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Inhalt

Charles Tatum hatte einst eine große Karriere vor sich, doch er ist bei allen großen Zeitungen inzwischen gefeuert worden und arbeitet nun als kleiner Reporter bei einer Lokalzeitung. Als er eines Tages erfährt, daß in einem nahegelegenen Bergwerk ein Mann verschüttet wurde, macht er sich sofort auf den Weg dorthin und berichtet exclusiv von dem Unfall, wobei er alle Möglichkeiten ausnutzt, um aus dem tragischen Unfall eine große Story zu machen, die ihm die letzte Chance eröffnen soll, doch noch ein großer Vertreter seines Gewerbes zu werden.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Ich bin im Boot, ihr im Wasser. Ich sehe euch gerne schwimmen.“ 

Abschätzig betrachtet Chuck Tatum (Kirk Douglas, Einsam sind die Tapferen) das Stickbild, welches die Bürotür des Chefredakteurs der Albuquerque Sun-Bulletin schmückt: Tell The Truth steht da in mahnenden Lettern geschrieben. Die Wahrheit sagen? Chuck hat dafür nur ein müdes Lächeln übrig, denn mit der Wahrheit lassen sich die Auflagezahlen nun mal nur schwerlich in die Höhe treiben. Chuck ist Reporter – und mit Sicherheit keiner der aufrichtigen Sorte, wie der Filmtitel unzweifelhaft zum Ausdruck bringt. Für eine gute Story würde er auch mit dem Leibhaftigen paktieren, geht es ihm doch niemals um einen beruflichen Ethos, um die Ehre des Journalismus, sondern um den Sensationalismus, der die Leserschaft lockt und im nächsten Schritt dafür sorgt, seine Person die Karriereleiter Sprosse um Sprosse aufstiegen zu lassen.

Die Wahrheit ist bei einer derart verrohten Auffassung der Reporterarbeit natürlich nur ein Klotz am Bein. Und bereits elf Mal wurde Chuck in der Vergangenheit schon von diesem Klotz ausgebremst. Elf Zeitungen haben ihn vor die Tür gesetzt, nur deswegen heuert er bei besagtem Lokalblatt in New Mexiko an. Eine Zwischenstation, wie er sagt, um schon bald wieder mit den großen Fischen zu schwimmen. Es beansprucht kaum zehn Minuten, bis Billy Wilder (Boulevard der Dämmerung) die Weichen für Chuck Tatum gestellt hat: Seine autoritäre Erscheinung fußt darauf, dass er für alle eine merkliche Bereitschaft an den Tag legt, über Leichen zu gehen, um an sein Ziel zu gelangen. Von Moral hält dieser niederträchtige, aber zweifelsohne hochgradig ehrgeizige Bluthund mit unverkennbarem Talent für die Zutageförderung des Reißerischen natürlich nicht.

Genau deswegen kommt es ihm auch gerade recht, dass er auf der Fahrt zu einer Schlangenausstellung von einem in einer Indianergrabstätte verschütteten Minenarbeiter Wind bekommt. Schlagartig erwachen Erinnerungen an Floyd Collins in ihm, einem Höhlenerforscher, dessen Bergung sich im Jahre 1925 zu einem der größten Medienevents zwischen den Weltkriegen auffächerte: Menschen aus aller Welt wollten Zeuge werden, wie Collins gerettet wird. Vordergründung stand die Anteilnahme des Kollektiv am Schicksal des Einzelnen, in Wahrheit aber ging es nur um das Glotzen, Gaffen und Staunen. Das lässt sich doch bestimmt noch einmal wiederholen, oder? Es muss einfach, schließlich erträgt Chuck die Betulichkeit der Provinz schon lange nicht mehr, ihm fehlt der Lärm der Großstadt, der Trubel, die aufgescheuchte Bevölkerung, die sich über die Straßen drängt, die Panik, der Hass.

Wie so häufig ist es Billy Wilder in Reporter des Satans erneut daran gelegen, das abscheuliche Wesen der menschlichen Natur an die Oberfläche zu fördern. Und Chuck Tatum ist für dieses intentionale Vorhaben selbstverständlich der perfekte Katalysator: Hat er erst einmal Blut geleckt, tut er alles, um eine Nachricht zur Attraktion aufzubauschen, um diese dann im nächsten Schritt bis auf den letzten Sensationstropfen auszuwringen. Chuck ist ein Profiteur des Unglücks anderer Menschen, die moralische Instanz ringt erst dann Alarm, wenn es längst zu spät ist. Im Angesicht eines absurden Massenandrangs, der in Windeseile eine Stadt aus Zelten und Wohnwagen errichtet; einen Kirmesplatz mit Riesenrad, damit das Laben an der Notlage des Einzelnen auch einen angemessenen Rummelrahmen bekommt, findet Billy Wilder in der satirischen Überhöhung die bitter-entlarvenden Wahrheiten, vor denen sich nicht nur Chuck Tatum Zeit seines liederlichen Schaffens versteckt hat, sondern auch die Gesellschaft.

Fazit

"Reporter des Satans" stellt sie erneut unter Beweis, die künstlerische Meisterschaft des Billy Wilders: Pointiert geschrieben, eindrucksvoll gespielt und eindringlich inszeniert. Wilder zeigt sie erneut auf, die abscheulichen Züge der menschlichen Natur und lässt nicht nur Hauptdarsteller Chuck Tatum an der eigenen Sensationsgeilheit zerbrechen, sondern hält auch dem Zuschauer den entlarvenden Spiegel vor.

Autor: Pascal Reis

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