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Was heute Elton John und Lady Gaga sind, war in den 70er Jahren Liberace in einer Person. Als virtuoser Pianist, Entertainer in Las Vegas und Superstar der pompösen Shows lag ihm weltweit ein Millionenpublikum zu Füßen. Auf der Bühne und im Privaten erhob er Luxus und Glamour zu seinem Lebensstil. Lange Pelzmäntel, glitzernde Kostüme, kitschige Kerzenständer und massenhaft teurer Schmuck waren seine Markenzeichen. Allein 30 Flügel, die meisten mit Diamanten besetzt, schmückten seine private Villa. Alles gab es im Überfluss - er selber sagte einmal: "Too much of a good thing is wonderful".
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Kritik

In den vergangenen Jahren hat Steven Soderbergh oft und ausgiebig auf das System „Hollywood“ geschimpft und dabei anscheinend seine eigene Liebe zum Film verloren. Tiraden gegen zu hohe Marketingkosten und unmenschliche Kalkulationen der Studios gingen einher mit einer schnellen Abfolge kleinerer Filme des Oscarpreisträgers. Während seine jüngsten Werke Haywire, Contagion oder Magic Mike stets das Quäntchen Brillianz seiner früheren Geschichten vermissen ließen, schien Soderberghs Abschied auf Raten immer wahrscheinlicher. Er wolle fortan nur noch Bilder malen, wahlweise nicht mehr für die große Leinwand filmen. Doch – und das ist jetzt lobend gemeint – ein Großmaul wie Soderbergh tritt nicht leise ab. Er geht vorzugsweise mit einem Meisterwerk. Wer vor den Filmfestspielen in Cannes 2013 gegen diesen Gedanken wetterte, darf dem Genre- sowie Mainstreamkönner nun Spalier stehen und eifrig applaudieren. Denn: „Behind the Candelabra“ ist ein emphatisches Kunstwerk und der potentiell krönenden Abschluss einer großen Regiekarriere. Sobald sich die Augen der Zuschauer an den glitzernden Dekor-Kitsch aus Liberaces Palast gewöhnt und sich von Matt Damons überraschend knackigem Hintern losgerissen haben, kann sich die geheime Liebe zwischen dem Entertainer und seinem Schoßhund endlich entfalten – und mit was für einem Sog! Abhängigkeit, Reichtum und Eifersucht sind die Motoren für ein darstellerisches Kabinettsstück der Superstars Matt Damon und Michael Douglas. Letzterer liefert eventuell sogar die pointierteste Leistung seiner Karriere ab und schafft es damit dennoch nicht in die US-Kinos. Warum? Weil schwule Lovestorys außerhalb platter Komödien eben Kassengift sind und kein Studio das Geld für die Produktion riskieren wollte. Der für große Serien bekannte Fernsehsender HBO sagte aber zu und spendierte Soderbergh Geld und Sendeplatz. Trauerspiel und Marketingcoup zugleich: Die Regie darf weiter gegen das System motzen, hat es aber im gleichen Atemzug überlistet. Des Weiteren dürfen aufgeklärte Europäer den Film ab Herbst im Kino bewundern. Wir Glücklichen! Władziu Valentino Liberace vor Sichtung des Komödie nicht konkret zu kennen ist keine Schande, denn Soderbergh und Douglas manifestieren den Rummel um den bunten Piano-Alleinunterhalter schnell in den Köpfen des Publikums. Die glitzernde Bühne auf welcher „Mr. Showmanship“ seine Fingertechniken mit charmanten Sprüchen auflockert ist das Zentrum seines Erfolgs. Aus heutiger Perspektive angestaubte Unterhaltung, in den 60ern und 70ern der letzte Schrei in Vegas und dem TV. Neben den vielen vielen Damen verfängt sich auch der junge Tierpfleger Scott Thorson im Bann des extravaganten Musikers. Es folgt eine Einladung in