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Inhalt

In Schweden bricht ein brutaler Bürgerkrieg aus und der vierjährige Jimmie (Hunter Ganslandt) und sein Vater (Jesper Ganslandt) sind gezwungen, das Land zu verlassen, um in einem anderen Land eine neue sichere Heimat zu finden. Die Ehefrau und Mutter ist verschwunden, somit bleibt dem Vater-Sohn-Duo nichts anderen übrig, als sein Glück auf eigene Faust zu finden. Im Laufe der Flucht sind die beiden auf dem Wasser in einem Boot unterwegs, laufen an Bahngleisen entlang und sind glücklich über jeden, der sich ihrer freundlich annimmt. Doch sie sind nicht die Einzigen, die unterwegs sind. Weltweit sind die Menschen auf der Flucht. Somit treffen Jimmie und sein Vater auch auf Angst, Chaos und Desorientierung. Während Vater und Sohn anfangs noch gemeinsam auf dem Weg in ein neues Leben sind, verlieren sich die beiden im Laufe der Zeit aus den Augen und Jimmie wird von einer ebenfalls auf der Flucht befindlichen Familie aufgenommen...

Kritik

Stell Dir vor, DU müsstest fliehen! - so lautet der Appell des schwedischen Filmregesseurs Jesper Ganslandt (Blondie), der versucht das noch immer aktuelle (wenn auch in gewissermaßen zeitlose) Thema der Flüchtlingskrise in unsere westlichen Reihen zu bringen: Was wäre, wenn es nicht die „Anderen“, sondern wir selbst wären, die fliehen müssten? Zur besonderen emotionalen Identifikation nimmt der Film die Perspektive des erst vierjährigen Jimmies ein, der die politische Krise natürlich nicht einordnen kann und nicht versteht, was um ihn herum passiert. Jimmie wird von Hunter Ganslandt gespielt, dem Sohn des Regisseurs, der wiederum im Film seinen Vater verkörpert. Es wird demnach eine im wortwörtlichen Sinne authentische Vater-Sohn-Beziehung eingefangen. 

An diesen einleitenden Worten lässt sich schon eine Herangehensweise festmachen: Ganslandt versteht seinen Film als persönliches Gedankenexperiment, wie man es selbst tagtäglich tut, indem man sich vorstellt, wie man in einer derartigen Extremsituation handeln würde. Er macht sich dabei vor allem Gedanken darüber, wie es wohl für ein Kind, genauer für seinen Sohn, wäre mit noch naiven Augen dem ausgesetzt zu sein. Der Ansatz erweist sich aus gleich zweierlei Gründen als überaus problematisch. Zum einen emotionalisiert er den Konflikt dadurch, dass ein Kind die Zugangsperson ist und der Konflikt in unsere eigenen westlichen Reihen getragen wird. Das erscheint ziemlich plump, wäre es doch viel interessanter, Empathie für die "fremden" Probleme zu entwickeln. Um uns die Krisensituation aus der Perspektive der Flüchtlinge verständlich zu machen, sollte uns der Film von unserer egoistischen Perspektive lösen und uns nicht noch stärker an sie binden. 

Damit zusammenhängend verpasst es der Film einen wirklich bereichernden Diskurs zu führen. Aus der Perspektive eines Kindes können wir keine politischen Zusammenhänge begreifen,  sondern nur den eindimensionalen Blick beibehalten, den wir sowieso schon auf diese Krise haben. Hinzu kommen noch spirituell angehauchte Voice-Over-Momente, die die lückenhafte Leere des durchaus gut gemeinten Filmes untermalen, und mit der Wackelkamera, die die Verwirrung des Jungen auf den Zuschauer verlagern soll, die missglückten Versuche darstellen, die Perspektive eines Kindes einzunehmen. Davon abgesehen ist zumindest erzählerisch ein einnehmender und stimmungsvoller Film geglückt, in dem sich Jesper Ganslandt als begabter Regisseur zeigen kann, der einfach nur an der falschen Prämisse gearbeitet hat. 

Fazit

"Stell Dir vor, DU müsstest fliehen" ist leider weitgehend so plakativ wie sein deutscher Titel: Zwischen spirituell anmutenden Voice-Over-Kommentaren und kindlichen Blicken verliert er das Politische und die wahrhaftige Empathie aus dem Blick. Stattdessen versucht er den Zuschauer auf stilistisch zugegebenermaßen gelungene und stimmungsvolle Art und Weise emotional abzuholen. Jesper Ganslandt erweist sich hier als talentierter Regisseur, der es gut meint, sich jedoch diesmal für die falsche Prämisse entschieden hat.  

Autor: Maximilian Knade

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