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England, irgendwann im tiefsten Mittelalter: Der Bauer Ralph legt bei der Feldarbeit einen Schädel frei, der weder von einem Menschen, noch einem Tier zu stammen scheint. Als dieser dann noch spurlos verschwindet, will ihm niemand seinen merkwürdigen Fund glauben. Doch dann geschehen sonderbare Dinge in der Ortschaft, die langsam vom Wahnsinn befallen scheint.

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Kritik

Mit Der Hexenjäger entstand 1968 ein Werk, welches im Genre für eine kurzlebige Randerscheinung sorgte, vielmehr aber die Gangart speziell des britischen B-Horrorfilms entscheidend veränderte: Der straffe Exploitaitor aus dem bis dahin recht unbedeutendem Hause Tigon wurde ein Achtungserfolg wie Skandalfilm, suchte er das Grauen doch nicht in übernatürlichen Geister- und Monstergeschichten, sondern griff auf einen eigentlich naheliegenden, da wirklich existenten Schrecken der Vergangenheit zurück. Die unaussprechlichen Grausamkeiten während der Inquisition, als unzählige Unschuldige aus Aberglaube, (manipulatierter) Primitivität, Unwissenheit aber vor allem auch durch Machthunger und intriganter Boshaftigkeit (oftmals wissentlich) den „falschen“ Tod als angebliche Hexen und Teufelsanbeter fanden. In den späten 60ern frühen 70ern entstanden europaweit einige inhaltlich und auch stilistisch ähnliche Filme, die deutlich schonungsloser und realistischer zur Sache gingen, als es speziell der britische Horrorfilm (der damals noch verstärkt über die HAMMER-Studios definiert wurde) mit seiner sonst vornehmen Zurückhaltung bisher vorgemacht hatte.

Der ebenfalls von Tigon produzierte In den Krallen des Hexenjägers scheint wie auch z.B. Der Hexentöter von Blackmoor oder Hexen bis aufs Blut gequält in die kleine, aber tiefe Kerbe von Michael ReevesDer Hexenjäger einzuschlagen, dabei ist er doch ein ganz anderer Film. Den Hexenjäger bekam er auch nur von der deutschen Titelschmiede dazu gedichtet (wie Dracula oder Django eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort ein gutes Verkaufsargument), wobei natürlich auch Parallelen zum Inquisitions-Horror bestehen, dieser jedoch nicht das Alleinstellungsmerkmal dieses für seinen Zeittraum bemerkenswert mutigen und teilweise sogar ungeahnt vorrausschauenden, fast wegweisenden (und besonders verkannten) Mini-Klassiker definiert. Nur am Rande wird im letzten Drittel der gängige Alltagswahnsinn der Hexenjagden im Namen des Herren mit eingeflochten, ohne dass es seine giftige Wirkung verfehlen würde, das erledigt Regisseur Piers Haggard (Die schwarze Mamba) bei einer seiner wenigen Kinoarbeiten fast schon im Vorbeigehen…und selbst da noch mit dem entsprechenden Nachdruck.

In den Krallen des Hexenjägers ist mehr eine hochinteressante wie ungewöhnliche Kreuzung aus bizarrem, paranoidem Psychothriller, okkultem Gruselfilm an der Kante von Creature- und Body-Horror und eben dem historisch-religiösen Aberglaube-Irrsinn, der hier aber eher den Rahmen bietet als das er das Geschehen dominieren würde. Ganz im Gegenteil: Als Zuschauer ist man schnell geneigt sich vordergründig auf die üblichen Mechanismen abseits von wirklich übernatürlichen Erscheinungen einzustellen, die Ursache des Bösen hauptsächlich im fehlinterpretierten Handeln der Personen zu suchen, selbst als uns ganz plastisch die Präsenz einer offenbar nicht von dieser Welt stammenden Bedrohung präsentiert wird. Piers Haggard inszeniert seinen Film von Anfang an leicht entrückt und verzerrt, sowohl mit seinem durchgehend ungewöhnlich-verstörendem Score wie auch in leicht experimentell erscheinenden Kamerawinkeln, die sich offenbar immer dort positionieren, wo man es im ersten Moment nicht unbedingt erwarten würde. Durch so einfache, unaufdringliche Methoden wird schnell eine ganz eigene, kaum greifbare, leicht irritierende Unbehaglichkeit gesät, die im Folgenden das Wesen dieses außergewöhnlichen Genrebeitrags mit einer sehr individuellen Note versehen wird. Wahnsinn, Hexenjagd oder die Präsenz des Leibhaftigen, was prasselt hier auf die kleine Gemeinde ein und wird sie in ihren Grundfesten erschüttern?

Der deutliche Low-Budget-Look erweist sich hierbei nicht mal als Hindernis, ist beinah vorteilhaft. Während die HAMMER-Studios selbst in ihren finanziell dürftigen Zeiten immer noch konsequent auf B-Movie-Pomp und Semi-prächtige Studiokulissen setzten, wirkt In den Krallen des Hexenjägers durch seinen rohes, karges, schmucklos-tristes Auftreten wesentlich authentischer in seinem zeitlichen und gesellschaftlich dargestellten Kontext. Das ist grau, das ist dreckig; es ist hässlich und unattraktiv. Einfach echt. Wie sollte es auch sonst dort aussehen? Abseits der sehr gekonnten – wenn auch oder eben wegen der spartanischen und kratzigen – Präsentation, besticht der Film aber besonders durch seine kontinuierlich aufgebaute Bedrohlichkeit, die verschiedene Themengebiete streift und Assoziationen zu bereits bestehenden Klassikern (wie Das Dorf der Verdammten) oder, natürlich rückblickend, noch kommenden Meilensteinen (wie Ein Kind zu töten) hervorruft, obwohl unverkennbar mit dem ganz kleinen Brötchenteig auf dem Backblech. Wie er naturgemäß an (unwichtige) Grenzen stößt, an ihnen aber sich keinen Zacken aus der Krone bricht, wird eine enorme Sogkraft errichtet. Fundamentiert auf schockierender Grausamkeit, mutiger Freizügigkeit und diversen Tabubrüchen, die aber nicht dem reinen Selbstzweck unterliegen, sondern den Ereignissen erst die bestechende Dringlichkeit hinzufügen.

Fazit

In seinen Mitteln eingeschränkt und bestimmt auch daher teilweise ungerechtfertigt als Trash-Movie verpönt ist „In den Krallen des Hexenjägers“ tatsächlich einer der wichtigsten, obwohl kaum flächendeckend bekannten Horrorfilmen der frühen 70ern. Vieles hier Gezeigte wurde später erfolgreich anderweitig adaptiert, nur manchmal (meistens sogar eher nicht) besser. Eine Fundgrube diverser Genre-Qualitäten, mit viel Hingabe trotz geringer Möglichkeiten bestechend vorgetragen. Klasse, ein Highlight seiner Zunft…auch wenn diese so klar gar nicht zu definieren ist.

Autor: Jacko Kunze

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