Liberaces Haus, väterliche Gespräche und die Verführung aus der eine jahrelange Beziehung resultiert. Fortan widmet sich „Behind the Candelabra“ einem halben Jahrzehnt passionierter Verblendung. Der junge Scott kennt seinen wahren Vater nicht, ist fasziniert von dem erfahrenen älteren Mann, dem Star, dessen Lifestyle. Wie eines der unnütz vielen Accessoires in Liberaces Villa lässt er sich anlegen, bemerkt dabei nicht einmal das er sich den Spitznamen „Baby-Boy“ mit einem Pudel teilt. Liebe und Gefallsucht steigert sich für Scott (den Matt Damon schlichtweg großartig mimt) in Kokain-Diät, finanzielle Abhängigkeit und sogar in Schönheitschirurgie. Das Ziel der Operationen ist die optische Anpassung an den älteren Liebhaber. Aus Reiz wird Zuneigung, aus einer Liaison innige Jahre. Doch bleibt die Frage, ob die Liebe zwischen Liberace und Scott überhaupt bestand haben kann. Katalysiert die Beziehung nicht nur für einige Jahre den Geltungsdrang und den Narzissmus der beiden Männer? Die schwule Liebe wird stets passend beleuchtet. Mit zynischem Witz, mit moralischem Ekel, mit Drama und Pathos. Soderbergh findet immer den perfekten Tonfall, die Kamera optimale Perspektiven. Dekor und Maske bereiten die Bühne für ein Versteckspiel vor der Öffentlichkeit. Ein Outing war für Liberace tabu, die Gesellschaft Ende der 70er noch nicht bereit für die wahren Neigungen des überlebensgroßen Entertainers. Gefangen im nicht nur goldenen, sondern auch funkelnden und glitzernden Käfig begehrt Scott immer mehr auf. Es kommt zum Streit. Über Analsex, über Anerkennung, über Geld. Nach und nach spielt sich Damon in den Vordergrund, während der dominante Star sich langsam rar macht. Die Screentime passt dabei hervorragend zum jeweiligen Entwicklungsstand der Protagonisten. In der ersten Hälfte gibt es fast nur Liberace, nur Michael Douglas, den nach der Krebserkrankung genesenen Oldie in einer versessenen Performance. Sprache, Haltung, Exzess: Douglas Charakter fasziniert, polarisiert, setzt schließlich ein großes Ausrufezeichen hinter das Comeback des Schauspiel-Veteranen. Im Gesamtkontext steht aber viel mehr als herausragende Darsteller und kunstvolle Regie. „Behind the Candelabra“ ist Sozialkritik, lüftet Schleier um (notwendige?) Feigheit und Egomanie auf die Bühne zu zwingen. Bis zu seinem Tod verschwieg Liberace seine Sexualität, die Diagnose HIV schockte seine Fans. Der Erfolg bescherte ihm einen gelebten Traum, seine Identität konnte er in diesem Traum allerdings nicht ausleben, sich nie verwirklichen, vielleicht niemals richtig lieben. Soderbergh begegnet diesem Urgestein amerikanischer Unterhaltung mit großen Respekt, übt durch Liberace aber zugleich auf witzige, ernste und artistische Weise Kritik am Showgeschäft. Der Kreis zu den zahlreichen Predigten des Regisseurs scheint sich somit bündig zu schließen. Sollte Soderbergh wirklich aufhören, wäre es zum jetzigen Zeitpunkt, kein hinnehmbarer, sondern wieder ein riesiger Verlust für das amerikanische Kino.

Fazit

Das beste Biopic seit Jahren? Der beste Film Soderberghs? Dass Superlative allzu oft blenden ist nur eine der kritischen Lehren aus „Behind the Candelabra“. Michael Douglas und Matt Damon lüften traurige Vorhänge des Showgeschäfts, unterhalten dabei mit krudem Witz und viel Drama. Die schönste Art um großen Studios mit einem breiten Grinsen „Fuck Off“ zu sagen.

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