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Carl Foremans Epos über den Zweiten Weltkrieg mit vielen internationalen Stars.
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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Mit „Die Sieger“ lieferte der erfahrene und preisgekrönte DrehbuchautorCarl Foreman („Zwölf Uhr mittags“, „Die Brücke am Kwai“) seine einzige Arbeit als Regisseur ab. Sein Antikriegsfilm begleitet eine Einheit US-Soldaten quer durch das vom Zweiten Weltkrieg verwüstete Europa. Vom gerade befreiten Italien des Jahres 1942, über das noch umkämpfte Frankreich 1944 bis hin in das junge Nachkriegs-Berlin von 1946, das sich noch mit der Aufteilung durch die Siegermächte arrangieren muss. Anhand einer episodenhaften Erzählweise, die jeweils einen Soldaten des Trupps und seine ganz persönliche (Frauen)Geschichte zu einer bestimmten Zeit in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, wird ein Einblick in die letzten Jahre des Krieges und dessen Folgen gewährt, abseits der vereinfachten Formel vom bösen Nazi und den guten Alliierten.

Einzelschicksale dienen als repräsentativer Querschnitt durch die zerstörte Zivilisation Europas. „Die Sieger“ enthält keine direkten Frontszenen (erinnert dabei an Jean Renoir's Meisterwerk „Die große Illusion“), meist laufen die Protagonisten dem kriegerischen Geschehen mehr oder weniger hinterher und erleben nur das, was nach der großen Schlacht übrig geblieben ist. Nur in einer einzigen Szene kommt es zum Feuergefecht und auch die ist repräsentativ. Dort erschießen Franzosen ein versprengtes Häufchen eingekesselter Deutscher, obwohl diese sich gerade mit der weißen Flagge artig ergeben haben. Wer fragt im Angesicht eines unmenschlichen Krieges noch danach, was der Anstand gebietet, was gut und richtig ist, wer will es verurteilen? Ein sehr direkter Moment, den „Die Sieger“ sonst nicht benötigt, denn die unvermeidliche Grauzone inmitten des offensichtlichen Schwarz und Weiß ist allgegenwärtig. Der Krieg ist an fast jedem der gezeigten Stationen schon passee, zieht sich immer mehr in Richtung Berlin und als unsere Helden dort aufgeschlagen sind, ist er endgültig Geschichte. Carl Foreman ist nicht am Kampf interessiert, ihm geht es um das, was aus der durch die Nazis entstandenen Schneise der Verwüstung aufkeimt. Und da kommen auch die titelgebenden Sieger nicht immer gut weg.

Es sind die gewählten Randerscheinungen, die eine große Geschichte im Gesamten erzählen. Einige ganz persönlich, wie die perspektivlose Liebesgeschichte zu einer italienischen Schönheit, manche weit aussagekräftiger (und daher von deutlich größerem Interesse) über die Situation dieser Zeit. Teils tragisch, wie der Abschnitt über eine verzweifelte Kriegswitwe (wunderbar: Jeanne Moreau, „Fahrstuhl zum Schafott“), die sich in tiefer Trauer an die Ruinen ihrer luxuriösen Vergangenheit klammert und dabei in den Armen des amerikanischen Truppenführers landet (markant wie immer: Eli Wallach, „Zwei glorreiche Halunken“). Mal voll ungeschönter Wahrheit über mehr oder weniger geduldeten Rassismus in den eigenen Reihen („Heute große Nigger-Jagd!“), Plünderungen, ausbeuterischer Zwangsprostitution (in dem Abschnitt zu sehen: Romy Schneider, „Der Prozess“), Korruption oder gnadenlosen Exekutionskommandos an Weihnachten (zynisch eingeleitet von einer verharmlosten Propaganda-Berichterstattung und unterlegt von „Have Yourself a Merry Little Christmas“). Beinah geht der im Vergleich bald banale Teil um einen Welpen noch mehr zu Herzen (hier mit zwei jungen Schauspielern der zweiten Generation im Fokus: Peter Fonda, „Easy Rider“, und James Mitchum, „Erster Sieg“), da er auf so einfache Weise eine humanitäre Abstumpfung darstellt, wie sie Krieg – auch auf Seiten „der Guten“ – fast zwangsläufig mit sich bringt.

Dem Film gelingt es in seiner Gänze unbestreitbar eindringlich zu verdeutlichen, was ein Krieg – allgemein, nicht speziell dieser – für Folgeschäden mit sich trägt. Täter, Opfer und Retter, keiner kommt unbeschadet davon. Ihre Wunden haben sie alle, ihre Narben tragen sie für immer. Durch die naturgemäß sprunghafte Erzählstruktur ist der rote Faden auf narrativer Ebene natürlich nur recht lose und nicht jedes Element weiß auf gleiche Weise seine direkte Wirkung zu erzielen, obwohl das Konzept und der übergeordnete Gedanke eben diese nicht verfehlt. Etwas kritisch könnte das Ende gesehen werden. Zum Entstehungszeitraum 1963 – als der Kalte Krieg drohte richtig heiß zu werden – mag es auf den ersten Blick die Sowjets in ein dämonisierendes, sehr parteiisches Licht rücken, was aber keinesfalls die Intention von Foreman gewesen sein kann. Eher ist es ein Erklärungsansatz und gleichzeitig ein sehr richtiger, kritischer, reflektierter und objektiver Schlusspunkt für sein Werk. Wenn auf engstem Raum auf einmal zwei komplett konträre Weltanschauungen, Klassenfeinde plötzlich keinen gemeinsamen Gegner mehr haben, sich gegenseitig anrempeln, Tür an Tür wohnen müssen und jetzt deutlich merken, wie fremd sie sich doch sind, wozu wird das wohl führen? Der eine Konflikt ist beseitigt, es lebe der nächste. Wer hätte das gedacht?!

Fazit

„Die Sieger“ ist vom erzählerischen Fluss nicht ohne Makel und ist mehr als aussagekräftiges Produkt zu betrachten. Aus nicht gleichwertigen Fragmenten entsteht ein wichtiges Mahnmal für Frieden und Menschlichkeit, nicht durchgehend pessimistisch, aber durchaus realistisch genug, um ein leichtes Fragezeichen hinter seiner Botschaft zu hinterlassen. Aus heutiger Sicht (einige bekannte Namen waren damals noch nicht so groß wie heute) mit massiven Staraufgebot besetzt, besonders der eher unterschätzte George „Hannibal Smith“ Peppard sei besonders erwähnt. Heimlich, still und leise trägt er den Ensemblefilm auf seinen Schultern.

Kritik: Jacko Kunze

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