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1826: Der englische Maler William Turner (Timothy Spall) ist ein ebenso renommiertes wie exzentrisches Mitglied der Royal Academy. Er lebt mit seinem Vater William, den er innig liebt, und seiner Haushälterin Hannah Danby in London. Hannah verehrt den genialen Maler, der jedoch stillt an ihr nur sein sexuelles Verlangen. Denn Turner ist ein Egomane, ein wortkarger Einzelgänger - und doch zugleich ein Mann von enormer Sensibilität. Das Künstlergenie hat sich keiner Autorität, sondern der Vielfalt des Lebens verschrieben: Er genießt die Gastfreundschaft des Landadels oder besucht Bordelle, um junge Prostituierte zu zeichnen. Er ist stetig auf Reisen und lässt nichts aus, um dem Phänomen der Wahrnehmung auf die Spur zu kommen. Er lässt sich sogar inmitten eines eisigen Schneesturms an einen Schiffsmast binden, um das Unwetter so authentisch wie nur möglich malen zu können.

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Kritik

Über Kunst lässt sich ja bekanntlich streiten, denn was für den einen augenscheinlich wie ein weggeworfenes Butterbrot aussieht, bezeichnet manch anderer schon wieder als moderne Aktionskunst, die auf die Missstände in unserer Gesellschaft aufmerksam machen will.Im frühen 19. Jahrhundert waren diese extreme jedoch weit außerhalb der Norm, denn die großen Maler jener Zeit richteten ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Darstellung von Lordschaften und Szenen aus der Geschichte, vorzugsweise Bilder aus der jüngsten Vergangenheit.In England führte die sogenannte „Royal Academy of Arts“ ein strenges Regime, welches jegliche Form der Groteske schon im Vorfeld heraus filterte.

In „Mr. Turner – Meister des Lichts“ dreht sich die Geschichte um die letzten 25 Jahre des genialen Malers William Turner, gespielt von Timothy Spall, den die meisten wohl aus den „Harry Potter“ Filmen in der Rolle von Wurmschwanz kennen dürften.Spall zeigt uns auf der Leinwand einen Mann, dessen Seele und Geist tief zerrüttet zu sein scheint, da er auf der einen Seite die vermutlichen schönsten Landschaftsportraits der damaligen Zeit auf die Leinwand bracht, jedoch im sozialen Bereich seinen Mitmenschen oft ein Dorn im Auge war.Seit mittlerweile fast 40 Jahren steht Spall vor der Kamera und mit dieser Rolle durfte er mal wieder unter Beweis stellen, dass er einen Film mühelos auf seinen Schultern tragen kann, denn dank der facettenreichen Rolle verblasst nahezu jedes weitere Mitglied des Ensembles neben ihm.

Die Manie in jedem Pinselstrich, die Unsicherheit beim Besuch im Bordell und die spitze Zunge gegenüber dem ach so eloquenten Landadel, es ist einfach eine Freude ihm bei der Arbeit zuzusehen.Natürlich lebt ein solches Kostümdrama ebenso von seiner Ausstattung und auch in diesem Punkt ist „Mr. Turner“ Weltklasse, seien es die Kostüme, die Schauplätze, oder das Make-Up, der Film wirkt aus einem Guss und in der abgebildeten Zeitepoche mehr als nur gut aufgehoben. Vor allem die großartigen Landschaftsaufnahmen, die sich optisch allzu oft in den Bildern Turners widerspiegeln, tragen ungemein zur Stimmung des Films bei, der optisch ein wahrer Balsam für die Seele ist. Abgerundet wird jene Atmosphäre schließlich von der musikalischen Untermalung, deren klassische Stücke die Optik perfekt ergänzen.

Einzig die eigentliche Geschichte mag nicht zu recht überzeugen, was in erster Linie an der recht sprunghaften Erzählstruktur liegt, die zwar dem Lebensabschnitt Turners chronologisch folgt, zwischen den Szenen aber gerne mal mehrere Monate und Jahre nach vorne springt, sodass man sich als Zuschauer stets aufs neue orientieren muss, da oftmals einzig der Schauplatz und das stetig grauer werdende Haar Turners einen Aufschluss über die aktuelle Jahreszahl gibt.Auch wirken manchen Szenen zum Teil recht willkürlich gewählt, denn obwohl jene einzelnen das Wesen Turners an das Publikum vermittelt, so fühlt man sich doch zu weilen in einer schlecht organisierten Diashow, als in einer stringenten Handlung.

Fazit

Mit „Mr. Turner“ erschuf die Crew rund um Regisseur Mike Leigh ein optisch ansprechendes Kostümdrama über einen der bedeutendsten englischen Maler der jüngeren Vergangenheit. Gerade die grandiosen Landschaftsaufnahmen und die Ausstattung der einzelnen Schauplätze machen den Film zu einer Wohltat für die Sinne, sodass man über die teilweise recht zusammenhangslos wirkende Handlung durchaus hinweg sehen kann. Wer mit dem Genre und die Optik jener Zeitepoche etwas anfangen kann und dazu auch noch einen Faible für Kunst hat, der kann hier bedenkenlos zugreifen.

Autor: Sebastian Pierchalla

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