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Inhalt

Das ländliche England im Jahr 1865: Die junge Katherine leidet unter ihrer Ehe mit einem verbitterten Mann, der doppelt so alt ist wie sie. Als sie eine Affäre mit einem Arbeiter beginnt, wird eine Kraft in ihr entfesselt, die ihr neuen Mut verleiht.
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Kritik

In seiner Romanverfilmung Lady Macbeth drückt Regisseur William Oldroyd die anfängliche Ohnmacht seiner zur unentwegten Passivität verdammten Protagonistin vorwiegend durch die Inszenierung aus, indem er sie in einzelnen Szenen wiederholt an den äußeren Rand der Einstellungen drängt. Basierend auf der russischen Novelle Die Lady Macbeth aus dem Landkreis Mzensk von Nikolai Leskow erzählt Oldroyd die Geschichte von Katherine, die im ländlichen England des 19. Jahrhunderts mit einem Mann verheiratet wird, der gut doppelt so alt ist wie sie. Wie für die damalige Zeit üblich, handelt es sich bei der Hochzeit um eine über den Köpfen der Beteiligten hinweg arrangierte Zeremonie, die sichtlich gegen den Willen der jungen Frau vollzogen wird. Stumm und ergeben soll sie sich ihrem vorherbestimmten Schicksal beugen, ohne auch nur an Widerworte zu denken. 

Nachdem sich Katherine und ihr Ehemann Alexander in dem schicken Anwesen von Alexanders Vater Boris einfinden, zeigt der Regisseur die Hauptfigur als eine Gefangene, die den genauen Anweisungen der patriarchalischen Männer folgen muss und dazu angewiesen wird, die Räumlichkeiten des Hauses niemals alleine zu verlassen. Von ihrem eigenen Mann wird Katherine wie ein gefügiges Objekt behandelt, wenn sie sich im Schlafzimmer auf seine Forderung hin entkleiden und stehend in der Ecke des Raumes verharren soll. Sexuelle Handlungen verbannt Oldroyd dabei genauso gezielt aus seinen formstrengen Einstellungen wie aus dem Leben von Katherine. Selbst in einer besonders unbequemen Szene, in der sie nackt mit dem Gesicht zur Wand gerichtet vor Alexander steht und dieser hinter ihr masturbiert, klammert der Regisseur den Akt der Selbstbefriedigung vor Katherines Augen und damit auch vor den Augen des Zuschauers vollständig aus.

Lady Macbeth wird regelmäßig von solchen auffällig komponierten Einstellungen dominiert. In diesen fängt Oldroyd ein vordergründig minimalistisches Ereignis mit statischer Gelassenheit ein und setzt dabei mit kleinen Details wie ein Lächeln, das sich für Sekundenbruchteile auf einem Gesicht in der Ecke des Raumes abzeichnet, oder ein schweres Röcheln aus dem unsichtbaren Nebenraum des Bildabschnitts für einen kurzen Moment ganze Schwälle von Emotionen in den ansonsten kühlen, reduzierten Schauplätzen frei. Nachdem Alexander und Boris aufgrund eines geschäftlichen Vorfalls das Anwesen verlassen und Katherine zum ersten Mal alleine mit den Dienern und Angestellten des Hauses alleine lassen, bahnt sich auf ebenso langsame wie subtile Weise eine Verschiebung der vorherrschenden Verhältnisse an.

Zunächst scheint die Protagonistin in ihrer neu gewonnenen Freiheit förmlich aufzublühen, als sie sich mit dem Stallburschen Sebastian heimlich in eine Affäre stürzt, bei der Oldroyd das leidenschaftliche Verlangen zwischen beiden Figuren schließlich vollständig sowie ausgiebig in den Mittelpunkt der Einstellungen rückt. Gemeinsam mit dem fantastischen Schauspiel von Hauptdarstellerin Florence Pugh (The Falling), die nach ihrer Leistung in diesem Film sicherlich einer noch größeren Karriere als gefragte Schauspielerin entgegenblicken dürfte, inszeniert der Regisseur die Geschichte gleichermaßen als feministisch geprägtes Befreiungsmanifest, in dem Katherine mehr und mehr zur dominierenden Größe innerhalb des Anwesens heranwächst, wie als zunehmend bedrohliche Betrachtung wechselhafter Machtverhältnisse.

Während bereits der Titel des Films eine offensichtliche Verbindung zu den Werken von William Shakespeare andeutet, entwickelt sich Lady Macbeth durch das präzise Ausloten von zwischenmenschlichen Abgründen, unstillbarem Verlangen und rasender Eifersucht zu einer bitteren Tragödie shakespearschem Ausmaßes, in der kaltblütige Morde und schwere Intrigen das zerrüttete Porträt moralisch verwerflicher Seelengräber vervollständigen. 

Fazit

Mit der Romanverfilmung „Lady Macbeth“ hat der vom Theater kommende Regisseur William Oldroyd ein dunkles Drama geschaffen, das durch formstreng-stilvoll komponierte Einstellungen in die bitteren Gesellschaftsstrukturen des Englands aus dem 19. Jahrhundert zurückführt und eine an Shakespeare angelehnte Geschichte ausbreitet, in der die ambivalent ausgeloteten, mehrfach verschobenen Machtverhältnisse folglich zu Mord und Intrigen führen. Die nüchterne Inszenierung in Verbindung mit den kühl aufbereiteten Sets könnte einigen Zuschauern den Zugang etwas erschweren, doch zumindest das fantastische Schauspiel von Florence Pugh dürfte jeden nach kürzester Zeit an die vielschichtigen Facetten dieses Films fesseln.

Autor: Patrick Reinbott

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