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Für ein paar Groschen kauft sich der grobschlächtige Gaukler Zampano eine neue Assistentin, das naive Mädchen Gelsomina. Obwohl sie von Zampano verachtet und misshandelt wird, fühlt sie sich an ihn gebunden und hält unbeirrbar zu ihm. Eines Tages jedoch tötet Zampano den Seiltänzer Matto, einen engen Freund Gelsominas, den sie über alles liebt. Diese Greultat bricht Gelsomina das Herz und nichts ist mehr wie zuvor.
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Kritik

„Wenn du bei mir bleiben willst, musst du vor allem eins lernen: Augen zu und Schnauze halten!“

Etwas anderes würde Gelsomina auch gar nicht in den Sinn kommen. Nichts anderes hat sie gelernt. Sich fügen, akzeptieren, funktionieren so gut es ihr möglich ist. Als älteste Tochter einer verarmten Familie wird das so herzensgute wie auch einfach gestrickte Mädchen an den grantigen Straßenkünstler Zampano verkauft. Ein furchtbarer Mensch. Jähzornig, misogyn und verbittert. Sein Geld verdient er mit der Unterhaltung von Menschen, im krassen Gegensatz dazu versteht er es nicht im Geringsten mit ihnen umzugehen. Gelsomina ist nicht mehr als seine Sklavin, ein Gebrauchsgegenstand, den er billig erworben hat und nun als sein Eigentum betrachtet. Dem kann das unterwürfige Hascherl nicht entgegensetzen, selbst wenn sie es wollen würde. Lange will sie dieses auch nicht, ist in Anbetracht der Umstände sogar so was wie dankbar oder gar glücklich, denn mehr als in irgendeiner Form gebraucht oder „wertgeschätzt“ zu werden – und wenn nur auf eine erniedrigende Art – ist ihr in ihrer kleinen Welt genug. Bis ein Mensch alles verändert, ein kurzer Hoffnungsschimmer zu erblicken ist und schlussendlich das dramatische Ende besiegelt.

Federico Fellini („Fellinis Satyricon") inszeniert mit „La Strada“ ein bitteres Roadmovie, eine schmerzhafte Ballade der Straße, zum Teil wunderschön eingefangen und grandios gespielt. Anthony Quinn („Viva Zapata“) brilliert als so ausdrucksstarker, kraftvoller wie hassenswerter  Schausteller, der die wunderbare Giulietta Masina („Die Nächte der Cabiria“) als unter massiven Minderwertigkeitskomplexen leidende (weil so erzogene) Gelsomina wie ein Stück Vieh behandelt, sie wie selbstverständlich demütigt, benutzt und zur Sache degradiert. In ihrer kindlichen Art, so fröhlich, begeisterungsfähig und doch zu tiefst traurig, mit diesen riesigen Augen, ist sie einfach hinreißend. Ihr einziger Versuch, sich von dem Tyrann Zampano zu lösen schlägt fehl, ab dann scheint sie sich erst recht ihrem Schicksal fügen zu wollen. Die Begegnung mit einem Artisten – der sie erstmals wie eine begehrenswerte, ernstzunehmende Frau behandelt – reißt sie kurzzeitig aus ihrem tristen Alltag, lässt den wütenden, gekrängten und sogar der Lächerlichkeit preisgegebenen Zampano explodieren und wird ihrer aller Leben entscheidend beeinflussen. Letztendlich sogar beenden. Rein physisch wie grundsätzlich.

Während die Sympathien des Zuschauers durchgehend und völlig berechtigt auf der Seite der bezaubernden Gelsomina liegen, wirkt Zampano trotz seiner grausamen Art immer wie ein Mensch, der hinter seiner grausamen, egomanischen Fassade doch so was wie Menschlichkeit eingemauert hat. Genau wie Gelsomina scheint er nicht aus einer Haut zu können. Wenn die Fassade droht zu bröckeln, reagiert er mit einer doppelten Portion Hass und Wut, Gefühle sind nur in ruppiger, extrovertierter und aggressiver Methode erlaubt, sein wahres Inneres bleibt bis zum Schluss hinter dieser Wand verborgen. Erst als alles definitiv zu spät ist, er selbst das als sicher und selbstverständlich Geltende verloren hat, öffnet er sich und lässt fast (oder sogar wirklich) Mitgefühl mit diesem Scheusal empfinden. In der letzten Szene brechen nicht nur die Wellen am Strand, sondern noch mehr der große Zampano in sich zusammen und zeigt erstmals, was sich bis dahin nur sehr dezent, trotzdem spürbar andeutete. „La Strada“ ist eine dieser Liebesgeschichten, die nicht als solche klar zu definieren sind und deshalb nicht unbedingt so bezeichnet werden. Wer die letzten Minuten miterlebt hat, kann kaum das Gegenteil behaupten. Gänsehaut.

Fazit

Fellini’s oscarprämiertes Werk ist auch heute noch ein eindrucksvolles Erlebnis des europäischen Autorenfilms. Manches mag leicht antiquiert wirken, egal, denn die hervorragenden Darsteller, die tollen Bilder und besonders die bedrückende, niederschmetternde Konsequenz der Geschichte sind zeitlos.

Autor: Jacko Kunze

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