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Inhalt

Zweiter Weltkrieg im Frühling 1945: Während des Kampfes um die japanische Insel Okinawa sticht ein einziger Mann aus der Masse der US-Soldaten heraus. Der Kriegsdienstverweigerer Desmond Doss (Andrew Garfield) riskiert alles und kämpft unbewaffnet bis zur völligen Erschöpfung für das Leben seiner verwundeten Kameraden. Was später als Heldentat belohnt werden soll, beschert Desmond Doss zunächst großes Misstrauen und Verachtung in den eigenen Reihen. Dennoch setzt er sich unerschrocken für seine Prinzipien ein und rettet in der entscheidenden Schlacht unzähligen Männern das Leben.
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Kritik

Einst war er der Sonnyboy aus Hollywood, doch nachdem er mit Antisemitismus, Misogynie und häuslicher Gewalt aufgefallen war und er mit Die Passion Christi zwar einen erfolgreichen wie aber auch äußerst zwiespältigen Film ablieferte, wurde Mel Gibson nicht nur in Hollywood zur Persona non grata erklärt. Doch scheinbar kommt der gebürtige Australier nun wieder zurück. Mit seiner fünften Regiearbeit, dem Kriegsdrama Hacksaw Ridge, konnte er wieder die Gunst vieler Zuschauer wie Kritiker gewinnen. Nur bei uns beißt er sich mit seinen neuen Film die Zähne aus. Warum? Darum:

Gibson mag archaische Strukturen. Das hat er als Regisseur mehr als deutlich gemacht. Mit Hacksaw Ridge verbindet er nun zwei dieser Strukturen, nämlich die Religion und die Armee. Er schwelgt regelrecht in diesen Institutionen, lässt keinerlei Kritik an diesen Konzepten zu und bebildert in edelkitschigen Perspektiven die wahre Geschichte des Desmond Doss, der als treuer Staatsangehöriger der Armee beitritt, wegen seiner religiösen Überzeugung aber keine Waffe anrührt. Daraus kristallisiert sich recht früh eine Heldengeschichte. Dass Doss' Entscheidung unüberlegt und regelrecht wahnsinnig wirkt, daran arbeitet Gibson sich nicht ab. Er ist mehr daran interessiert den jungen Mann so zu heroisieren, dass er spätestens im letzten Akt des Films wie Jesus persönlich wirkt (unsere Titelempfehlung: War Jesus). Die finale Einstellung des Films unterstreicht dies dann vollkommen. Aber wenigstens ist hier sofort klar, was Gibson uns mitteilen will.

Das ist nämlich nicht immer so. In einer herrlich missverständlichen Szenen zu Beginn des Films werden wir so z.B. Zeuge wie Doss seine zukünftige Gattin (Teresa Palmer, Lights Out) in einem Krankenhaus zum ersten Mal erblickt. Als Krankenschwester betreut sie gerade einen Patienten und wenn Doss Augen sie erspähen, kommt das seltsame Gefühl auf, dass man so recht nicht weiß, warum der junge Mann den Unterkiefer nicht mehr hochklappen kann, denn neben der attraktiven Frau sitzt ein Soldat. Es wirkt beinah so, als ob selbst Doss nicht wüsste, was ihn gerade mehr fasziniert. Die Krankenschwester, oder die Uniform des Soldaten? Diese Ambivalenz ist bezeichnend für Hacksaw Ridge. Wie soll ein gläubiger Christ guten Gewissens in den Krieg ziehen, wenn um ihn herum doch hunderte unchristliche Taten vollführt werden?

Gibson hebelt diesen eigentlich brisanten Konflikt so simple wie schändlich aus, in dem er die japanischen Soldaten auf widerwärtigste Art und Weise dämonisiert. Seine Inszenierung macht aus den Gegnern der Amerikaner rachsüchtige, niederträchtige und mysteriöse Ungeheuer. Eine Bedrohung aus dem Schatten, die jede Chance nutzen, um ihre Feinde niederzumetzeln und weil Gibson kein Freund von Subtilitäten ist, spritzt und spratzt es in den Kriegsszenen auch ganz ordentlich.

Doch wirklich intensiv wirken sie dennoch nicht. Atmosphärisch versteht es Gibson einfach nicht das Grauen des Krieges einzufangen. Kopfschüsse und klaffende, blutige Wunden reichen eben nicht aus, um die Unmittelbarkeit eines Gefechts einzufangen. Dazu kommt, dass Andrew Garfields Figur stellenweise so überhöht und unnahbar erscheint, dass er die Immersion des Films stört und hin und wieder sogar wie die Parodie eines gottesfürchtigen Patrioten erscheint. Vor allem in der Originalfassung, wenn sich der ehemalige Superhelden-Darsteller mit wulstigem Südstaatenakzent durch den Film nuschelt, wirkt sein Spiel teilweise unfreiwillig komisch und jederzeit platt.

Eine Fehlbesetzung ist er aber nicht, zumindest nicht die größte des Kriegsfilms. Dieser Orden am Bande geht zweifellos an Vince Vaughn, der als harter Ausbilder von Doss erneut versucht auch Abseits seiner sonstigen Rollen zu glänzen. Das funktioniert nur bedingt und ist ein weiteres, wenn auch nur kleines, Ärgernis das Hacksaw Ridge seinem Publikum zumutet.

Fazit

Mel Gibson mag archaische Strukturen. Glaube und Armee findet er also sehr toll und beides zelebriert er unkritisch in diesem teils hochnotpeinlichen Drama, in dem sich Andrew Garfield mit Südstaatenakzent um den Verstand mimt. Ganz ehrlich, diese Produktion zielt so sehr auf das Publikum ab, das selbst widerlichste Kriegsmaschinerien wie "Wir waren Helden" gut findet, dass jedes Aufbäumen gegen den Film nur Zeit- und Energieverschwendung wäre. Deswegen in aller Kürze: Es ist ein schrecklicher Film!

Autor: Sebastian Groß

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