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Als Mark (Sam Neill aus „Jurassic Park“) von einer längeren Geschäftsreise zurückkehrt, bittet ihn seine verstört wirkende Frau Anna (Isabelle Adjani aus „Der Mieter“) um die Scheidung. Völlig vor den Kopf gestoßen versucht Mark wie besessen Annas Liebhaber (Heinz Bennent aus „Die Blechtrommel“) aufzuspüren und seine Ehe doch noch zu retten. Ein von Mark beauftragter Detektiv stößt jedoch im Zuge seiner Recherchen auf etwas weit Schlimmeres als einen simplen Nebenbuhler.

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Kritik

She created a monster as her secret lover!

Andrzej ZulawskisPossession“ ist im Grunde genommen nicht wirklich ein Spielfilm im klassischen Sinn, sondern eine Aneinanderreihung intensiv gespielter und sensationell abgefilmter Fragmente, ohne kohärente Handlungsentwicklung. Dadurch wirkt der 1981er Skandalfilm wie der Fiebertraum eines Wahnsinnigen, wie das unverständliche respektive bis zur Unkenntlichkeit verklausulierte Produkt der unheiligen Zusammenarbeit von Gaspar Noé, Nicolas Winding Refn und David Cronenberg. Andrzej Zulawski („Nachtblende“), der seine eigenen Scheidungserfahrungen als Inspirationsquelle für „Possession“ verwendet hat, konfrontiert den Betrachter mit einer Mischung aus Kunstfilm, Ehe-Drama, Sozialstudie, Film-Noir, Giallo, Spionage-Thriller und Creature-Feature. Dabei ist das Endergebnis genauso unnahbar, verstörend und bruchstückhaft geworden, wie es diese Konstellation vermuten lässt. Auf den Punkt bringt es Andrzej Zulawskis Ein-Satz-Beschreibung seines eigenen Werkes: It’s about a woman fucking an octopus. Damit sollten alle zur Sichtung motivierten Art-House-Fans darüber im Bilde sein, was sie bei der 124-minütigen Uncut-Version von „Possession“ zu erwarten haben.

Was dem geneigten Betrachter sofort positiv ins Auge sticht, ist das unverbrauchte Setting entlang der Berliner Mauer, auf der man zeitweise sogar echte Soldaten bei der argwöhnischen Beobachtung des Filmdrehs entdecken kann. Diese trostlose Gegend spiegelt das gestörte Verhältnis von Mark und Anna, die sich von einem psychotischen Ausbruch zum nächsten fragwürdigen Streitgespräch tasten, perfekt wider. Dabei ist es vor allem die unruhig von der Totalen in die extreme Nahaufnahme wechselnde und nie zur Ruhe kommende Kamera von Bruno Nuytten („Brubaker“), die die losen Handlungsfragmente stilistisch verbindet. Ein Paradebeispiel für dessen geniale Arbeit (und jene von Regisseur Andrzej Zulawski) ist der knapp fünf-minütige epileptische Anfall von Anna, der sich in einem verlassenen U-Bahn Aufgang abspielt. Dabei zuckt Isabelle Adjani in einer beinahe schnittlosen Hammerszene erschreckend realistisch von einer Wand zur anderen, windet sich am Boden, schreit sich die Seele aus dem Leib und versprüht Flüssigkeiten aus jeder möglichen und unmöglichen Körperöffnung. Die Kamera verfolgt die Leidende dabei, wie ein perverser Voyeur: abstoßend, faszinierend, undurchschaubar und storybedingt auch etwas deplatziert.

Isabelle Adjani porträtiert die schwer gestörte Anna mit einer dermaßen beängstigenden Intensität, dass man sie beinahe auf dem realen Weg in die Irrenanstalt wähnt. Sam Neill liefert eine, die Grenze zum Overacting konstant überschreitende Performance ab, die ebenso stark verstört wie gefällt. Selbiges lässt sich über Heinz Bennents Darstellung sagen, die wohl am besten als eine Mischung aus wahnsinnigem Althippie und weinerlichem Muttersöhnchen beschrieben werden kann. Letzter Hauptdarsteller ist mit Sicherheit Annas Objekt der Begierde, das von Special-Effects-Genie Carlo Rambaldi („Alien“) designt wurde, jedoch viel zu selten in Szene gesetzt wird.

Fazit

Der Autor dieser Zeilen möchte mit seiner mittelmäßigen Bewertung von „Possession“ keinesfalls Art-House-Fans zu nahe treten, die dieses fantastisch gefilmte und ungemein intensiv gespielte Experiment als Kultfilm verstehen. Nüchtern betrachtet und an filmischen Maßstäben gemessen ist „Possession“ jedoch kein, in sich schlüssiges Machwerk und somit auch keinesfalls uneingeschränkt empfehlenswert. Für Kunstliebhaber und mutige Allesverwerter auf der Suche nach einem extremen visuellen und akustischen Erlebnis ist Andrzej Zulawskis 1981er Streifen mit Sicherheit einen Versuch wert. Für den filmischen Otto-Normal-Verbraucher, der nach dem Filmgenuss gerne zumindest einen Funken Ahnung von Sinn und Unsinn des Gezeigten hat, mit Sicherheit nicht.

Aus Art-House-Erlebnis-Perspektive: 9/10. Aus (persönlicher) Verträglichkeits-Perspektive: 3/10. Nach Adam Riese 6/10.

Was bleibt ist die Gewissheit etwas ziemlich Einzigartiges gesehen respektive erlebt zu haben.

Autor: Christoph Uitz

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