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Im Jahr 2001 erhält Walter "Robby" Robinson, der Leiter des Investigativ-Teams des Boston Globe, einen besonderen Auftrag. Der neue Chefredakteur Marty Baron setzt ihn auf die Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche an, von denen schon lange hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Doch als Robby und seine Kollegen Michael Rezendes, Sacha Pfeiffer, Matt Carroll und Ben Bradlee jr. die ersten Opfer interviewen, decken sie Schicht um Schicht einen viel größeren Skandal auf: Seit Jahrzehnten wurden in der Erzdiözese Boston immer wieder Kinder von Priestern missbraucht - und die Taten von höchsten Würdenträgern gedeckt und vertuscht. Die Spuren führen direkt zum Kardinal, doch die Reporter stoßen auf eine Mauer des Schweigens. Die Opfer schweigen aus Angst, hochbezahlte Anwälte spielen auf Zeit. Die kostspielige Recherche der Zeitung droht zu scheitern.
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Kritik

Enthüllungsjournalismus und Erzdiözese liefern sich einen Kampf wie David und Goliath

Während die Erwartungen an die Fortsetzungen der Blockbuster-Reihen in diesem Jahr ins Unermessliche stiegen und in Fällen wie „Mad Max: FuryRoad” oder „Star Wars: Das Erwachen der Macht” auch zufriedenstellend bestätigt werden konnten, erscheint nun der ein oder andere Film in den Kinos, der mit einem Paukenschlag die niedrigen oder nicht vorhandenen Erwartungen bei weitem übertrifft. Das neue Filmdrama „Spotlight” von Tom McCarthy ist ein exzellentes Beispiel, schlich es sich doch klammheimlich auf die Top-Ten-Listen zahlreicher internationaler Journalisten und verbuchte atemberaubende Wertungen für sich. Mittlerweile wird dem Film sogar ein mehrfacher Oscargewinn prophezeit, da er erfolgreich auf den Spuren von Alan J. Pakulas Klassiker „Die Unbestechlichen” aus dem Jahr 1976 wandele und ein modernes Pendant dazu darstellen soll. Immerhin weisen die zahlreichen Preise, die „Spotlight” bereits einsammeln konnte, auf eine gewisse Grundfestigkeit derartiger Hypothesen hin.

Der Name Tom McCarthy dürfte in vielfältiger Funktion bekannt sein, war er doch bereits als Drehbuchautor für seinen Beitrag an „Oben” für den Oscar nominiert und spielte zahlreiche Nebenrollen in verschiedensten Filmen. Als Regisseur bewegte er sich im Komödien- und Dramenbereich des Independentkinos und machte sich mit „Ein Sommer in New York – The Visitor” oder „Win Win” einen Namen. Mit „Spotlight” verschrieb sich Tom McCarthy der wahren Geschichte um das älteste, dauerhaft arbeitende Team von investigativen Journalisten Amerikas, das mit seiner Serie von Storys um den Missbrauchsskandal der katholischen Kirche 2003 dem Boston Globe einen Pulitzer-Preis einbrachte. Für die filmische Umsetzung dieser Begebenheiten gewann McCarthy eine Besetzung, von der mancher Regisseur nur zu träumen wagt. Mit Michael Keaton, Mark Ruffalo, Rachel McAdams, Liev Schreiber und John Slattery sei nur eine kleine Kostprobe der schauspielerischen Glorie gegeben.

Der Film entwickelt mit ungeheurer Leichtigkeit eine Atmosphäre, die unvermeidlich an Klassiker wie den bereits genannten oder Filme von Sidney Lumet und Sydney Pollack erinnert. Das emsige Chaos eines Zeitungsbetriebs, das durch monotones Tastaturenklappern und Telefonklingeln im Hintergrund geräuschvoll unterlegt wird. Konferenzen, Kurzupdates und Krisensitzungen im Kreis der Kollegen, die über die Jahre zur Ersatzfamilie geworden sind. Der schnelle Griff zu Jacke und Tasche, wenn das Telefon den überstürzten Aufbruch verlangt. Der Moment, wenn der beste Freund des Journalisten, der zuverlässige Kugelschreiber, sein wichtigstes Attribut verliert und einfach leer ist. Und natürlich Gespräche über Gespräche, mit redefreudigen und redeunfreudigen Menschen, Privatpersonen und Angestellten. „Spotlight” macht den Zuschauer eindrücklich mit dem Alltag des Journalisten vertraut, gewährt gelegentlich Einblicke in das Privatleben der erfreulich unheroisch dargestellten Helden und hält sich meistens sachlich und korrekt an den journalistischen Ethos der objektiven Berichterstattung.

