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Am 9.August 1969 wird Hollywood-Star Sharon Tate und vier weitere Menschen auf ihrem Anwesen grausam ermordet. Nach zähen und fehlerhaften Ermittlungen fällt der Verdacht auf Sektenführer Charles Manson und seine Anhänger. Der Prozess zählte zu den spektakulärsten in der Geschichte der USA.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Bald jähren sich die abscheulichen Taten von Charles Manson und seiner „Familie“ zum 50. Mal. Der Name des im letzten Jahr in Gefangenschaft verstorbenen Sekten-Gurus und selbsternannten Reinkarnation von Jesus Christus ist bis heute ein Synonym für das wahrhaftige Böse, so abstoßend und schockierend waren die Verbrechen, die sich in den Nächten des 9. & 10. August des Jahres 1969 zutrugen. Sieben Menschen - darunter die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate (Tanz der Vampire), Gattin von Star-Regisseur Roman Polanski (Der Pianist) – wurden in den beiden Nächten in einem barbarischen Blutrausch förmlich abgeschlachtet. Manson erteilte seinen ihm blind gehorsamen Jüngern den Befehl zu den Morden, um sie anschließend Afroamerikanern in die Schuhe zu schieben. Das Ziel war der Ausbruch eines Rassenkrieges, womit Manson seine eigenen, bizarren Prophezeiungen einer Art Jüngsten Gerichts Wirklichkeit werden lassen wollte. Inspiriert von dem gleichnamigen Beatles-Song taufte er diese Fantasien Helter Skelter, ein Begriff der auch an einem der Tatorte mit dem Blut der Opfer niedergeschrieben wurde.

Helter Skelter – so auch der Titel dieser mehr als dreistündigen TV-Produktion – entstand nach dem  Tatsachenroman von Vincent Bugliosi, der als damalig stellvertretender Staatsanwalt des Los Angeles County zum Chefankläger im Prozess gegen Manson und seine Anhänger Susan Atkins, Patricia Krenwinkel, Leslie Van Houten und Charles Watson ernannte wurde. Die Figur von Bugliosi (verkörpert von George DiCenzo, Unheimliche Begegnung der dritten Art) führt auch als Erzähler durch den Film des bereits ein Jahr später verstorbenen Regisseurs Tom Gries (Nevada-Pass). Manson und sein Gefolge wurden am 29.3.1971 zum Tode verurteilt, was am 18.Februar 1972 aufgrund der Aufhebung der Todesstrafe in Kalifornien in lebenslängliche Haftstrafen umgewandelt wurde. Somit lagen zwischen den Morden und dem Urteilsspruch mehr als 1 ½ Jahre. Zum einen, da der Prozess sich aufgrund diverser Umstände in die Länge zog, zum anderen jedoch wegen der skandalös schlampigen Ermittlungen, die der Film in all ihrer Fehlerhaftigkeit schonungslos darlegt. Im Prinzip hätten Manson und Co. schon wesentlich früher überführt werden können, letztlich brachten sie nur Zufälle und das Prahlen mit den eigenen Taten überhaupt auf die Anklagebank.

Klar zunächst auf die schleppenden und lückenhaften Ermittlungen, später auf die Gerichtsverhandlung fokussiert hält sich der Film nüchtern an die reinen Fakten. Wirkt in seiner Stilistik semi-dokumentarisch, greift auf aus Reportagen gewohnte, begleitende und zusammenfasende Erläuterungen aus dem Off zurück. Oftmals schmucklos und ohne bzw. kaum direkter Darstellung der eigentlichen Taten scheint man sehr bemüht nicht pietätlos ein noch sehr aktuelles Ereignis selbstzweckhaft auszuschlachten, nicht versehentlich (oder gar absichtlich) in das Horrorgenre abzudriften oder noch viel schlimmer, den Tätern und ihren kranken Wertvorstellungen irgendeine Form der ausführlichen, faszinierenden Präsentation anzubieten. Natürlich stehen sie letztlich im Mittelpunkt der Handlung und die Suche nach dem Warum ist schließlich ein ausschlaggebendes Detail während des Prozesses, der Blick auf sie und ihre Motive bleibt jedoch durchgehend von tiefer Abscheu geprägt. Von kopfschüttelnder Fassungslosigkeit angesichts solch unmenschlicher Grausamkeit und abgründigem Wahnsinn.

Seine Herkunft eines TV-Films kann Helter Skelter leider nie verbergen, unabhängig von der epischen Laufzeit, des weniger prominenten Cast und der unspektakulären Inszenierung. Der sicherlich gewollte, mehr berichterstattende denn erzählerisch ausgeprägte Stil sorgt trotz der interessanten Geschichte immer wieder für Längen und eine gewisse Trockenheit, die mitunter in echte, nicht immer sinnvolle Zähflüssigkeit mündet. Der Film wirkt mehr wie eine ausgiebige, informative Zusammenfassung der Geschehnisse, die weder Tieferes über ihre Figuren preisgibt, noch mehr anbietet als das, was letztlich auch aus einer echten, rein faktenbasierten Dokumentation über das Verfahren oder die Ermittlungen hervorgehen würde. Das ist so gesehen schade, denn schließlich ist das nun mal ein Spielfilm, der vielleicht auch etwas mehr spekulieren, mutmaßen oder vertiefen dürfte, auch wenn er sich Korrektheit und zu einem gewissen Maß auch Diskretion auf die Fahne geschrieben hat. Beeindruckend ist jedoch das Spiel von Steve Railsback (Der lange Tod des Stuntmans Cameron) als Charles Manson, der diesen Teufel eine erschreckend glaubhafte Präsenz verleiht, die einem stellenweise durchaus einen leichten Schauer den Rücken hinunterjagen kann.

Fazit

Recht informativ, (fast zu) ausführlich und mit einem kritischen, ungeschönten Blick auf die teilweise schon grob fahrlässig durchgeführten Ermittlungen ist „Helter Skelter“ ein ambitioniertes und zum damaligen Zeitpunkt brandheißes Projekt, das jedoch zu wenig wagt und in Präsentation wie Narration öfter gar bieder daherkommt. Zudem wirkt er am Ende, wenn er darauf hinweist das die Täter aufgrund der Umwandlung des Urteils theoretisch bereits 6 Jahre später wieder auf freien Fuß sein könnten, wie ein direktes (und gefühlt tatsächlich so gemeintes) Plädoyer für die Todesstrafe, was bei aller Liebe und Verständnis nun wirklich unter aller Kanone ist.  

Autor: Jacko Kunze

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