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Michael Myers ist tot! So lautet jedenfalls die offizielle Aussage der Polizei. Doch Laurie Strode, die Michaels brutales Massaker überlebt hat, ist sich sicher: er lebt und wird wieder zuschlagen. Aber obwohl seine Leiche niemals gefunden wurde, will niemand Laurie glauben. Als ein Jahr später die Straßen von Haddonfield wieder mit orangefarbenen Kürbisköpfen geschmückt sind, geschieht der erste grauenvolle Mord. Laurie weiß sofort, dass Michael zurückgekommen ist, um sie diesmal endgültig zu töten. Und Michael Myers wird Halloween in den blutigsten Tag des Jahres verwandeln.

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Kritik

„Freaks will always find their way home.“

Dass das Halloween-Remake von Rob Zombie (Haus der 1000 Leichen) aus dem Jahre 2007 kein völliger Reinfall wurde, ist einer Tatsache anzurechnen, die sowohl Segen als auch Fluch für die weitaus blutrünstigere Neuauflage des formvollendeten Klassikers von John Carpenter (Das Ding aus einer anderen Welt) bedeutet. Rob Zombie nämlich hat in seiner verhalten rezipierten Halloween-Version versucht, zwei verschiedene Film unter den Deckmantel eines massenwirksamen Labels zu synchronisieren. Das hat den Umstand bemüht, dass wir ein leicht schizophrenes Werk zu Gesicht bekommen haben, in dessen ersten Hälfte Zombies psychologistische Paraphrase von Halloween – Die Nacht des Grauens effektiv zu greifen kommt, während in der zweiten Hälfte ganz deutlich wird, dass der sonst so animalisch agierende Filmemacher vor John Carpenter und seinem stilprägenden Slasher-Urgestein gnadenlos zu Kreuze kriecht.

Dass Rob Zombie seine ganz eigene Vision rundum den seit Dekaden bestehenden Mythos Michael Myers nicht in vollen Zügen ausleben konnte, hing natürlich auch mit den Repressionen der Produktionsanstalt zusammen und schränkte die immense Kunstfertigkeit des Rocksängers merklich ein. Zum Glück aber sollte Zombie seine Chance im zwei Jahre später erschienenen Halloween II erhalten und das Halloween-Franchise nicht nur einer kleinlauten Neuinterpretation, sondern vielmehr einer unheimlich suggestiver Eigeninterpretation unterziehen. Puristen des Originals jedenfalls gingen auf die Barrikaden, nachdem sie mit ungläubigen Blick Zeuge wurden, dass Rob Zombie tatsächlich die Impertinenz besaß, den Boogeyman und alles, wofür er seit den späten 1970er Jahren einstand, nach Strich und Faden zu demontieren. Diese Dekonstruktion, die natürlich auch einen eindeutig entmystifizierenden Effekt inne trägt, ist jedoch bei einer von Vorurteilen befreiten Betrachtung schlicht und ergreifend berauschend.

In Halloween II wird kein ehrfürchtiges Recycling betrieben, bei dem hin und wieder mal ein originärer Gedankengang durchschimmern darf. Halloween II ist Kino, frei von Kompromissen und Zugeständnissen – und damit eben genau der impulsive Film, den Rob Zombie schon im ersten Anlauf verwirklichen wollte. Im Epizentrum steht nun die Familientragödie der Myers und ihre pathologischen Ausformungen in der Gegenwart. Michael (Tyler Mane, The Scorpion King), der natürlich keinesfalls das Zeitliche gesegnet hat, geht eine Art telepathische Vereinigung mit seiner Schwester Laurie (Scout Taylor-Compton, Love Ranch) ein, was sie zum Opfer verstörend-enigmatischer Einbildungen macht, in denen ihre Mutter, Deborah (Sheri Moon Zombie, The Devil's Rejects) und ein weißes Ross – ein Symbol aus der Traumforschung – eine immer aussagekräftigere Rolle einnehmen. Der psychoanalytische Aspekt, der schon in Halloween anklingen durfte, wird in Halloween II nun also weitaus runder, durchdachter, konsequenter ausgeführt.

Dies betrifft auch Dr. Sam Loomis (Malcolm McDowell, Uhrwerk Orange), der den jungen Michael noch therapierte und nach Leibeskräfte voller Aufrichtigkeit und Zuneigung versuchte, das Kind dem Schatten des Monsters zu entreißen, inzwischen aber zum kapitalistisch-sonnenbebrillten Egomanen verkommen ist, ein Buch über seine Zeit mit Michael veröffentlicht hat und aus dem Elend anderer Menschen gnadenlos Profit schlägt. Innerhalb dieser klar arrangierten Figurenkonstellation, die Loomis und Laurie betrifft, macht Halloween II ganz deutlich, dass Michael ein letaler Virus geworden ist, der den Verstand, das Herz und die Emotionen befällt. Es ist so, wie ein Fan auf einer Signierstunde von Loomis' Publikation einmal richtiggehend feststellt: Das Besondere (und damit eben auch das besonders Zerstörerische) an Michael, ist, dass er sich bis zum seelischen Kern seines Umfelds vorfressen kann – und sich genau dort langfristig festsetzt.

Rob Zombies inszenatorische wie stilistische Meisterschaft liegt indes darin, wie er es vermag, Gefühle in der Allianz von Bild und Ton zu destillieren und über diese zu transportieren. Abseits des beispielhaften Terror-Manifests, welches gleichwohl unfassbar bestialische Gewaltexzesse mit sich bringt, die in ihren wahrlich archaischen Gestus noch wirklich zu erschüttern wissen, offenbart Zombie sein ungemeines Verständnis für synästhetisch Stimmungsbilder und lässt den Zuschauer, zusammen mit den seinen Quasi-Protagonisten, durch surreal-expressionistische Traumlandschaften waten, in denen die Trennlinien zwischen Realität und Illusion zusehends verwischen. Halloween II mag durch seine grobkörnige Optik von einer Rohheit berichten, die dem Genre, dem Zombie hier natürlich immer noch Tribut zollt, ohne als Sklave der Referenz zu kuschen, eingeschrieben ist. In Wahrheit aber ist Halloween II ein überraschend gefühlsvolles Grindhouse-Poem; ein Schrei nach Liebe, eine angsterfüllte Suche nach Identität, Zugehörigkeit und Erlösung. Family is forever

„I love you, Mommy.“

Fazit

"Halloween II" zählt nicht nur zu den beeindruckendsten Genre-Beiträgen des neuen Jahrtausends. "Halloween II" ist auch der Film, in dem Rob Zombie auf der (vermutlichen?) Höhe seines Schaffens endgültig zu sich selbst gefunden hat: Ein wagemutiges Terror-Manifest, in dessen Inneren ein ungemein gefühlsvoller Kern wartet, der Grindhouse und Poem zusammenführt und einen Schrei nach Liebe formuliert, dessen Brillanz viele Menschen wohl erst in einigen Jahre zu vernehmen imstande sind.

Autor: Pascal Reis

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