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Der biedere Bankberater Till Reiners hat mal wieder keinen guten Tag. Er ist gelangweilt. Von seinem Job, seinem kleinstädtischen Leben und von sich selbst. Und er ist frustriert von seiner Ehe mit Miriam, die irgendwo zwischen Alltagstrott und Windelwechseln ihr Feuer verloren hat. Soll das wirklich schon alles gewesen sein, was das Leben ihm zu bieten hat? Doch dann kommt plötzlich alles ganz anders. Denn eines Tages überfällt Gelegenheitsgangster Nappo Tills Bank - und nimmt ihn als Geisel. Dadurch wird eine wahnwitzige Kette von unvorhergesehenen Ereignissen in Gang gesetzt, die Tills und Nappos Leben in nur 48 Stunden kräftig durcheinander wirbelt. Denn wie sich bald herausstellt, steckt in dem vermeintlichen Spießer Till weit mehr, als Nappo jemals ahnen konnte. Der Rest ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft und des schlimmsten Tages aller Zeiten...
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Kritik

Mit seinem Debüt „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“, dem Auftakt seiner „Unna“-Trilogie, gelang dem Dortmunder Filmemacher Peter Thorwarth gleich ein Volltreffer. Nicht nur im Ruhrpott wird seine schnodderige Kleinganoven-Komödie kultisch verehrt, auch darüber hinaus überzeugte Thorwarth durch die gekonnte Etablierung von Charakteren und einem eigenständigen Lokalkolorit. Auch wenn Thorwarth anschließend mit „Was nicht passiert, wird passend gemacht“ und dem recht zerfaserten „Goldene Zeiten“ nicht mehr an die Klasse seines Erstlings herankam, hat man sich doch immer wieder für gut 90 Minuten Teil des dargebotenen Kosmos gefühlt. Danach wurde es etwas stiller um Thorwarth, der sich mal wieder an einem Musikvideo versuchte („The One" von Martin Jondo) oder das Drehbuch zu Dennis Gansels eher mit durchwachsenen Kritik angenommenen „Die Welle“ beisteuerte. Fast ein Jahrzehnt sollte also ins Land ziehen, bis sich Thorwarth erneut aufraffen würde, um bei „Nicht mein Tag“ endlich wieder Platz auf dem Regiestuhl zu nehmen.

Für die Etepetetefraktion waren Peter Thorwarths Filme nie geeignet, dazu erzählte er schlichtweg zu ungefiltert, zu ordinär und eben auch zu lebensecht, um seine heimatlichen Region mit kinematografische Denkmäler zu honorieren: Thorwarth ist ruhrpottgeschädigt, dazu steht der Mann auch – Und das muss überhaupt kein Nachteil sein. Mit seinem neusten Film „Nicht mein Tag“ löst sich Thorwarth allerdings von klaren geographischen Referenzen, auch wenn eine Episode in der zweiten Hälfte in Amsterdam angelegt ist. Das letzte Überbleibsel der liebgewonnenen Kodderschnauzen ist wohl der von Moritz Bleibtreu gespielte Nappo, ein Möchtegern-Gangster, der Vulgarismen im Stakkato abfeuert, im Herzen aber doch noch irgendwo ein netter Kerl geblieben ist, der das Leben eigentlich nur genießen möchte, er hat in der Vergangenheit nur einmal zu oft den falschen Weg gewählt. Als Gegenpart zum prolligen Nappo sehen wir den erschlankten Axel Stein als Bankangestellten Till Reiners. So langweilig wie sein Name ist, gibt sich auch sein repetitiver Alltag, bestehend aus Krediten und Überweisungen. 

Axel Stein, den wir noch bestens als assigen Tommy in der Serie „Hausmeister Krause“ im Gedächtnis haben, ist gerade dabei, sein Image vollkommen umzukrempeln. Und mit seiner Performance des Biedermanns Till Reiners ist er auf dem absolut richtigen Weg. Ja, Axel Stein kann tatsächlich ernsthaft schauspielern und bietet dem gestandenen Moritz Bleibtreu freiweg Paroli. Nappo reißt Till dann mit einem Mal aus der stetigen Tristesse und es bahnt sich eine Freundschaft zwischen den beiden Männern an, die – Klischee muss auch in „Nicht mein Tag“ reichlich sein – unterschiedlicher nicht sein könnte. Es bereitet allerdings auch jede Menge Spaß, diese beiden Charakter-Typen aufeinanderprallen zu sehen, wie der Spießer endlich mal eine Auszeit von seiner Ehe geschenkt bekommt, aus der doch schon so lange das Feuer raus scheint. Fatalismus hat in Thorwarths schon immer eine große Rolle gespielt, das letzte Wort hatte wohl immer irgendwo das Schicksal, für Till allerdings behält es Karten bereit, die erst mal nicht auf einen Gewinn hoffen lassen, ihm und seinem weiteren Sein im Folgenden aber weitaus mehr versprechen können. 

Wird die kontemporäre Kinolandschaft von massenkompatiblen Komödien der tumben Marke „Fack ju Göhte“ bestimmt, die nicht nur keine rechte Unterhaltung generieren wollen, sondern auch noch verdammt verlogen hinsichtlich ihrer Ambitionen sind, hat sich mit „Nicht mein Tag“ ein Film dazwischen geschlichen, der sicher auch für ein breites Publikum gemacht ist, anders aber als die Schweiger/Schweighöfer-Vehikel noch Sympathien für seine Charaktere schüren kann. Natürlich ist die Dramaturgie von „Nicht mein Tag“ inzwischen reichlich abgeschmackt, die Ingredienzien allseits bekannt und einzelne Augenblicke an und für sich auch mal etwas überkonstruiert, was ihn dann doch nicht zum durch und durch empfehlenswerten Knaller macht. Liebenswerter und amüsanter als alles, was sonst so die Spitzen der Charts in diesem Sujet erklimmt, ist „Nicht mein Tag“ in aber zweifelsohne.

Fazit

Peter Thorwarth projiziert Ralf Husmanns (der auch „Stormberg“ geschrieben hat) Romanvorlage mit reichlich Elan auf die Leinwände. Sicher ist „Nicht mein Tag“ kein origineller, frei von Klischees aufgezogener Brüller, der dem deutschen Komödien-Markt mit stichhaltiger Kreativität entgegenwirkt, dafür aber ist dem Ruhrpottler Thorwarth ein wirklich sympathischer Film gelungen, der mit soliden Schauspielleistungen und größtenteils treffenden Pointen für angemessenen Schwung sorgt. Nichts Weltbewegendes, für zwischendurch allerdings absolut geeignet.

Autor: Pascal Reis

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