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Eine Kirche verbirgt unter ihrem Mauerwerk seine dunkle Vergangenheit, die plötzlich mit voller Wucht an die Oberfläche dringt.

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Kritik

Dario Argento (Suspiria) gilt nicht zu Unrecht als Meister des (europäischen) Horrorfilms, obwohl sein Stern schon seit dreißig Jahren nicht nur mehr verglüht, er ist schon längst abgestürzt. Es gab nur wenige Anwärter auf den blutroten Thron einer neuen Generation, unter Wettkampfbedingungen nur einen: Michele Soavi, der direkt auf seinem persönlichen Höhepunkt – gleichbedeutend mit dem letzten Meisterwerk des italienischen Genre-Films – aus dem Rennen ausschied und somit Dellamorte Dellamore nur noch wichtiger werden ließ, als diese Ausnahmeerscheinung ohnehin schon war, ist und immer sein wird. Argento’s langer, kontinuierlich mit der Muttermilch aufgezogener Schützling wurde durch verschiedene Rollen im Filmgeschäft unbemerkt flügge (ob als Darsteller, Autor, Regisseur), oft in der zweiten und dritten Reihe, aber immer anwesend. Das merkte man schon bei seinem Regie-Debüt, dem Spät-Giallo Aquarius – Theater des Grauens. Wissbegierig, talentiert, aber noch sehr ungehobelt und schon damals etwas (noch unpassend) aus der Zeit gefallen. Gerade Letzteres trifft auf The Church eher positiv zu, was merkwürdig klingt, aber genau das definiert diesen Film in seiner schroffen Klasse sehr präzise.

Als wüste, deutlich geringer budgetierte, kaum massenkompatible Bunte-Genre-Tüte aus der Schule der berühmten Landsmänner wie Argento, Bava (Blutige Seide), Fulci (Über dem Jenseits) oder unverkennbar Clive Barker (Hellraiser – Das Tor zur Hölle) wie dem eigentlichen Ideengeber John Carpenter und seinem zwei Jahre vorher veröffentlichten, damals schon schrägen Kirchen-Höllentrip Die Fürsten der Dunkelheit bezieht The Church trotz aller (mitunter dreist entwendeter) Inspirationsquellen in seinem abstrakten Durcheinander eine sehr individuelle Qualität, die sich schwer in Worte fassen lässt. Narrativ kaum der Rede wert, in seiner günstigen aber ungeachtet dessen erstaunlich effektiven, aufwändigen Inszenierung und der radikalen, suggestiven Wirkung mehr als beeindruckend.

The Church – ursprünglich als dritter Teil der Dance of the Demons-Reihe konzipiert – wirkt öfter kaum exakt ausjustiert. Mal wie ein Splatterfilm, mal wie Gothic-Horror, mal wie satanisch-apokalyptisches Arthouse-Kino, mal wie rüder Trash. Er ist alles und nichts, immer gleichzeitig und nie richtig. Wie es das besondere Genre-Kino der 70er öfter war, nur das dieser Film dafür mehr als 5 (eher 10) Jahre zu spät kam. Quasi enorm ungünstig, zum Untergehen verdammt. Eingemauert, unter den Ruinen dessen, was einst das Genre prägte. Damals wenn überhaupt nur zufällig so installiert, bildet Soavi’s ehrfürchtiger Gehversuch heute die sonst kaum vorhandene Brücke aus europäischem und internationalem Genre-Kino, was zu dieser Zeit beinah schon zweckdienlich-dürftig verschmolzen schien. Altbacken und doch modern, verstörend und berechnend in seinem qualitativem, ungewöhnlichem Selbstbewusstsein, eine Fingerübung von bestechender Ausstrahlung; stilecht von Goblin vertont. The Church ist italienisches Genre-Kino, das längst vom Trend eingeholt wurde…und diesem stolz den Hosenstall öffnet. Respekt. Und – wie sollte es auch anders sein – der hier schon leicht wunderliche Produzent und (Achtung!) Co-Autor Dario Argento schreibt sein Töchterlein Asia Argento (The Mother of Tears) als flotte Lotte mit ins Skript…das wurde in den Folgejahren nur noch wesentlich bedenklicher.

Fazit

„The Church“ wirkt wie ein Relikt vergangener Tage, dass sich genau deshalb einen enormen Nostalgie-Bonus aneignet und im Vergleich zum aktuellem Horrorkino seiner Zeit kaum schlechter abschneidet, ganz im Gegenteil. Was er vom Materiellen kaum auffangen kann, meistert er durch seine bizarre Stimmung und das unverkennbare Talent seines Regisseurs, der danach leider mit seinem Sub-Genre ausstarb. Dafür wenigstens mit einem Urknall. Stil kann man nicht lernen. Den hat man, oder träumt davon. Soavi hat(te) davon genug.

Autor: Jacko Kunze

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