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Inhalt

Ein Routineauftrag wird für A. K. Waters, Lieutenant einer acht Mann starken Navy-Spezialeinheit, zur Gewissensprobe: aus einem Krisengebiet in Afrika soll die Amerikanerin Dr. Kendricks gerettet werden, die mitten im Dschungel ein Missionskrankenhaus leitet, während das Land um sie herum vom Bürgerkrieg zerrüttet wird. Alles verläuft nach Plan, bis sich Kendricks weigert, die Menschen zurückzulassen, die in der Mission auf Schutz und Hilfe gehofft hatten, und Waters und seine Männer Zeuge werden, wie brutal die Rebellen gegen die Bevölkerung vorgehen. Entgegen den strikten Anweisungen seines Captains Bill Rhodes entscheidet Waters schließlich, sein eigenes Leben und das der Truppe zu riskieren, um die Dorfbewohner auf einem gefährlichen Marsch durch den Dschungel zur nahen Grenze zu leiten.

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Kritik

Wenn es einen Gott geben sollte, dann hat er Afrika schon vor langer Zeit verlassen. Das jedenfalls ist die Ansicht von A. K. Waters (Bruce Willis, Stirb langsam-Franchise), dem durch seine Erfahrungen eisenhart gewordenen Anführer eines Kommandos an ebenso eisenharten NAVY SEALs. In Nigeria nämlich herrscht Bürgerkrieg. Kein authentischer, ein fiktiver, dessen Grundspannungen aber immer schon in der Realität verwurzelt waren: Mit über 250 ethnischen Gruppen scheint das Konfliktpotenzial innerhalb dieses westafrikanischen Landes regelrecht zu brodeln, um wieder und wieder in gewalttätigen Auseinandersetzungen zu kulminieren - Die Geschichte bestätigt und wiederholt sich. Tränen der Sonne bleibt in der basalen Formulierung des hiesigen Krisenherdes auch durchaus greifbar, wenn er die Feindseligkeit zwischen Moslems und Christen zum Anlass nimmt, um den Schrecken einer ethnischen Säuberung vor Augen zu führen.

Alles, was über diese stoffliche Anlage jedoch hinausgeht, ist mit gesundem Menschenverstand kaum zu rechtfertigen. Selbstverständlich ist es Regisseur Antoine Fuqua (The Equalizer) kaum daran gelegen, eine akkurate Vorstellung eines in sich zerrissenen Landes nachzuzeichnen, um das Leid der Bevölkerung aufzuzeigen; um den Wert der Demokratie zu unterstreichen; um schlicht und ergreifend an die Bedeutung von Menschlichkeit zu erinnern. Tränen der Sonne hingegen ist pathetischer Kriegskitsch, in dem Bruce Willis mit verkniffen-stoischer Mine durch den nigerianischen Dschungel streifen darf, um einer Handvoll Flüchtlingen die Chance auf eine Zukunft in Frieden zu geben. Sicherlich, schon Steven Spielberg lehrte uns einst: „Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.“Tränen der Sonne geht es aber nicht um die Rettungsmission an sich, sprich, um das Retten von Menschenleben.

Antoine Fuqua hingegen entscheidet sich dafür, den harten Schwa...den starken Oberarm Amerikas bis zur Besinnungslosigkeit aufzupumpen, um Tränen der Sonne zur fast schon mythisch überhöhten Kraftdemonstration der alleinigen Weltpolizei aufschwingen zu lassen: Es geht hier nicht darum, wofür sich die NAVY SEALs einsetzen. Es geht darum, wie sie es tun und dass sie es tun. Mit weltfremdem Egoismus und dem unaufhörlichen Drang, die Großmacht-Imagepflege auf Hochglanz zu polieren, wird der Hintergrund eines bestialischen Bürgerkriegs zur Projektionsfläche amerikanischen Edelmuts. Frei von Grauzonen bleibt den westlichen Soldaten nichts anderes übrig, als sich jenseits aller Bedenken für die Sache zu opfern (obwohl, wie unzählige Male erwähnt, es gar nicht ihr Krieg ist – echte Samariter eben), während die radikale Moslem-Meute als amorphe Masse diabolischer Marodeure auftritt, die Frauen sogar die Brüste abschneiden, nachdem sie sie vergewaltigt haben. Saubande!

In einer besonders peinlichen Szene, die Bruce Willis' moralische Initiation beinhaltet, beweist Tränen der Sonne fast schon, dass er das Zeug zum grenzdebilen Edeltrash hätte. Der alles durchdringende Blick dieses wortkargen Kriegers, der immer nur funktioniert hat, aber sich niemals bereit fühlte, seine Missionen zu hinterfragen, ist ganz plötzlich der eines Mannes, unter dessen Uniform wohl doch das Herz eines (mit-)fühlenden Lebewesens pocht. Monica Bellucci (James Bond 007 – Spectre), die hier als Ärztin ohne Grenzen in Erscheinung tritt, scheint dermaßen angetan von diesem knurrigen und doch sensiblen Macker, dass sie es sich nicht nehmen lässt, den kompletten Film mit halboffenem Hemd und frisch geschminkt durch den Urwald zu hüpfen. Vielleicht wird der marodierende Mob von ihrem Dekolletee ja abgelenkt und vergisst urplötzlich all den über Jahrzehnte geschürten Hass?

Dass Antoine Fuqua ein begnadeter Handwerker ist, schlägt sich indes in den tadellosen Fotografien des Filmes nieder: Als wäre es Tränen der Sonne eigentlich nicht scheißegal, wo er spielen würde, wirkt es zuweilen schon gewollt, dass der Dschungel keinen Charakter besitzt. Er ist toxisch, er ist zersetzend, er ist irreal. Und wenn zu den Schusswaffen gegriffen wird, dann poltert es dermaßen gekonnt und wuchtig, dass Tränen der Sonne womöglich sogar als Exploiter durchgehen hätte können, wenn Fuqua nicht ständig mit seinem Schnuffeltuch mit Stars-n-Stripes-Aufdruck gekuschelt hätte. Obgleich sich die Soldaten durchaus ergriffen angesichts des elendigen Massenmordens zeigen, positioniert der Film sich niemals gegen den Krieg. Im Endeffekt heißt er ihn sogar für gut, denn: Wenn der Rest der Welt mal wieder wegschaut, dürfen die Vereinigten Staaten unter Beweis stellen, wer den Längsten hat.

Fazit

"Tränen der Sonne" ist ein handwerklich ordentlicher, inhaltlich aber vollkommen verquerer Kriegsreißer, der sich vor allem dafür interessiert, die Vereinigten Staaten als Retter in der Not zu stilisieren, während der Rest der Welt natürlich die Augen vor dem Grauen verschließt. Als undifferenziertes, pathetisches und unfreiwillig komisches Rührstück funktioniert "Tränen der Sonne" nicht einmal als dumpfbackiger Edeltrash. Eigentlich unanschaubar.

Autor: Pascal Reis

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