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Nachdem der Nachwuchs von Henry und seiner Freundin sich als Missgeburt herausstellt, verlässt sie ihn. Der junge Vater muss nun mit seiner neuen Lebenssituation alleine zurechtkommen.

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Kritik

Schon allein der Name David Lynch (Mulholland Drive) weckt in den Köpfen wackerer Filmfans die unterschiedlichsten Assoziationen. Geisterhafte Abbilder von flackernden Lichtkegeln und surrenden Lampen, dröhnende Tonspuren, malerische Vorstädte und verfluchte Straßen. Bilder, die sich eingebrannt haben und fortan Teil unseres Unterbewusstseins wurden – oder vielleicht schon immer waren. Vorgefertigte Maßstäbe, Schubläden und Sehgewohnheiten gilt es ohnehin abzulegen, wenn man sich dem amerikanischen Filmemacher nähert und selbst der interpretationsfreudigste Zuschauer wird beim Versuch oftmals nur auf sich selbst zurückgeworfen. Denn einen Film von David Lynch zu sehen, bedeutet in erster Linie eine Erfahrung zu durchleben, die sich logisch kaum erschließen lässt und am besten vorreflexiv wahrgenommen wird. Und auch wenn er ohnehin keine Konsequenzen eingeht oder Eingeständnisse hinsichtlich der Massentauglichkeit seiner Filme macht, so ist sein Debütfilm Eraserhead wohl dennoch sein rohester, experimentellster und auch abseitigster Film.

Seinen Kultstatus im Mitternachtskino der 70er-Jahre hat sich Eraserhead also nicht nur über Jahre erkämpft, sondern auch vollends verdient. Nach einem eher holprigen Start gewann der Film zusehends Anhänger und bald galt das Werk vor allem in avantgardistischen Kreisen als wegweisender Meilenstein. Grob formuliert beschäftigt sich der Film mit der physischen wie auch psychischen Zermürbung durch eine junge Vaterschaft, die Regisseur Lynch in einmaligen Bildern zu groteskem Leben erweckt. Genauer auf diese Abläufe einzugehen ist weder sinnvoll noch möglich, denn dafür ist Eraserhead schlichtweg zu weit von einer Handlung im klassischen Sinne des Wortes entfernt. Selbst die klare Verortung in einem bestimmten Genre fällt schwer, denn der Film trägt sowohl Züge des Horror- und Science-Fiction-Films wie auch deutlich surrealistische und expressionistische Einschübe, die es erlauben das Werk sogar als Komödie wahrzunehmen.

Schon zu Beginn wartet Eraserhead mit alptraumhafter Qualität auf. Die grobkörnigen schwarz-weiß Bilder offenbaren den Blick auf eine brachliegende Industrielandschaft, die ihren Ursprung irgendwo zwischen den realen Abbildern vergessener Hinterhöfe und den Schutthaufen dystopischer Zukunftsvisionen findet. Darin befindet sich auch die schmal bemessene Wohnung unseres Protagonisten Henrys (Jack Nance), die darüber hinaus immer wieder als Sprungbrett in tiefere Ebenen seines Unterbewusstseins fungiert und irgendwo zwischen abartigem Horrorkabinett und rätselhafter Traumlogik zu verorten ist. Allein diese beinahe gänzliche Losgelöstheit von klaren Zeit- und Raumstrukturen verhilft dem Film zu seiner treibenden und wahnhaften Energie, die den Zuschauer mühelos durch die 90-minütige Laufzeit trägt. David Lynch gräbt seine Klauen tief ins Fleisch des gebannten Betrachters und lässt ihn an den teils nur vage miteinander verknüpften Ergüssen surrealer Qualität teilhaben.

So erzeugt Eraserhead eine Vielzahl an Empfindungen, die wohl nicht nur von Zuschauer zu Zuschauer, sondern auch von Sichtung zu Sichtung schwanken. In Kombination mit dem maschinellen Klangteppich führt das Gezeigte aber beinahe unweigerlich zu Irritation, Unverständnis und Desorientierung, was sich in weiterer Konsequenz auch in raushaften Formen von Hilflosigkeit, Ekel oder Angst entladen kann. In seiner eigenen Logik begründet, visualisiert Lynch die komplexe Gefühlswelt seines Protagonisten und verlässt dabei die Räumlichkeiten gewohnter Seherfahrungen. Bizarr findet er in den eigentümlichen Bildern eine ganz eigene Art von Schönheit und Zärtlichkeit, weil er sich vollends der audiovisuellen Wirkung seines Kunstwerkes hingibt. Während Kommunikation als Mittel gänzlich uneffektiv bleibt, spricht die Bildsprache Bände und festigt das Bild eines zerrütteten Geistes.

Fazit

Zweifellos ist David Lynchs Erstling „Eraserhead“ aus dem gleichen Stoff gemacht, aus dem auch unsere (Alp)Träume gesponnen sind. Jenes dunkle Garn, welches uns die Kehle zuschnürt und hilflos an einem Faden baumeln lässt. Gefangen in einer kalt-grauen Welt, orientierungs- und verständnislose Akzeptanz über die pure Willkür und den Wahnsinn der surrealen Ereignisse. Auf den atmosphärisch meisterlichen Sog muss man sich indes nicht einmal einlassen, denn einmal darin gefangen, gibt dieser Film seinen Zuschauer ohnehin nicht mehr frei. Meisterwerk.

Autor: Dominic Hochholzer

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