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Chicago 1929: Gamaschen-Colombo (George Sands) hat soeben einen Verräter "beseitigt". Dumm für die beiden arbeitslosen Musiker Joe (Tony Curtis) und Jerry (Jack Lemmon), dass sie dabei zusahen. Um dem Gangster zu entkommen, verkleiden sie sich als Frauen und heuern bei einer Mädchenkapelle an, die gerade auf dem Weg ins sonnige Florida ist. Dass die beiden "Damen" dich dort bald sehr wohl fühlen, liegt vor allem an Sugar (Marilyn Monroe), der sexy Ukulelespielerin der Band.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„…jetzt hast du es geschafft: Du hast meinen Busen abgerissen!“

Einer der ältesten Gags der Welt, der meist nur aufgrund seiner reinen Ausgangslage komische sein soll, aber oftmals lediglich im puren Blödsinn für verklemmte Spießbürger mündet: Männer in Frauenkleidern. Bitte nicht falsch verstehen: Echte Travestiekunst oder gar sexuelle Neigungen sind damit ausdrücklich nicht gemeint. Es geht um diese billigen Lacher auf Junggesellenabschieds-, Fußballweihnachtsfeier- oder leider auch (deutschem) TV-Sketch-(oder sogar Kino)Niveau, in dem einfach ein oder zwei typischerweise im Alltag schürzenjagende Herren aus irgendwelchen Gründen in Frauenrollen schlüpfen (müssen) und der größte wie einzige Gag daraus besteht, das sie mit verstellter Piepsstimme und unrasierten Beinen in Oma’s Kochschürze solange peinliche Schenkelklopfer zum Brunnen tragen, das der unverblümt frauenfeindliche Krug eigentlich schon von Anfang an kaputt war; der hatte gar keine Chance zu brechen. Ein zeitloser Un-Brüller und bei einer US-Komödie aus dem Jahr 1959 – ein nicht unbedingt für aufgeklärte, reflektierte Filme bekannter Jahrgang, gerade was Geschlechter-Rollen und sexuelle Offenherzigkeit angeht - sollte eigentlich jeder halbwegs vernünftige Mensch reflexartig in Deckung gehen, was soll dabei schon herauskommen?

Nun, in dem Fall nicht weniger als eine der besten Komödien aller Zeiten, zumindest wenn es nach der Meinung vieler international erstellter Kritiker- und Publikumstoplisten geht und ohne auf der Welle der Begeisterung zwingend mitschwimmen zu wollen: Manche mögen’s heiß verdient jede Spitzenposition mit vollem Recht! Riesigen Anteil daran hat natürlich sein Regisseur und Co-Autor Billy Wilder (Das Appartement), der die lose Vorlage von Robert Thoeren & Michael Logan in ein wahres Feuerwerk des temporeichen, klugen und schreiend-komischen Humors verwandelt, der trotz seiner seichten und dezent albern klingenden Grundprämisse sich als smarte und für seine Zeit gar mutige Parodie auf gängige Sehgewohnheiten, Gender-Klischees und allgemeine Gesellschaftsnormen erweist, was heutzutage wahrscheinlich noch deutlicher zu Tage tritt als seinerzeit. Weil Wilder es geschickt versteht, seinen Subtext ganz selbstverständlich mit typischen Screwball-Elementen zu vermengen und somit fast beiläufig, dennoch eigentlich total offensiv Gags und Referenzen einzubauen, die weit über dem üblichen Tellerrand der biederen Hollywood-50er hinausgehen.

Im Chicago des Jahres 1929 geht nichts über einen guten Kaffee, wenn er auf einer Beerdigung serviert wird. Mitten in der Prohibition trinkt und verdient trotzdem jeder sein Geld mit dem Trinken (übrigens: Die Eröffnungssequenz topt jeden Action- und Gangsterfilm dieser Zeit, obwohl das gar nicht das Genre ist), so auch die beiden mittellosen Musiker Joe (Tony Curtis, Flucht in Ketten) und Jerry (Jack Lemmon, Ein seltsames Paar). Auch wenn sie nur in der illegalen Bar von Gamaschen-Colombo (George Raft, Narbengesicht) musizieren. Nach einer Razzia und einigen unglücklichen Wetten sind sie völlig blank, aber das ist noch lange nicht die Spitze des Eisbergs: Wegen dummen Zufalls werden sie auch noch Zeuge einer Mafia-Hinrichtung (inspiriert vom berühmten St. Valentine-Massacre) durch eben diesen Gamaschen-Colombo. Sie können entkommen, müssen aber nun zwingend untertauchen. Da kommt ein Job in Miami wie gerufen. Der Haken: Er ist für eine reine Frauenband. Der Vorteil: Niemand würde sie dort vermuten. Also wird aus Joe Josephine und aus Jerry Geraldine...nein, lieber doch Daphne (einer der dezent eingebauten und cleveren Verweise auf das weitere Geschehen)…, die sich unter eine Truppe erstaunlich trink- und lebensfreudiger, kaum bis gar nicht domestizierter Damen mischen, um dem Tod durch die Tommy Gun zu entkommen.

