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Der Kriegsberichterstatter Werner geht 1941 an Bord von U-96, das den Auftrag hat, englische Transportschiffe zu versenken. Werner soll der Heimatfront von den Heldentaten des Kapitäns und seiner Mannschaft berichten. Doch schnell wird der Jäger zum Gejagten, und der Atlantik entpuppt sich bald als nasskalte Hölle für die Besatzung. Ein Albtraum aus Klaustrophobie und Todesangst beginnt.
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Kritik

Es gibt wenig deutsche Filme, die einen vergleichbar legendären Status errungen haben, wie Wolfgang Petersens Film über ein U-Boot im Zweiten Weltkrieg. Und seit dem Erscheinen dieses Filmes kam nichts wirklich Vergleichbares - wohl weder im Bezug auf den Erfolg noch auf den Aufwand. Zwar traf der „Das Boot“ hierzulande zunächst nicht wirklich auf ein großes Publikum, nachdem aber bekannt wurde, was für ein Renner der Film in den Vereinigten Staaten wurde, kam der Film auch in Deutschland langsam in die Gänge. Sechs Oscar-Nominierungen, der Startschuss von so manchem Darsteller und der Grund für Wolfgang Petersens Hollywood-Karriere. Ebenso großzügig wie die vielen Geschichten, die sich um den Film ranken, ist die Laufzeit des Films geraten. Die kurze Kinofassung dauert zweieinhalb Stunden, der Director’s Cut der gut zehn Jahre später erschien geht ganze dreieinhalb Stunden. TV-Fassungen tragen noch ein paar Extra-Minuten. Diese Kritik bezieht sich auf den Director’s Cut.

Der Film setzt ein, wenn die zukünftigen Protagonisten auf dem Weg zu einer Feier in einem französischen Bordell sind. Ihr Auto kurvt sich durch den schmalen Weg, betrunkene Soldaten stehen am Straßenrand, grölen und pullern gegen das Auto. Das scheint zwar für die Passagiere befremdlich zu sein, für die Täter aber folgenlos zu bleiben - Regeln gibt es nicht mehr. Jedenfalls keine für Benimm und Anstand. Und Humor? Von dem wurde sich schon vor Äonen verabschiedet. Auf der Feier selbst sind bereits alle betrunken, als der Kapitänleutnant (Jürgen Prochnow, "Die Dunkle Seite des Mondes") und der Journalist Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer, "A Most Wanted Man") eintreffen. Alle sind am eskalieren, das Urinieren vor der Hütte war nur der Anfang. Bald fliegen Fäuste, bald werden Frauen belästigt, kurz darauf schießt ein betrunkener Soldat durch den Raum und verunstaltet ein Kunstwerk an der Wand. Eine ausgelassene Partystimmung war das noch nie, die Menschen sind dort nicht in feucht-fröhlicher Stimmung sondern sind im Versuch begriffen, ihren sicheren und sinnlosen Tod zu akzeptieren - ein Vorgang, der das Ablegen jeglicher Rationalität und Sinnhaftigkeit zeigt.

Kurz darauf fährt die Besatzung aus dem Hafen und wird von einer Handvoll Zivilisten verabschiedet. Es wird nicht wirklich erkenntlich, ob es sich um Verwandte, gar Liebende, Fremde oder um wen auch immer handelt. Leutnant Werner, der Neue im Boot, schießt Fotos von den winkenden Soldaten, die die Welt hinter sich lassen müssen und für ein paar Wochen an einem Ort überleben müssen, an dem kein Mensch überleben kann. Der Herr Kaleun, der nur „Der Alte“ genannt wird, mahnt Werner ab. Er solle keine Fotos von auslaufender Besatzung machen, sondern von einlaufender. Dann hätten sie nämlich Werte. Es bleibt herrlich offen, ob der Alte damit finanzielle Werte oder ethische Werte in den Gesichtern der Männer meint. Es sind Szenen wie diese zu Anfang des Films, die aus „Das Boot“ einen teils wirklich plättenden und einfühlsamen Film machen. Leider hält der Film diesen Druck nicht aufrecht und kommt über die 208 Minuten nicht ohne weitere Durststrecken.

Der Star des Films jedoch, das Boot selbst, ist eine Nummer für sich. Die Gänge sind keine zwei Mann breit, die Decke keine zwei Meter hoch. Privatsphäre wird mit einem Lächeln quittiert, die gibt es nämlich nicht. Nicht beim Schlafen, nicht beim Essen und wenn es „Alarm“ heißt, dann bleibt alles stehen und liegen, wenn man grad auf dem Klo sitzt, dann kneift man ab und rennt los. Die Köpfe rammen die Lampen im Flur im Sekundentakt. Zwischenmenschliche Nähe kann etwas schönes sein, die Nähe im Boot hat eher etwas von Massentierhaltung. Über Wochen hinweg haben die Soldaten keine Armlänge Platz für sich, über Wochen hinweg gucken sie ihren Haaren beim Wachsen zu, um sich von dem Gedanken abzulenken, dass um sie herum nur das Nichts darauf wartet, den menschlichen Körper im Nullkommanix zu zerstören. Diese psychische Zersetzung zeigt Petersen hier teilweise minutiös - was die lange Laufzeit erklärt und den Film (einmal mehr: teilweise) zu großer Stärke verhilft.

Dennoch muss man leider feststellen, dass der Film sich in einer Hinsicht teilweise arg verzettelt. Bei einem (für deutsche Verhältnisse) so übergroßen Budget und derart epischen Stoff hat Petersen natürlich versucht, sich an den US-amerikanischen großen Kriegs-Epen zu orientieren. Kein Wunder also, dass der Erfolg in Übersee so immens war. Aber amerikanisch ist nicht immer besser und überhaupt muss amerikanisch erst einmal richtig gemacht werden. Dabei schießt der Film deutlich über das Ziel hinaus und lässt so ein paar Sequenzen entstehen, die nicht ganz schmecken mögen. Das zeigt sich vor allem in den Kriegsszenen. Denn obwohl der Film seine Charaktere eine deutliche Position zum Krieg beziehen lässt (vor allem auch in der großartigen Endszene, in der deutlich wird, dass das Grauen niemals die Leben dieser Männer verlassen wird), inszeniert der Film die Angriffe und Kriegsszenen mit einer immensen Faszination, mit Spaß an der Sache, mit einem Leuchten in den Augen, wenn die feindlichen Boote in Flammen aufgehen. Die U-Boote sind dabei keine Todesengel, sondern Geheimagenten auf einer wichtigen Mission.

Fazit

Die Bedeutung von „Das Boot“ für die Karrieren der Beteiligten und die Stellung des deutschen Films in internationaler Hinsicht ist schlicht nicht von der Hand zu weisen. Und auch wenn der Director’s Cut mit dreieinhalb Stunden gnadenlos zu lang geraten ist, womit der Film immer wieder ähnliche Sequenzen wiederholt, immer wieder weist der Film Momente auf, die sehr intensiv und begabt inszeniert wurden. Auch wenn der Versuch, ein deutsches „Apocalypse Now“ auf die Beine zu stellen, gescheitert ist, entfalten vor allem Anfang und Ende des Films eine so starke Sog-Wirkung, dass sich nur schwer übersehen lässt, worum es Petersen (bei allen Abzügen) ging. The Horror.

Autor: Levin Günther

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