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John Grant, Dorfschullehrer im australischen Outback, will in den Weihnachtsferien zu seiner Geliebten nach Sydney reisen. In der Kleinstadt Bundanyabba legt er einen Zwischenstopp ein und trifft dort auf eine äußerst sonderbare Gemeinde, in der lieber Bier statt Wasser getrunken wird und die Einheimischen primitive Formen des Zeitvertreibs pflegen…

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

-„You mean, you don’t think Yabba ist the greatest little place on earth?“

-„Could be worth.“

-„How?“

-„The beer could ride out!“

Einen Film des gebürtigen Kanadiers Ted Kotcheff kennt wohl jeder, mindestens namentlich: Mit Rambo war er verantwortlich für einen modernen Klassiker des US-Actionkinos. Das ganz klare Highlight seiner langen Karriere als Kino- und TV-Regisseur, aus dem Stehgreif könnte wohl kaum jemand fünf oder mehr Arbeiten von ihm nennen. Auch diese eine Zeitlang fast verschollene Perle dürfte den wenigsten eine Begriff sein, die man beinah als einen anspruchsvolleren, intelligenten Vorläufer der Ozploitation-Welle bezeichnen könnte.

John Grant (Gary Bond; Königin für tausend Tage) ist ein junger und bereits komplett frustrierter Lehrer, der um seine Studienschulden abzustottern am Outback-Arsch von Australien unterrichten muss. In Tiboonda scheint es nur den als Schule dienenden Bretterschuppen, seine schäbige Herberge und den nur notdürftig zusammengezimmerten Bahnsteig zu geben. Hier will er nicht alt werden und zählt nur die Tage herunter, bis er endlich versetzt werden kann. Gott sei Dank stehen nun die sechswöchigen Weihnachtsferien an und John will diese am Strand von Sydney in den Armen seiner Freundin verbringen. Auf seinem Weg liegt die Kleinstadt Bundanyabba – von den Einheimischen schlicht Yabba genannt -, in der er eigentlich nur eine Übernachtung eingeplant hat. Dort ticken die Uhren irgendwie anders, was John bereits nach kurzer Zeit feststellt. Die gesetzliche Kneipensperrstunde wird so interpretiert, das lediglich die Tür geschlossen sein muss, drinnen brummt das Geschäft als gäbe es etwas umsonst. Denn was die Yabba-Männer am liebsten machen ist trinken. Viel trinken. Bevorzugt Bier, auch mal was Hochprozentiges zwischendurch, aber bloß kein Wasser, denn das ist laut eigener Aussage nur zum Waschen da (und auch damit wird wohl eher sparsam umgegangen).

In diesem schicken Etablissement wird neben Oktoberfest-artigen Saufgelagen und der traditionellen Gedenkminute für „Die Gefallenen“ (was sich später noch erklärt) zur Auflockerung auch gezockt. Ihr Favorit: Kopf oder Zahl. Auf Yabba-Art. Dabei landen ganze Lohntüten auf dem Boden, aber scheint spaßig zu sein. John ist sichtlich irritiert über dieses primitive Treiben, lässt sich aber nach dem x-ten Bier mitreißen von der fröhlichen Was-soll’s-Stimmung, wodurch sich seine Reisekasse binnen Minuten auf einen ganzen Dollar reduziert. Dumm gelaufen. Zwangsweise muss der Aufenthalt verlängert und kurzfristig Arbeit gefunden werden, damit der Strandurlaub nicht ins Wasser fällt. Gar nicht so einfach in Yabba, denn Arbeit gibt es hier kaum und wird lieber im kommunistisch-angelehnten Dienstleistungsaustausch gelebt, denn am Ende wird eh der Großteil in Alkohol oder Munition investiert. Schließlich müssen nach dem Zapfenstreich noch Kängurus abgeknallt und kastriert werden, was soll man auch sonst machen? Ehe es sich John versieht ist er mitten drin im wilden Yabba-Teufelskreis, aus dem offenbar nur eine wirklich effektive Methode existiert zu entkommen.

Ein vom System angefressener Bildungsbürger strandet im hedonistischen Outback-Sodom-und-Gomorrha-Wunderland, wo Männer noch echte Männer sein dürfen bzw. müssen. Dort trifft er quasi auch auf sein gealtertes Pendant, einen vor Unzeiten versandeten Arzt (Donald Pleasence; Die Klapperschlange), der schon längst ein echter Yabbanier geworden ist, mit Leib, Leber und Seele. Der sich in wenigen hellen (oder melancholischen Vollsuff-Momenten) noch an das erinnert, was außerhalb dieses maskulinen (Alb)Traum-Paradieses existiert, aber nicht mehr als seine Welt betrachtet. John droht einer von ihnen zu werden, denn in Yabba ist alles so herrlich einfach. Du säufst dir die Hucke voll, benimmst dich wie die Axt im Walde und parasitärer Schmarotzer in einem einzigartigen Flecken Erde (selten wurde die Rolle des weißen Mannes für das australische Ökosystem schlimmer und gleichzeitig unterhaltsamer aufgezeigt), Hauptsache das Bier geht nicht aus und eine der (im Film zu sehenden) drei Frauen unter (gefühlt) 500 Männer (von denen nur ein halbes Dutzend belegt sprechen kann) macht ohne großes Zicken die Beine breit. Ein Kreislauf aus barbarischen Ritualen und betäubender Gleichgültigkeit, die zum einzigen Lebensinhalt wird, solange man nicht nüchtern wird oder gar anfängt, sich durch Nachdenken aus diesem selbstmitleidigen Mikrokosmus befreien zu wollen.

Wenn dem so ist, bleibt nur noch die Flucht, aber so einfach ist das nicht. Yabba nimmt seine Brüder als Geisel. Egal wie sehr du strampelst, es gleicht einem Hamsterrad. Alle Wege führen zurück nach Yabba. Außer der, der dich zu einem weiteren Punkt in der einzigen, unangenehmen Statistik des Ortes macht, aber sonst läuft der Laden super. Da kann man auch mal blutverschmiert und abgeranzt mit einem Gewehr am helllichten Tag durch die Straßen laufen, es wird maximal kurz wahrgenommen und vorsichtig aber diskret ausgewichen. Bloß kein Fass aufmachen…außer es perlt. Zuhause ist rückwirkend betrachtet eigentlich gar nicht so schlimm, grenzenlose Freiheit ohne schlechtes Gewissen ist für den Instinkt-reduzierten Menschen nicht unbedingt eine ideale Option.

-„Did you have a good holliday?“

-„The best!“

Fazit

„Ferien in der Hölle“ ist unter seiner groben Schale eine unglaublich biestige, abrechnenden Sozialisierungs- und Gesellschaftssatire, dessen manchmal bald surrealer Touch erschreckend dicht dran ist am Wahnsinn der Gattung Mensch, insbesondere der des Mannes. Überspitzt und trotzdem voller Wahrheiten, sehr radikal in seiner Vorgehensweise und unendlich faszinierend. Wenn Mallorca ein komplett eigenständiger Staat wäre, man könnte dort ein mögliches Remake ansiedeln. Aber da gibt es keine Kangurus…

Autor: Jacko Kunze

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