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Im September 1951 kehrt Filmregisseur David Merrill von den Vorbereitungen für sein neues Projekt aus Europa zurück nach L.A. und wird dort im Zuge der McCarthy-Ära-Ermittlungen beschuldigt, kommunistischer Sympathisant zu sein. Um seine aufstrebende Karriere zu retten muss er nur, bevor offiziell Anklage erhoben wird, andere denunzieren. Als er sich empört weigert, geht sein Leben staatlich organisiert den Bach runter.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Seine Karriere als Produzent startete Irwin Winkler in den späten 60ern, der große Durchbruch gelang ihm im Folgejahrzehnt. So war er treibende Kraft hinter den erfolgreichen Charles Bronson-Vehikeln Kalter Hauch und Der Mann ohne Nerven, Konto und Reputation ließ dann die gesamte Rocky-Reihe exponentiell durch die Decke schießen. Die künstlerisch sicherlich wertvollste Beziehung - sogar bis heute innige Freundschaft - pflegte er jedoch mit Martin Scorsese. Schuf gemeinsam mit ihm Werke wie New York, New York, Wie ein wilder Stier oder GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia, bevor er 1991 erstmals selbst Regie bei einem Kinofilm übernahm. Und selbstredend waren zwei seiner getreuen Weggefährten sofort dabei: Scorsese bei einem seiner seltenen Auftritte vor der Kamera in einer kleinen Nebenrolle, in erster Linie natürlich aber Robert De Niro als Filmregisseur David Merrill, der im paranoiden Amerika der frühen 50er auf der berühmt-berüchtigten schwarzen Liste landet. Nachdem er selbst aus Panik (unberechtigt) denunziert wurde und aus Gerechtigkeits- und Ehrempfinden sich standhaft weigert, bei diesem perversen Spiel mitzumachen. Auf Kosten nicht nur seiner Karriere, sondern seines gesamten Lebens, was ihm in diesem Umfang erst jetzt und auf die ganz harte Tour erschreckend gewahr wird.

Schon früh deutet der Film einen Vergleich zur Judenverfolgung-, Verunglimpfung und generell den Methoden der Gestapo an, wenn in einem Nebensatz inoffiziell gewünscht wird, dass „ihresgleichen“ besser mit einem für jeden ersichtliches Zeichen gebrandmarkt wären (inklusive Bücherverbrennung, wenn auch nicht staatlich verordnet). Irwin Winkler wagt sich mit seinem Regiedebüt in eines der dunkelsten und heute oftmals peinlich-verschmähten Kapitel der noch relativ jungen US-Geschichte. Als wegen Druck von ganz oben auch nur potenziell Andersdenkende verfolgt, gehetzt und konsequent vernichtet wurden, wenn sie nicht bereit waren wie in einem absurden Schneeballsystem wiederum andere solange zu denunzieren, bis die in der Öffentlichkeit rein aus politischen Zwecken geschürte Paranoia vor subversiven Mächten nicht mehr von einer mittelalterlichen Hexenjagd zu unterscheiden waren. Wo keine Argumente oder Berufungen auf verfassungsmäßig geregelte Grundrechte gelten gemacht werden können, weil das wiederum als inoffizielles Schuldeingeständnis interpretiert wurde. Ein angeblicher Rechtsstaat als instrumentalisierte Attrappe. Eigentlich die Praktik, die vorher den großen Krieg begann und später hinter dem so gefürchtete, Eisernen Vorhang ebenso paradox-heuchlerisch lange fortgeführt wurde.  

Historisch und gesellschaftlich so brisant wie spannend verlässt sich Schuldig bei Verdacht auf einen Mikrokosmos von fiktiven Figuren (eingebettet von Interpretationen realer Hollywood-Größen wie Produzenten-Guru Darryl F. Zanuck oder der nur Off-Screen-Präsenz von Marilyn Monroe, was dem Ganzen aber noch mehr Authentizität verleiht), deren Einzelschicksale das allgemein vergiftete, von (Existenz-)Angst geprägte Klima trotz des Verzichtes auf eine flächendeckende, in die Tiefe gehende Schilderung des Gesamtkontext trotzdem treffend wiederspiegelt. Hintergrundwissen schadet sicher nicht, die fatale Auswirkung auf das Individuum wird dennoch schonungslos offengelegt. Etwas hinderlich gestaltet sich die bieder-anmutende Inszenierung von Irwin Winkler, die sich wie ein roter Faden durch seine gesamte Regiekarriere ziehen sollte und seine Arbeiten immer eher wie gute TV- anstatt gestandener Kinofilme erscheinen ließ. Da fehlt es sichtlich an der Finesse und Grandezza, was sich ansatzweise auch auf das Skript übertragen lässt. Nichtdestotrotz besticht der Film durch die niederschmetternde und erschreckend reale Thematik, die besonders im (nun) impulsiv vorgetragenen Finale und durchgehend durch die prägnante, stolze Performance des bärenstarken Robert De Niro der Wirkung des Gesamtwerkes nur bedingte – wenn auch nicht zu leugnende – Abstriche beschert.

Fazit

Kein großer, kein unverzichtbarer, aber dennoch auch alles andere als ein unwichtiger Film, der sich an ein heikles Thema herantraut, ohne es in seinem gesamten Umfang wirklich erfassen zu wollen. Was somit auch nicht zwingend zu kritisieren, sondern nur anzumerken ist. Fachlich ausbaufähig gelingt Regie-Debütant Irwin Winkler trotzdem ein wenigstens partiell wirklich mitreißendes, abgründiges Stück über die Zeit, als ein mehr als nur doppelmoralisches Amerika versuchte den paranoid-gefürchteten Feind in den eigenen Reihen mit dessen vordergründig verteufelten Methoden selbst auszutreiben. Und damit viele Unschuldige an den Prager stellte oder gar irreparabel zerstörte.

Autor: Jacko Kunze

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