Die perfekte Tarnung, die den etwas hasenfüßigen und generell fügsameren Jerry wie seinen erfindungsreichen, mit allen Heiratsschwindler-Wasser gewaschenen Draufgänger-Kumpanen Joe auf eine extrem harte Probe stellt. Nicht (nur) wegen der unglaublichen Verlockung eines Süßigkeitenladens für diabetische Kinder in Form eines ganzen Wagons voller lediger Ladys im besten Alter, sondern ganz speziell wegen einer verbotenen Leckerei: Sugar (Marilyn Monroe, Fluss ohne Wiederkehr). Die perfekte Sünde („Wie die sich bewegt! Wie ein Pudding! Wie eine Götterspeise auf zwei Beinen!“), in Person eines blonden, kurvigen und liebenswerten Naivchens, das auf der Suche nach der großen Liebe immer wieder auf die gleichen, schmierigen und verlogenen Ganoven reinfällt. Bühne frei für unsere beiden Zwangs-Crossdresser, die mit ihren jeweiligen Talenten nun versuchen und konkurrieren, den vermeidlichen leichten Fisch ins Netz zu holen. Was allerdings einen gewaltigen Kraftakt gleichkommt, da nichts in diesem Film nur mal eben so geschieht und letztendlich alles in dem perfekten Chaos mündet, das Manche mögen’s heiß selbst ohne Klassiker-Brille zu einem einzigartigen Genuss macht, über den sich nach wie vor und vermutlich noch in hundert Jahren herzhaft lachen lässt.

Billy Wilder ist ein Genie was pointierte, doppeldeutige Dialoge, flüssige Situationskomik und besonders ein unglaublich präzises Timing angeht, womit quasi jede Komik – sei es im Film oder auf der Bühne – auf lange Sicht steht und fällt. Der selbe Witz kann unter verschiedenen Bedingungen zwischen grässlich und brillant pendeln. Selten in diesem Extrem, aber auch das ist denkbar, unterstreicht wie wichtig das Gespür für die Materie ist. Im Bereich Comedy - wie schon oft erwähnt, aber selten wirklich ernst genommen – explizit schwierig. Da liegen Wimpernschläge zwischen Mist und Hit. Manche mögen’s heiß macht in der Tat alles richtig. Sei es von den zahlreichen, beinah schon Runninggag-artigen, zeitrelevanten Anspielungen sowohl auf seinen Entstehungs- wie Handlungszeitraum (was doppelt aufwendig ist, aber so abläuft als wäre das gar nichts), aus denen sich bald ein Trinkspiel basteln ließe. Wann immer etwas erwähnt wird, was entweder in den späten 20ern, pseudo-prophetisch für die frühen 30er oder eben in den späten 50ern von großer Bedeutung war, ist oder sein wird – ohne das es eigentlich konkret zur Handlung beiträgt, dennoch nicht ganz unwichtig ist  -, einen Kurzen. Wird ein kurzer Abend, noch kürzer als das kurze Ende der Wurst.

Kaum eine Komödie hat so einen exzellenten Aufbau, verfügt über so ein kontinuierliches und ergiebiges Steigerungspotential und verläuft trotz hingebungsvoller Slapstick- und Screwball-Elementen nicht zur reinen Nummernrevue. Wunderbar wird mit dem plötzlichen Situationswechsel gespielt, ganz nebenbei sogar ein Plädoyer gegen sexuelle Belästigung gehalten (damals noch gerne als den freundlichen Popoklaps als Kompliment abgetan) und eine durchaus vorhandene „Irritation“ von Geschlechterrollen thematisiert, über die 1959 niemand etwas hören wollte, teilweise sogar als krankhaft eingestuft oder als Verbrechen verfolgt wurde. Jack Lemmon verfällt nicht umsonst zusehend seiner Rolle, will von Anfang an sogar gegen jede Absprache spontan Daphne genannt werden. Obwohl er es selbst sich nicht eingesteht, er fügt sich nicht nur seiner Rolle („Ich bin ein Mädchen!“), er geht in SIE über. Was in einen äußerst kuriosen, aber analytisch betrachtet sogar sehr interessanten Teilaspekt mündet, dem sogar die finale Pointe gewidmet ist. Ob Mann oder Frau, scheißegal. Was so witzig verpackt wird, hat mehr Substanz als man sich (sicher damals) wohl zugestehen möchte. Und das Marilyn Monroe hiermit kurz vor ihrem Tod erst zum Idol wurde („I Wanna Be Loved By You“), ist genauso wenig zufällig wie alles in diesem außergewöhnlichen Film.

Fazit

Das lange Ende von der Wurst, nicht der Krautsalat im Gesicht oder die ausgedrückte Tube Zahnpasta. So beschreibt sich „Manche mögen’s heiß“ am Ende nicht direkt, aber doch sehr treffend selbst. Es gibt vieles grob Vergleichbares, rein auf die Thematik gemünzt, aber nichts kommt da mit. Prinzipiell ist dieser Film fast zu brillant für seine Prämisse, aber nur wenn man auf den sonst gebotenen Standard blickt. Flotte Unterhaltung, teils geniale Farce und ein Musterbeispiel für die Meisterwerk-Prüfung im Fach Komödie, dem der Zahn der Zeit eher hilft statt schadet.

Autor: Jacko Kunze

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