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Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch ist ein inkognito im spanischen Exil lebender, ehemaliger KZ-Arzt auf eine Eiserne Lunge angewiesen. Angelo wird als Krankenpfleger bei ihm zuhause eingestellt, allerdings nicht wegen seines medizinischen Fachwissens. Der junge Mann kennt das dunkle Geheimnis seines Patienten und fordert für sein Schweigen eine Gegenleistung ein…

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Kritik

„Das Grauen hat aber, wie die Sünde, seinen ganz eigenen Zauber.“

Außerhalb seiner Heimat hat es der gebürtige Mallorquiner Agustí Villaronga (Das Meer) nie zu größerer Bekanntheit gebracht, die wenigsten seiner Arbeiten bekamen überhaupt eine Auswertung im nicht spanischsprachigen Teil der Welt. Auch sein Spielfilmdebüt von 1986 wurde lange gar nicht bei uns vertrieben und stand nur bei wenigen Filmfans als Geheimtipp auf dem Zettel, was sicherlich auch seiner schweren Bekömmlichkeit geschuldet ist. Denn was das dem Publikum hier abverlangt wird, ist alles andere als leichte Kost. Ein wahres Martyrium von Film, das selbst den abgebrühtesten Zuschauern einen unangenehmen Schauer den Rücken hinunter jagt, sich tief in Kopf und Magengrube einnistet und dort so schnell auch nicht verschwindet.

Ein deutscher Arzt und Kriegsverbrecher namens Klaus (Günter Meisner, Charlie und die Schokoladenfabrik) hat sich - untergetaucht in Spanien - eine neue Existenz aufgebaut und eine Familie gegründet, seine Vergangenheit hat ihn aber nie losgelassen. Der Versuch vor dem eigenen Restgewissen zu flüchten endet nach dem Sprung von einem Dach als abseits des Halses fast vollständig gelähmter, aber geistig völlig klarer Beatmungspatient in einer Eisernen Lunge. Der sonderbare Angelo (David Sust, El niño de la luna) dringt förmlich in dem prunkvollen Anwesen ein und wird vom Hausherren trotz dieses stürmischen Auftritts innerhalb von wenigen Minuten und gegen den nachvollziehbaren Willen seiner Frau als neuer Krankenpfleger eingestellt. Der junge Mann hat ihm unter vier Augen unmissverständlich klar gemacht, dass er über die bestialischen Tätigkeiten von Klaus im Zweiten Weltkrieg bestens Bescheid weiß und sich vorerst damit zufrieden geben würde, seine Diskretion gegen diese Anstellung zu tauschen. Natürlich geht es Angelo nicht um den Job per se, sein Schutzbefohlener selbst ist das Objekt der Begierde.

Ist Angelo ein parasitärer Erpresser, ein von moralischen oder persönlichen Motiven getriebener Racheengel oder vielleicht ein noch unberechenbarerer Sadist und Psychopath, als es sein inzwischen vom Täter in die Opferrolle gedrängte Gegenüber einst war…oder gefangen hinter seiner gebrechlichen Gestalt womöglich noch immer ist? Agustí Villaronga liefert darauf in diesen aufreibenden 107 Minuten zwar faktisch eindeutige, ethisch und emotional jedoch mehr als ambivalente Antworten, denn diese Wahrheit kann keine einfache in Schwarz und Weiß sein. Im Glaskäfig ist nicht nur wegen seiner explizit dargestellten Gräueltaten so schwer zu verkraften, da gibt es ganz neutral betrachtet sogar wesentlich drastischere Filme – was so manch schockierende Szene keinesfalls abmildern soll. Die wahre Zerreisprobe stellt diese absolute Abwesenheit von allem Guten, Gerechten und auch nur im entferntesten Sinne Hoffnungsspenden dar; es scheint einfach kein Licht am Ende des Tunnels zu geben, nur noch einen weiteren, bodenlosen Abgrund.

In eiskalten, frostig-erschaudernden Blautönen auch optisch ausgepresst von jeder Wärme und Optimismus. Unterlegt vom mechanischen, unnachgiebig pumpenden Rhythmus der Eisernen Lunge, die in seiner lebenserhaltenden Art beinah zum Folterinstrument wird. Vollständig ausgeliefert, gar angewiesen auf seinen Peiniger wird das Täter-Opfer-Gefüge auf verquere, orientierungslose und durchaus auch irritierende Weise durcheinander gebracht. Man meint als Zuschauer beinah eine Form von Gerechtigkeit oder gar Karma hineininterpretieren zu wollen, wenn ein verabscheuenswürdiger, pädophiler Folterknecht statt seiner erlösenden, feigen Flucht in den Freitod nun ohne Möglichkeit zur Gegenwehr mit den eigenen Leichenbergen im Keller konfrontiert wird und diese gar am eigenen Leib miterleben muss bzw. live und in Farbe nachgestellt bekommt. Oder noch weiter gedacht auch wie ein Vorhof der Hölle, ein persönliches Fegefeuer moderiert von einem selbstgeschaffenen, außer Kontrolle geratenen Monster - war der Selbstmord womöglich doch erfolgreich? Eine Theorie, die Villaronga durch seine Inszenierung selbst stützt, wenn sich sein Film gen Ende noch mehr in einen entrückten, nun bald surrealen Albtraum verwandelt, der beinah wirkt wie ein Brainstorming beim Abendessen von Pasolini, Kafka, Lynch, Freud & sogar Fulci.

Gleichzeitig ist aber nichts an diesem Film gerechtfertigt, fair oder selbst mit der ganz schlichten Auge-um-Auge-Brille auch nur im Geringsten eine zu unterstützende Form von „Ausgleich“. Im Glaskäfig hat keine Gewinner, hinterlässt nur Opfer, viele davon gar völlig unschuldig. Aufgefressen von perversen Machtphantasien und einem krankhaft-dominanten (Selbst)Zerstörungstrieb. So beängstigend, furchtlos und konsequent dargestellt wie in nur ganz wenigen Filmen. Stellungswechel.

„Buenas Noches!“

Fazit

Dieser Film fühlt sich an wie unterlassene Hilfeleistung. Ein grausamer Höllenritt quer durch alle Moralvorstellungen, getrieben von einer schauderhaften Logik. Böses bringt Böses hervor, multipliziert aus einst unschuldiger Position. „Im Glaskäfig“ gilt es jedesmal neu zu entdecken, egal wie oft man ihn überlebt hat und es eigentlich gar nicht mehr will. Sich fast davor fürchtet. Abgründig ist noch zu harmlos. Qualvoll wie direkt ins Herz injiziertes Benzin, aber genau deshalb so brillant. Eine Mutprobe. Viel…Spaß?

Autor: Jacko Kunze

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