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Inhalt

Christian ist der smarte Kurator eines der größten Museen in Stockholm. Die nächste spektakuläre Ausstellung, die er vorbereitet, ist "The Square". Es handelt sich um einen Platz, der als moralische Schutzzone fungieren und das schwindende Vertrauen in die Gemeinschaft hinterfragen soll. Doch wie bei den meisten modernen Menschen ist es auch bei Christian nicht weit hin mit diesem Vertrauen - auch er verriegelt die Tür seines stylischen Apartments und würde seinen Tesla nicht unbeaufsichtigt in einer zwielichtigen Gegend parken. Als Christian ausgeraubt wird und ihm kurz die darauf provokante Mediakampagne zu "The Square" um die Ohren fliegt, gerät sein eigenes Selbstverständnis und das gegenüber der Gesellschaft schwer ins Wanken.
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Kritik

Diese Kritik wurde am Donnerstag, 20. Juli, von 16:07 Uhr bis 17:02 Uhr geschrieben und beinhaltet 1.206 Wörter.

The Square, der die diesjährige Goldene Palme in Cannes gewonnen hat, könnte dabei mit folgender Information potenzielle Besucher abschrecken: Der Film wurde um 20 Minuten vor seiner Premiere geschnitten, auf eine Laufzeit von nunmehr 140 Minuten. Tatsächlich meint man, dem Film diese Einschnitte anzumerken. Manche Storylines bleiben am Ende offen, manches läuft ins Leere. Dass beides nicht wirklich schlimm ist, dazu wird es die geballte Überzeugungskraft dieser Kritik benötigen. Man klopfe auf Holz.

Die Kunst.

Manchmal ist das Timing einfach wie eine glückliche Fügung. Im Film The Square ist es dort, wo die Figuren auf dem Weg zur Gerechtigkeit sind und ein Lied von der Band Justice hören. Kein Paradoxon, keine Ironie, einfach gutes Timing. Im Leben des Verfassers ist es dort, wo er sich in den Sitz im Kino fallen ließ, um Ruben Östlunds aktuellen Film The Square zu gucken. Ein Film über Kunst, zu einem Moment, in dem das richtig nötig war. Am Abend zuvor lief nämlich der Film Paula - Mein Leben soll ein Fest sein über den Bildschirm. Ebenfalls ein Film über die Kunst, nur eben einer, der sich seinen Möglichkeiten und seiner Verantwortung gar nicht bewusst ist. The Square hingegen, zweiter Teil dieses Kunst-Double-Features reizt seine Möglichkeiten voll aus und setzt seine Verantwortung gezielt ein - zumindest da, wo sie dem Film gut tun.

Schon zu Beginn, kurz nachdem Christian (Claes Bang, Rettet Raffi!) auf der Couch in seinem Büro aufwacht und zu einem Interview mit Anne (Elisabeth Moss, Queen of Earth) kriecht, wird ein Kernpunkt des Films offen ausgesprochen. Er sagt: „Wenn ich Ihren Rucksack hier ins Museum stelle… Macht ihn das zur Kunst?“ Und so leicht wird mit einem kleinen Fingertippen der Verstand des Zuschauers mit einer Wucht in Bewegung gesetzt, die mühelos die folgenden 140 Minuten übersteht. Laufend gleicht man sein Wissen Szene für Szene ab. Was ist Kunst, ist das Kunst, wird das Kunst? Darf Kunst das, muss das sein, ist Kunst menschlich? Kunst findet vor allem im Kopf statt, Kunst ist also Rezeption. Das artifizielle, unnatürliche Herausheben einer Situation und eines Momentes. Ist ein Rucksack in einem Museum Kunst? Natürlich, weil er für den einen Betrachter eine Geschichte von einem vergesslichen oder gar entführten Kind erzählen könnte. Natürlich, weil er auch als Zeugnis der Taschenmode der aktuellen Zeit herangezogen werden kann. Alles kann Kunst sein, wenn es mit der Intention zur Rezeption verbunden ist.

Die Gesellschaft.

Der Regisseur Ruben Östlund (Höhere Gewalt) bringt von Beginn an viele Verbindungen zwischen Kunst und der Gesellschaft, die von ihr betroffen ist. Grob unterscheiden kann man hier zweierlei. Zum ersten die Gesellschaft, die Kunst rezipiert und hier rein optisch in der Oberschicht zu verordnen ist. Christian, der Chef-Kurator des Museums, fährt einen Tesla, ist eher belustigt darüber, dass ihm Telefon, Portemonnaie und Manschettenknöpfe geklaut wurden und besitzt teure Anzüge. Die Besucher des Museums und der Gala-Abende sind voll von Künstlern und älteren Menschen, die applaudieren, da ein altes Ehepaar kürzlich 50 Millionen Kronen gespendet hat. Zum zweiten die Gesellschaft, auf dessen Schultern die Kunst erstellt wird, die Unterschicht. Ein ganzer Wohnblock einer Sozialbausiedlung, ein bettelndes Mädchen, das vor den Türen des Museums explodiert, oder der Koch im Museum, der sich mit Geschrei Gehör verschaffen muss, obwohl er auf einem Podest steht.

