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Inhalt

Der alkoholkranke Schriftsteller Don Birnam teilt sein Appartment in New York mit seinem Bruder, der alle Hände voll damit zu tun hat, das Alkoholproblem seines Bruders in den Griff zu bekommen. Als Don eines Nachts einmal nicht unter Beobachtung steht, kauft er sich ein Paar Flaschen Alkohol in einer Bar und betrinkt sich zuhause. Als er nächsten Morgen erneut dort auftaucht, behauptet der Besitzer, Don habe dessen Freundin misshandelt und bedroht ihn. Ohne Erinnerung, und von Selbstzweifeln geplant, flüchtet Don in die nächste Bar…

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Kritik

Eigentlich wollte Don (Ray Milland), ein New Yorker Schriftsteller, nur seine Schreibblockade überwinden, doch sein übermäßiger Alkoholkonsum offenbarte ihm nicht den ersehnten Segen neuer Inspiration, sondern hob seine gesamte Psychomotorik vollständig aus den Angeln: Don wurde zum Sklaven des Flaschenhalses. Was sich Don in den Hals kippt spielt keine Rolle mehr, Hauptsache es hat reichlich Umdrehungen und stillt das unermessliche Verlangen. Aber wenn der Suff erst mal an jedem Knochen nagt, wenn Schnaps, Likör und andere Spirituosen den Alltag bestimmen und sich Dank entsetzlicher Halluzinationen auch Insekten mit ins Bett gesellen, dann hat der hochprozentige Stoff in seinem (selbst-)zerstörerischen Ekel gewonnen. Das Delirium gedeiht schließlich nur im Schatten der Nacht und der Horror kommt zu Anfang auch noch kostümiert als beschwipster Freund und Kumpane.

Wenn die Freundschaft jedoch in Abhängigkeit umschlägt, dann ist mehr als nur ein Wochenende verloren, sondern die gesamte Existenz eines Individuums geht vor die Hunde. Nur wie kann man einem Suchtkranken von diesem Grauen befreien? Wie kann man einen Entzug erfolgreich beenden, ohne den Patienten in den Suizid oder noch tiefer in die Flasche zu treiben? Ein heikles, immer aktuelles Thema, damals wie heute. Und wer zeigt sich noch wirklich überrascht, wenn man verkündigt, dass es ausgerechnet der unantastbare Regie-Titan Billy Wilder („Manche mögen's heiß“) war, der sich bereits im Jahre 1945 in „Das verlorene Wochenende“ mit den immanenten Komplikationen im Leben eines Alkoholkranken auseinandersetze? Niemand. Denn Wilder war Zeit seiner Karriere ein Mann für ernste, gesellschaftlich bedeutsame Themen – Auch wenn er diese gerne mit einem beschwingten Gefüge publizierte.

„Das verlorene Wochenende“ ist in seiner Inszenierung sowohl ein Kind des Film Noir, wie er auch der universellen Abschreckung dient, allerdings ohne jede Zeigefingerethik – Mit der hatte es Wilder ja ohnehin nie. Don ist immer wieder nur einen Schritt von der zerreißenden Selbstaufgabe entfernt, sein Körper lechzt nach der legalen Droge, will mehr und mehr, während – vorerst – nur seine Psyche mit den durch den Konsum entstandenen Trugbildern ringt, mit den Nachwirkungen und Abstrahleffekten; letztlich aber würde sich seine physische Beschaffenheit ebenfalls zur somatischen Ruine formen. Wilder arbeitet dabei – und das ist gerade im Kontext seiner Entstehungszeit beachtlich – mit der nötigen Ehrlichkeit und verzichtet auf jedwede Beschönigungen, auch wenn das Durchhaltevermögen der Helen hier doch etwas deplatziert wird, denn irgendwann muss diese verzweifelte Hilfestellung einfach in die Resignation führen. Wenn „Das verlorene Wochenende“ dann aber zu seinem ambivalenten Ende kommt und zwischen einem leichten Hoffnungsschimmer und dem erneutem Rückschlag oszilliert, dann wurde man mal wieder Zeuge von wirklich großem, relevantem Kino.

Fazit

Ein außerordentliches Menetekel des Selbstverlusts, von einem Meister seines Fachs, Billy Wilder, hervorragend in Szene gegossen. Großes, wichtiges Kino.

Autor: Pascal Reis

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