Dem Film gelingt es nahezu perfekt, das delikate Thema auf prosaische Weise zu behandeln und wird damit dem Bild des amerikanischen Idealjournalismus gerecht. Die Charaktere werden sorgsam dargestellt und es wird in gemäßigtem Ton über den Skandal innerhalb der katholischen Kirche berichtet. Man hat weitestgehend davon abgesehen, einzelne Personen plakativ an den Pranger zu stellen oder sensationslustig zu diffamieren und sich differenziert mit dem bröckelnden Image der katholischen Kirche beschäftigt. Allein die etwas plump anmutende Symbolik von Kind und Kirche hätte noch etwas reduziert werden können. Auch ohne die explizite Erwähnung, dass der Spielplatz direkt neben der Kirche liegt und die Gefahr im Alltagsgeschehen lauert, gewinnt der Zuschauer einen tiefgehenden Eindruck von der grässlichen Präsenz der Thematik.

Das Spotlight-Team muss bei seinem Feldzug gegen die Institution Kirche gegen einige Widerstände ankämpfen. Es reicht nicht, dass die einflussreichen Anwälte der Kirche alle Hebel in Bewegung setzen, um die Enthüllung des Skandals zu verhindern, auch die Opfer sind nur schwer für die Journalisten zu erreichen und sperren sich aus verständlichen Gründen. Der Film vermittelt einerseits die Ohnmacht der Reportergruppe im Angesicht der mit Macht und Einfluss ausgestatteten katholischen Kirche, erzählt andererseits aber etwas zu stringent von den sich häufenden Erfolgen der minutiösen, mühseligen Recherchen, sodass die Glaubwürdigkeit an der ein oder anderen Stelle ein wenig leidet. Da „Spotlight” jedoch auf eine sachliche Darstellung des Rechercheprozesses aus ist, sei ihm das Zusammenraffen der Erfolgsereignisse verziehen, auch wenn die Spannungskurve dafür Abstriche hinnehmen muss.

Fest steht immerhin, dass die Schauspielerriege um Michael Keaton eindeutig die beste Ensembleleistung seit langer Zeit abliefert. Das Spotlight-Team besteht aus fünf Charakteren, die im Laufe des Films allein durch darstellerische Bravour als vollkommen eigenständige Personen wahrgenommen werden können. Hierbei liegt der Fokus zwar etwas unfair verteilt auf dem lässigen, extrem ehrgeizigen Charakter von Mark Ruffalo, der seine Zähne nicht auseinander bekommt und in seinen Mundwinkel nuschelt, doch auch in das Denken und Handeln der anderen vier bekommt der Zuschauer einen selten detaillierten Einblick. Die Wurzel des Erfolgs liegt wohl letztendlich in dem pointierten, ausgefeilten Drehbuch, das der Regisseur zusammen mit Josh Singer verfasst hat. Darin liegt die eigenständige Präsenz der Charaktere und die erfrischend unpathetische, realitätsnahe Ausdrucksweise des Films begründet.

Fazit

Es ist nicht ganz abwegig, das Filmdrama „Spotlight” mit dem unvergesslichen Klassiker „Die Unbestechlichen” zu vergleichen. Zwar kommt es in einem weitaus dokumentarischer anmutenden Stil daher und lässt damit ein wenig an Schwung vermissen, erzeugt aber eine ähnliche Atmosphäre und geballte Kraft der Dialogzeilen. In seiner detailgetreuen und unaufgeregten Darstellung einer tour de force des Enthüllungsjournalismus entwickelt der Film eine beachtliche Wirksamkeit. Nicht zuletzt durch das formvollendete Drehbuch und das beste Schauspielerensemble des Jahres wird „Spotlight” seiner heiklen Thematik gerecht. Hier ist wohl weniger die Frage ob, als vielmehr in welchen Händen eines am Film Beteiligten der Goldjunge zu ruhen kommt. Es würde nicht verwundern, wenn hier der Oscar für den besten Film fällig wird, beinhaltet „Spotlight” doch alles an politisch-gesellschaftlicher Brisanz, was sich die Jury wünscht.


Autor: Jonas Göken

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