Nach näherer Betrachtung allerdings beginnt Östlund, viele Situationen, Konventionen und Vorurteile umzudrehen. Die Oberschicht wird zum Kunstobjekt gemacht, bei einem Gala-Abend, an dem ein Darsteller einen Gorilla mimt. In einer Szene, die im Dezember mit Sicherheit mehrfach als ein Höhepunkt des Filmjahres genannt wird. Dem Publikum werden zunächst die Grundregeln dargelegt. Angst und Bewegung werden vom Gorilla als Angriffs-Signal gedeutet. Bleibt still sitzen, dann wird euch nichts passieren. Wer Östlunds trockenen Humor kennt, der weiß, was passieren wird und wird trotzdem mit offenem Munde dabei zusehen können, wie die stolze und selbstbewusste Spezies des Menschen derart auseinandergenommen wird, dass am Ende die Fetzen fliegen. Das ist Gesellschaftskritik und zwar auf eine ungewöhnliche Art und Weise. Östlund begreift seinen Film nämlich nie als ein Werk, das eine fertige Antwort zum Dialog beitragen kann. Stattdessen betrachtet er seinen Film als Teil des Prozesses, den die gesamte Gesellschaft der Welt stetig durchgeht.

The Square.

Das Kunstwerk, das den Betrachter eine neue baldige Ausstellung des Museums einführen soll, trägt den Namen The Square und wird vor dem Gebäude in den Boden eingelassen. Ein Bereich, in dem alle Menschen gleich sind. Jeder, der Hilfe benötigt, Hilfe bekommt. Egal, um wen und egal, worum es sich handeln mag. Wollen Sie ein Leben retten? fragt eine Frau auf der Straße zu Beginn die Passanten, die sie alle ignorieren. An sich natürlich ein melodramatischer Moment, zieht er jedoch eine interessante Folge nach sich. Christian nämlich, rettet ein Leben - und wird dabei bestohlen. Daraufhin geht er Schritte, um seine Gegenstände zurückzubekommen - und zerstört ein Leben. Eines, das er nicht retten will, weil es ihm lästig ist. Eines, das er dann zu retten versucht, weil ihm seine Schuld bewusst wird. Eines, das ihm entwischt und seine Katharsis mit sich nimmt.

The Square ist ein Kunstwerk, das den Menschen ihre Unmenschlichkeit bewusst machen und eine Gegenoffensive starten will. Es besteht aus vier leuchtenden Linien auf dem Fußboden und hat dennoch einen starken Effekt. Kunst schließlich muss einen Effekt haben; und der muss nicht einmal positiv sein. Wo landet The Square am Ende? Was passiert mit der Ausstellung, was mit der Künstlerin? Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass das alles irrelevant ist. Doch ist auffällig, wie wenig sich der Film dann doch um den titelgebenden Square kümmert. Und so stößt es in eine andere Richtung der Bedeutung. Was, wenn The Square, das leere Viereck, im übertragenden Sinne der Film ist. Ein leeres Viereck, das nur darauf wartet, mit Leben gefüllt zu werden. Ein Frame, in dem Gesichter, Körper, Worte und Emotionen erscheinen können. Das macht den Film zu einem Werk, das ganz bewusst Kunst darstellt, hinterfragt, inszeniert und analysiert. Ein Kunstwerk, das für eine Welt einsteht, in der gesellschaftliche Unterschiede bedeutungslos werden, Vorurteile verschwinden und keine begrenzenden Linien notwendig sind, um das Gute aus dem Menschen herauszuholen.

Fazit

Ruben Östlunds aktueller Film „The Square“ ist ein 140-minütiges, packendes Drama, das sich offen vielen Fragen widmet und dabei vor allem vor sich selbst keinen Halt macht. Östlund reizt seinen ruhigen, erwartungsvollen Stil aus und lässt die Schickimicki-Gesellschaft gewähren, bis er sie grausam niedertrampelt. Viel mehr als über die Menschen im Film, sagt er aber über die Menschen im Kino aus. Wenn ein Film in Cannes den Hauptpreis gewinnt… Macht ihn das zu Kunst?

Autor: Levin Günther

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