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Inhalt

Orlando, Florida: Moonee ist erst 6 Jahre alt und hat bereits ein höllisches Temperament. Nur wenige Meilen entfernt vom Eingang zu Disneyworld wächst sie in "The Magic Castle Motel" an einem vielbefahrenen Highway auf. Jeden Tag versucht Halley, das Leben mit ihrer Tochter auf unkonventionelle Art und Weise zu meistern. Moonee und ihre gleichaltrigen Freunde erklären derweil unter den wachsamen Augen des Motelmanagers Bobby die Welt um sich herum zu einem großen Abenteuerspielplatz...
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Kritik

Gesellschaftliche Randgruppen scheinen es Sean Baker angetan zu haben. Tangerine, seine tragische Komödie um zwei Transfrauen in der Prostituiertenszene von Los Angeles, erwies sich nicht nur als regelrechter Wirbelwind aus Flüchen und Farben, sondern auch als einfühlsame Milieustudie; als tragischer Abwärtsspiralenfilm, an dessen Ende nur noch die Schwesternliebe triumphierte. Auch in The Florida Project widmet er sich verkümmerten Existenzen am Rande der Gesellschaft und begegnet dieser Tragik erneut überaus taktvoll, allerdings auch mit weniger Screwball-Einschlag. In malerischen Bildkompositionen folgt er den Kindern Moonee, Scooty, Dicky und Jancey, die in ihren brütend heißen Sommerferien die Anlage des heruntergekommenen Motels Magic Castle in Florida zum eigenen Königreich ausrufen. Fremde werden frech um Geld für Eiscreme angebettelt, vermüllte Häuserruinen müssen erkundschaftet werden, Motel-Chef Bobby (großartig: Willem Dafoe, Antichrist) gilt es bei der mühsamen Arbeit zu stören.

Als faszinierend erweisen sich vor allem die perspektivischen Wechsel, die Baker hier in der Erzählung vornimmt. Zwar schweift er auch immer wieder momentweise auf Nebenfiguren ab, größtenteils aber scheint die Welt des Films der Gestaltungs- und Wahrnehmungsmacht seiner Kinderfiguren zu unterliegen, durch die wir in der Eröffnungsszene erst Zugang zu ihr gewährt bekommen. Der Kamerablick fällt selten auf sie herab, bleibt die meiste Zeit wortwörtlich auf einer Höhe mit ihren offenen Gesichtern und abenteuerlustigen Blicken. Prostituiert sich die Mutter im Nebenzimmer, dann erfahren wir davon nur zufällig, weil sich der Freier ins Badezimmer verirrt, wo die junge Hauptprotagonistin gerade mit ihren Quietscheentchen in der Badewanne sitzt. Auch die märchenhaft entrückte Farbpalette des Films wird zum Ausdruck dieser erzählerischen Perspektive - der bunte Anstrich längst zerfallener Häuserfassaden zeugt von einem Seifenblasentraum vom Leben, in den schon vor langer Zeit jemand mit der Nadel gestochen hat.

Baker gelingt der Balanceakt, von diesen sozialen Missständen zu erzählen, ohne dabei wehleidig Mitleid für seine Figuren zu erbetteln. Gleichzeitig ist den traumhaft schönen Bildern aber auch zu keinem Zeitpunkt eine verklärende Romantisierung eingeschrieben. Ein schlichtes Abbilden verschiedener erzählerischer Vignetten, in deren erarbeitetem Raum die Figuren miteinander agieren, genügt um stets den richtigen Ton zu treffen. Auch ein Leben am Existenzminimum ist von Ambivalenz durchdrungen, von Schmerz und Schönheit gleichermaßen. Die füreinander aufgebrachte Empathie inmitten dieses sozialen Desasters; der unmögliche wie unendliche Zukunftstraum der aufgeweckten Kinderfiguren; all das ist auf eine subtile Weise ungemein bewegend. In einem der vielen bezaubernden Momente des Films sitzen Moonee und Jancey bei einem Picknick zusammen. "You know why this is my favorite tree?", fragt Moonee. "Because it's tipped over, and it's still growing."

Fazit

"The Florida Project" findet die Schönheit im Hässlichen. So menschennah wie Sean Baker erzählen nur wenige Filmemacher der Gegenwart.

Autor: Nikolas Friedrich

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