{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Verfügbar auf

Maxdome Amazon prime Sky ticket Mubi

Inhalt

Regisseur Steve McQueen konnte mit seinem Regiedebüt „Hunger“ einen Kritikererfolg feiern, der auch den einst aufstrebenden Schauspieler Michael Fassbender mit einschloss. In McQueens zweiter Regiearbeit sollte dieser auch unbedingt wieder mit an Bord sein, ganz nach dem Motto „Never change a winning team“. Dabei wurde nach dem Gefängnisdrama ein anderes kontroverses Thema angepackt, aber kann „Shame“ als das sexuelle Pendant zu „American Psycho“ durchgehen?

  • Lnchjmrgmmticqeufqg4payyxd
  • Phu0duf5jddwubto1qiyctzwgnq
  • 4gghfonroom52w3hea4ev41pubk
  • 8rmuojf52e4bddojlqxkcumls2k
  • 1lwzflzibbicrlsx5ljfxgb1sdl
  • P03ujgrxsqee4lflp2jztgeoioe
  • C7kudmrcsiaokihoyphlsh1iuuo
  • Szkdhperurhwpg5gpbxnlr5jkpb
  • Vegvmgenztrq2ev4mbghynxuxwe
  • 51tftzt8v8gohvwu71jtkvth1yz
  • Ylqgtrcgqje24bbj7duosxgogo
  • Usk1aegrpui7n2fmeulxare5oya

Kritik

Brandon (Michael Fassbender) gilt als kultiviert und ruhig, der Mann mittleren Alters erfreut sich in seinem Job bei einer Werbefirma und Arbeitskollegen großer Beliebtheit. Doch führt er unter der Oberfläche ein anderes Leben – Brandon ist sexsüchtig. Er bestellt sich Prostituierte, besitzt eine beachtliche Sammlung an Pornomagazinen, schaut sich auf der Arbeit entsprechende Videos an und mastubiert, wo es ihm gerade passt. Als sich seine psychisch labile Schwester Sissy (Carey Mulligan) aus Liebeskummer bei ihm einquartiert, gerät Brandons eingefahrener Lebensstil völlig aus den Fugen…

Anders als in optisch kontroversen Filmen wie „Baise moi!“ oder „9 Songs“, in denen augenscheinlich nur der Hardcore-Faktor dominiert, fährt „Shame“ eine tiefsinnigere Schiene, die den Zuschauer wenigstens mit dem Gefühl zurücklässt, dass da etwas wichtiges passiert sei. So thematisiert der Film die Sexszenen nur als Metapher für Brandons Gefühlsleben, die im starken Kontrast zu seinem „offiziellen“ Status stehen. Als kompletter Gegenentwurf betritt dann seine Schwester die Bühne, die die sehr klare Figurenzeichnung sowie die Aussage des Streifens unterstreicht. Im Aufbau gibt sich der Film zwar ganz klassisch, aber auch mit wenig ist hier große Wirkung erzielt worden, die den Betrachter mitreißen kann und ihm nicht nur die nackten Tatsachen auftischen will wie oben genannte Beispiele. „Shame“ nennt nur eine Variante, in die sich eine Kontrastsituation bewegen kann, setzt auf Menschlichkeit, die in der hier präsentierten Werbewelt sowie Brandons unmittelbarer Umgebung schlicht  nicht vorhanden ist.

Die Story ist demnach sehr gut durchdacht und hat in jeder Einstellung die richtige Aussage parat. Das beginnt schon mit dem Design von Brandons Wohnung, die schlicht kalt wirkt, setzt aber weniger auf eine differenzierte Farbgebung, was vielleicht Anlass zur Kritik geben könnte. Wichtiger ist der Effekt, den die Umgebung vermittelt, gleichzeitig war Steve McQueen versessen darauf, die Szenen echt zu halten und verzichtet anfangs sogar fast völlig auf Zwischenschnitte. Der technische Aspekt wird also zu Brandons Weg umfunktioniert, und das völlig nachvollziehbar und spannend in der Inszenierung. Da braucht es auch keine aufwändigen Bühnensets, um dieses Gefühl zu vermitteln, weil „Shame“ ohne Einschränkung mit seinen gewählten Locations auskommen kann. Das Spektrum reicht von durchgestylten Inneneinrichtungen bis hin zur Ghetto-gleichen, Chaos-behafteteten Subkultur, und da benötigte das Filmteam lediglich New York als Bereitsteller diverser authentischer Drehorte.

Das ist allerdings auch nur die Fassade, denn „Shame“ musste regelrecht auf die Darsteller zählen. Und hier stellte sich sofort heraus, dass McQueens Wunsch, wieder mit Michael Fassbender zu arbeiten, ein Glücksgriff war. Fassbender spiele nach Aussage des Regisseurs den Charakter des Brandon nicht nur, er fühle ihn – ich gehe jetzt noch einen Schritt weiter und behaupte, dass Fassbender Brandon sei. Es ist fast erschreckend, wie lebensecht gefühlslos, aber auch zerrissen, der gebürtige Heidelberger den sexbesessenen Yuppie spielen kann (und somit etliche Auszeichnungen einheimste). So kostet er jede Szene, die teils minutenlang ohne Schnitt auskommt, völlig aus. Auch die begabte Carey Mulligan steht dem in nichts nach, die als Antriebsmotor für zwei Drittel der Spielzeit gilt und dabei ihr schon bewiesenes Repertoire (z.B. in „Drive“) nochmals steigern konnte. Ein bisschen schade, dass dann nur die beiden so sehr im Fokus stehen, da die Nebenfiguren nur schmückendes Beiwerk darstellen und sich auch niemand so recht in den Vordergrund spielen kann/will.

Wer den Film zu Ende geschaut hat, wird sicherlich erstmal durchatmen müssen. Man wird sich hier weniger an den optischen Reizen der Sexszenen ergötzen können, weil sie nur das zeigen, was für Brandons Gefühlschaos jeweils von Bedeutung ist. Eine Prostituierte für sein normales Leben, eine als Ventil für sein Versagen nach einem ernst gemeinten Date, oder auch der leidenschaftliche flotte Dreier, um Trotzigkeit zu symbolisieren. Die Konsequenzen bekommt Brandon auch umgehend präsentiert, und so verschwimmt der vordergründige Kontext recht schnell. „Shame“ ist eben kein auf Stil getrimmter Thriller wie „9 ½ Wochen“, keine Ohrfeige für den lieblosen Sextrieb des männlichen Geschlechts (wie es „Baise moi“ zu propagieren scheint), sondern bietet dem Protagonisten auch einen Ausweg an, lässt ihn lernen, anstatt sich nur mit der Situation zu arrangieren.

Fazit

„Shame“ ist verstörend, gleichzeitig aber auch lebensbejahend eingestellt und bezieht hier klar Stellung gegenüber den nihilistisch geprägten Hardcore-Pendants. Hier ist Sex keinem Selbstzweck zuzuordnen, sondern eine Parabel für den Lebensstil eines modernen Großstädters. Dass sich Regisseur McQueen nach „Hunger“ wieder für Fassbender in der Hauptrolle entschied, gleicht einem Jahrhundertphänomen. So können er und Carey Mulligan eine Lehrstunde in Sachen altmodischer Schauspielkunst abliefern, was zusammen mit der bewegenden Story Hitpotenzial versprach und vollends gerecht wurde.

Autor: Sascha Wuttke

Wird geladen...

×