellig, wenn eine Domina mit der Peitsche knallt und die Kamera ein wenig zuckt, ganz so, als hätte sich der Kameramann erschrocken. Dann aber, und zwar für die überwältigende Mehrheit, ist der Humor so exzessiv auf die Zwölf, dass man sich davor gar nicht retten kann, es sei denn, man schließt die Augen. Und das wird manchmal ganz gut tun, sonst könnte man Gefahr einer Reizüberflutung laufen. Alles ist flamboyant, grell, überreizt, anstrengend, erheiternd und einfach nur vier Nummern zu viel. Es ist wahrlich faszinierend. 

Und da wurde ja noch kein Wort über die Kulissen verloren. Die sind nämlich der eigentliche Star des Films. Das Set ließ Sono von Studenten errichten und ließ ihnen offensichtlich weitestgehend freie Hand. Das Ergebnis ist einmalig, abgefahren, nimmt Popkultur ebenso auf’s Korn wie es sie ehrt. Man stelle sich eine Mischung aus dem Fleisch-Fest in Steven SpielbergsA.I.“, einem Jahrmarkt, einem Problembezirk einer beliebigen Stadt und den Strand-Sets von Baz Luhrmanns Version von „Romeo und Julia“ vor. Dann kommt man vielleicht im Entferntesten gedanklich an die Optik, die sich einem hier offenbart. Durch diese Kulissen lässt Sono dann eine Menschengruppe nach der nächsten tanzen, jagen, rennen und kämpfen. Die Hommagen an Musicals jedweder Art sind da natürlich nicht weit. Den Anfang bildet da noch ganz subtil (Spaß) eine Menschenmenge, die mit Schirmen im Regen tanzt und singt. Die andere berühmte Version von „Singin’ in the Rain“ von Alex DeLarge bekommt auch ihren Platz, wenn wir später urplötzlich in einer Korova Milchbar sind. Wer solche Referenzen und diese japanische „Ich setz noch einen drauf“-Art mag, der wird sich hier sicherlich im Himmel wähnen. Der Film löst jedenfalls jedes Versprechen ein, das er machen konnte und der Name Sono Sion ankündigt.

Fazit

Als Filmkritiker hat man gewisser Weise die Pflicht, auf die technischen und inhaltlichen Komponenten des Filmes gleichermaßen zu achten und dann ein aus den Einzelteilen ein großes Ganzes zu basteln. Das macht es so schwierig, diesen Film einzuordnen; er funktioniert nämlich nur, wenn man die Birne ausmacht, sich nicht auf jedweden weltbewegenden Inhalt versteift, sondern sich von Sono einfach mal gehörig die Visage polieren lässt. Bei diesem Film gibt es nichts zum Erfassen oder Verstehen, nur etwas zum Erleben. Sono erzählt die Geschichte des Raps, nicht historisch, sondern emotional gesehen. Er macht sich lustig über die sexualisiert, chauvinistische und oberflächliche Form der Musik (jedoch nicht, ohne liebevoll zu sein) und verehrt das kraftvolle Wesen des Genres. „Tokyo Tribe“ ist ein Film, der sich so klar und deutlich „Ich mach jetzt, was ich will“ auf die Stirn gestempelt hat, dass er einerseits faszinierend und sympathisch ist, andererseits den Zuschauer zu Zeiten auch etwas zu vergessen scheint, in seinem ungebremsten Exzess. Am Ende bleiben Ungläubigkeit, hochgezogene Mundwinkel, Verwirrung, Freude und vor allem die Wahrheit, dass Gewalt keine Lösung ist. Musik aber schon.

Autor: Levin Günther

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