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Sie hat den deutschen Expressionismus geprägt wie kaum eine andere - Paula Modersohn-Becker. Mit "Paula" verfilmt Christian Schwochow die faszinierende Geschichte dieser hochbegabten Künstlerin und radikal modernen Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Paula Modersohn-Becker lebte gegen alle Widerstände und mit unbändiger Kraft ihre Vision von künstlerischer Selbstverwirklichung und ihre romantische Vorstellung von Ehe und Liebe.
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Kritik

Paula Modersohn-Becker war eine Künstlerin - für diejenigen, die sie nicht kennen sollten -, die zum Ende des 19. Jahrhunderts geboren wurde und zu einer wichtigen Vertreterin des frühen Expressionismus wurde. Sie war eine Frau, die vor Lebensfreude gesprüht hat, die sich nichts hat verbieten lassen und einfach wusste, welchen Weg ihr Leben einschlagen sollte; immer tiefer in die Kunst. Im Film hat Paula einen freien Kopf; Frauen können zwar keine Malerinnen werden, aber sie will. Der Stimme aus dem Off redet zu Beginn mit der Rückseite einer Leinwand. Weder Sprecher noch der Adressat sind im Bild; es herrscht die anonyme Verachtung. Niemand kennt Paula wirklich, aber alle scheinen zu wissen, was am besten für sie ist. Dieser Beginn bleibt der einzige wirklich gelungene Kunstgriff des Films. Einem Film über Kunst wohlgemerkt.

Aber ist es wirklich ein Film über Kunst? Nur sekundär. Primär wird Paula hier als eine hell schillernde Gallionsfigur des Feminismus inszeniert. Eine klare „Wir gegen die“-Linie, Frauen gegen Männer, Opfer gegen Unterdrücker wird dargeboten. Doch wird auch diese Thematik nicht wirklich lohnenswert erzählt. Nichts wird gezeigt, alles wird von den Figuren berichtet; erfahrbar wird dem Zuschauer wenig gemacht. Stattdessen werden die Minuten damit gefüllt, die simpelsten Probleme breitzutreten. Was für ein Schock es doch gewesen sein muss, dass diese Frau es wagt, selbstständig sein zu wollen. Dass dies damals gewiss nicht gewöhnlich war, wird aber nicht bloß klargestellt und dann atmosphärisch genutzt; es wird vielmehr zu einem ganzen dramatischen Bogen ausgereizt, der sich jedoch nie fortbewegt, sondern viel mehr schon nach Szene 3 die Geduld des Zuschauers strapaziert. Das ermüdet, überrascht nie und traut sich noch seltener überhaupt etwas zu.

Viel ärgerlicher als die genannten Tatsachen aber ist, wie der Film mit seiner Hauptfigur Paula umspringt. Paula ist eben durchaus eine wichtige Frau in der Kunstgeschichte, nicht aber nur weil sie Frau war, sondern weil sie mit ihrem Denken und ihrer Kunst stetig außerhalb des gegebenen Rahmens dachte. Kunst liegt nicht nur im Auge des Betrachters, sie liegt vor allem in der Zeitepoche des Betrachtens selbst. Paula war ein Bindeglied zwischen klassischer Kunst und dem aufkeimenden Expressionismus. Eine Vordenkerin quasi. Der Film will ihr ein Denkmal setzen, beschäftigt sich aber nicht ausreichend mit ihrer Kunst und tut dies vor allem auf eine denkbar falsche Art und Weise. Nämlich indem der modernen Vordenkerin ein Film beschert wird, der altmodischer, hüftsteifer und glattgezogener nicht sein könnte. Er ist das Gegenteil dessen, was Paulas Kunst ausgemacht hat und ausmacht. Die berühmten letzten Worte der Künstlerin, kurz bevor sie mit 31 Jahren starb („Ah, schade.“) könnten dabei ungewollt ironisch auch als ein letzter Kommentar auf den Film angewandt werden.

Fazit

Manche Bilder bleiben besser unbewegt. Eine durchschnittliche Produktion, die durch sanfte Bilder mit geschmackvollen Farben ansehnlich sein kann, in der jedoch alle Geschehnisse nur auf Plattitüden und Behauptungen aufbauen. Technische Aussetzer hat das gewiss nie und die Hauptdarstellerin Carla Juri liefert eine solide Arbeit ab. Es regt aber nie an, die Augenbraue zu heben, den Verstand einzuschalten, oder sich mit der Kunst von Paula weitergehend zu beschäftigen. Das ist auf Teufelkommraus den aktuellen Gesellschaftsströmen angepasst und versucht dem Zuschauer zuletzt unnötig, dafür aber mit doppelter Wucht seine Message in den Kopf zu hämmern.

Autor: Levin Günther

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