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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Sie ist tot und doch allgegenwärtig: Emmetts übermächtige Mutter Tracy, die er seit Kindheitstagen nicht gesehen hat, ist verstorben und hat ihm ein ansehnliches Landhaus vermacht. Hin, verkaufen, abhauen – so lautet der Plan. Doch die im gesamten Anwesen hängenden Bilder und der Fundus an Familienvideos reißen alte Wunden auf. Emmetts Verlobte Anya will ihm helfen und nötigt ihn zu therapeutischen Rollenspielen. Dadurch beginnt sich eine unheimliche Verwandlung zu vollziehen. Immer mehr verschmilzt die junge Frau mit der Toten, wird geradezu ein Ebenbild der tyrannischen Matriarchin. Bald ist Emmett überzeugt: Seine teuflische Mutter hat von Anya Besitz ergriffen. Er muss sie befreien – koste es, was es wolle.

Der Film ist auch zu sehen auf den Fantasy Filmfest Nights 2023

Kritik

Der Horrorfilm spielt mit unseren Urängsten, versucht sie zu ergründen und uns mittelbar vorzuführen. Im besten Fall lernen wir durch ihn etwas über unser Innenleben, erfahren durch diese Spiegelung ein kathartisches Seherlebnis. Dass Ängste mit gesellschaftlichen Entwicklungen immer neue Formen annehmen, ist eine der großen Herausforderungen, die das Genre meistern muss. In einer Zeit, in der uns durch gesellschaftlichen Fortschritt klarer wird, in was für problematischen Beziehungen wir uns befinden und wie sie uns in der Vergangenheit prägten, erscheint es nur folgerichtig, den Horror in der privaten Intimität zu suchen. 

Mother, May I? richtet dazu ein passendes Setting ein: Im Kern geht es um Emmett (Kyle Gallner, Smile) und seine Verlobte Anya (Holland Roden, Follow Me), die gemeinsam nach dem Tod von Emmetts Mutter in deren Anwesen nächtigen. Die Mission ist eigentlich klar: Das ehemalige Zuhause der charakterlich schwierigen Mutter soll schnellstmöglich verkauft werden. Der Ort reißt jedoch alte Wunden wieder auf und bindet Emmett auf unangenehme Weise an sich. Schlimmer noch: Um ihrem traumatisierten Partner zu helfen, spielt Anya mit diesem therapeutische Rollenspiele – bei der sie zunehmend die Rolle der Mutter einnimmt. Das geht so lange, bis Emmett davon überzeugt ist, dass sich Anya tatsächlich in seine Mutter verwandelt. Die zunehmend fragmentarische Erzählweise des Filmes sorgt dafür, dass auch die Zuschauenden mit der Zeit nicht mehr wissen, was und wem sie glauben sollen.

Laurence Vanicelli installiert zu Beginn eine intim-schaurige Stimmung, von der der Film über die gesamte Lauflänge hinweg profitieren wird. Statt auf Rückblenden zu vertrauen, bleibt das weitgehend als Kammerspiel inszenierte Werk dicht bei den Figuren und entwickelt die Konturen ihrer Traumata aus der Handlung heraus. Das idyllisch wirkende Haus, das verlassen von See und Wald umrahmt wird, wirkt schaurig und einladend zugleich. Das versteht Vannicelli auszuspielen und nuanciert mit Licht-, Sound- und Motivgestaltung die Bilder von Kameramann Craig Harmer so, dass sie dem Ton der jeweiligen Situation entsprechen. Generell wird Mother, May I? im ersten Drittel als Horrorfilm aufgebaut: unbestimmbare Geräusche, bedrohliche Stille und Türen, hinter die man besser nicht blicken sollte – der Film spielt die Gruselstereotype gekonnt aus. Im Laufe der sehr langsamen Erzählung wird dieses Stilmittel durch den personelle Machtkampf ersetzt, der eher im Genre des Psychothrillers anzusiedeln ist. Der Horror des Vertrauensverlusts, der Wahrheitssuche, bis hin zum Psychotischen, wird dem Film bis zum Schluss erhalten bleiben.

Das Psychogramm, das Vannicelli entwickelt, verliert seine Zuschauenden im Mittelteil des Filmes zunehmend. Das liegt zum einen daran, dass, trotz atmosphärischer Exposition und verlangsamter Erzählweise, kein Einfinden in die Situation möglich ist. Das Drehbuch beginnt schnell damit, die Konflikte der Figuren einzuführen und ermöglicht es nicht, ein Gefühl für ihr alltägliches Miteinander zu entwickeln – noch bevor es zu Triperfahrungen mit tiefenpsychologischen Konsequenzen kommt. Wenn ab dem Mittelteil die Erzählweise die Verwirrung der ProtagonistInnen spiegelt, verlieren die Zuschauenden endgültig den emotionalen Zugang zum Film. Nicht gerade erleichtert wird das durch die tristen, teils bewusst unscharf gehaltenen Bilder und fragmentierten Szenenübergänge. Diese Unzugänglichkeit ist vor allem deshalb ärgerlich, weil man jeder Szene die schauspielerischen Qualitäten von Gallner und Roden anmerkt, auch wenn diese sich nicht zu einer funktionierenden Dynamik fusionieren können.

Fazit

„Mother, May I?“ ist atmosphärisch inszeniert und entwickelt den Horror toxischer Beziehungen gelungen aus seiner Handlung heraus. Leider ermöglicht das triste Werk seinen Zuschauenden keinen emotionalen Zugang zu den Hauptfiguren, weshalb die Zuschauenden schnell das Interesse an der schleppenden Erzählung verlieren dürften. 

Kritik: Maximilian Knade

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