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Nach dem Mord an einer jungen Frau im Schlafwagenabteil sucht Inspektor Grazziani Zeugen. Kurz nach seinem Anruf bei der Polizei stirbt ein Zeuge. Später werden auch andere Mitreisende ermordet. In Gefahr sind das junge Paar Daniel und Bambi, die ebenfalls ermitteln.

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Kritik

Berühmt und gefeiert wurde der gebürtige Grieche und Wahlfranzose Costa-Gavras (Vermisst) durch sein politisches Kino, dass sich oftmals mit historischen oder noch aktuellen Missständen in der Welt auseinandersetzte, vom Dritten Reich und der Résistance bis zu den staatlich gelenkten Todesschwadronen in Südamerika. Sein Debütfilm Mord im Fahrpreis inbegriffen hat noch nicht diese Tragweite und backt eher bescheidene Whodunnit-Krimi-Brötchen, was ja grundsätzlich auch nichts Schlechtes sein muss. Ganz im Gegenteil, denn die Prämisse ist der Stoff, aus dem sowohl Agatha Christie (Mord im Orient Express) oder Alfred Hitchcock (Eine Dame verschwindet) schon Großes und Nachhaltiges fabriziert haben.

In einem Sechs-Betten-Schlafabteil des Zuges von Marseille nach Paris haben nur fünf Menschen einen erholsamen Schlaf. Eine junge Frau wird am Morgen tot aufgefunden, jedoch erst nachdem die Passagiere schon längst den Bahnhof verlassen haben. Inspektor Grazzi (Yves Montand, Lohn der Angst) hat nun nicht nur mit einem aufziehenden Grippe zu kämpfen, sondern alle Hände voll zu tun, sowohl ein Motiv für die Tat wie die nächtlichen Mitreisenden zu finden, die sich inzwischen alle in Paris zerstreut haben. Dabei läuft ihm noch mehr die Zeit weg als ohnehin schon, als der mutmaßliche Mörder beginnt, auch die restlichen Schlafwageninsassen umzubringen, offenbar um mögliche Zeugen mundtot zu machen. Eine undankbare Aufgabe, gerade da einige der Mitreisenden aus unterschiedlichen, persönlichen Gründen gar keinen großen Wert darauf legen aufgespürt zu werden.

Stilistisch beweist Costa-Gavras bei seinem Spielfilmdebüt bereits hohe Qualitäten, lässt seine Whodunnit-Mörderjagd wie eine Mischung aus modernem Nouvelle Vogue und klassischem Film Noir auftreten. Ästhetisch hochwertig mit einem bestechenden Auge für Perspektiven und Räumlichkeit, gleichzeitig interessant vertont mit diversen Jazz-Einlagen. Der Zuschauer hat zwar einen enormen Wissensvorsprung vor den Ermittlern, was bei der Täterfindung allerdings wenig hilfreich ist, da tappt man genauso lange im Dunkeln wie die Flics. Etwas zu redselig und nicht ganz ausgewogen in seinen teilweise unbeholfen wirkenden Humoranteilen bremst Costa-Gavras den Plot leider zwischenzeitlich ziemlich aus, verwendet dafür ausführlich den inneren Monolog, was ungewöhnlich wie interessant zugleich ist. Hat sich einer der Beteiligten gerade (für den Zuschauer) offenbart und fällt somit nicht mehr wirklich in den Verdächtigenkreis, muss er auch prompt das Zeitliche segnen. Konsequent, das macht so auch Sinn.

Das prominent besetzte Cluedo-Spielchen (u.a. noch mit Simone Signore, Die Teuflischen, oder Michel Piccoli, Der Teufel mit der weißen Weste) hat besagt Probleme im Feintuning, weiß nicht immer ganz wann seine Humorversuche unangebracht erscheinen oder er lieber mal Taten statt Worte sprechen lassen sollte, besonders wenn er gar nichts wirklich Relevantes in dem Moment zu erzählen hat (oder dies der Effektivität willen straffen könnte). Läuft dafür aber auf eine gleichwohl leicht absurde wie dennoch recht pfiffige Pointe hinaus (das Eine muss das Andere nicht immer zwangsläufig ausschließen), inklusive eines spannenden, temporeichen Schlussspurts. Alles so in dieser Ausrichtung, der Film hätte wohl gar keine ernsthaften Kritikpunkte. Costa-Gavras probiert sich hier sichtlich noch aus, schlug danach ja thematisch auch einen ganz anderen Weg ein, beweist aber schon sein großes Talent. Als Erstlingswerk absolut beachtlich, wenn auch noch nicht fehlerfrei.

Fazit

Kein Hit oder echter Klassiker, aber eine durchaus sehenswerte Fingerübung eines später großen und wichtigen Filmemachers. Ein starkes Darstellerensemble, eine solide Mörder-Geschichte (mit interessanter Auflösung) und eine stilistisch einwandfrei Inszenierung können die nicht immer optimale Erzählung meistens recht gut ausgleichen.

Autor: Jacko Kunze

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