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Inhalt

Regisseur Guido Anselmi steckt sowohl privat als auch künstlerisch in der Krise. Genervt von Produzenten, Ehefrau und Geliebter sucht er verzweifelt nach Inspiration für seinen neuen Film, dessen Drehbeginn er immer wieder verschiebt. Als er seine Kindheit, seine Beziehungen zu Frauen und sein Verhältnis zur Kunst und die Missstände in der Filmbranche reflektiert, kommen seine Ängste und verdrängten Komplexe aus dem Unterbewusstsein ans Licht. Traum und Wirklichkeit beginnen zur verschwimmen.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wie soll man den nächsten Schritt wagen, wenn man die letzte Sprosse der Karriereleiter augenscheinlich schon erreicht hat? Eine Frage, die dem italienischen Filmemacher Federico Fellini (Die Müßiggänger) Anfang der 1960er Jahre beinahe den Verstand gekostet hätte. Nachdem er sich durch die heute zum Klassiker avancierten Werke wie La Strada – Das Lied der Straße, Die Nächte der Cabiria und vor allem Das süße Leben den Kosenamen El Maestro verdient hatte und mit Auszeichnungen regelrecht zugeschmissen wurde, fand sich Fellini in einer Schaffenskrise wieder, die für einen Autorenfilmer zweierlei Ausgang bereithält: Entweder man schöpft aus jenem künstlerischen Engpass neue Inspiration – oder man fällt in ein tiefes Tal aus Depressionen und Zukunftsängsten, die einem, womöglich, auch das Leben kosten können. Fellinis Verwertung jenen Bedrängnis ist heute weitreichend bekannt.

Denn anstatt aufzugeben, sich in Selbstmitleid- und Zweifel zu wähnen, entwuchs aus Fellinis tiefgreifender Zwangslage ein Film, der in den Ruhmeshallen der cineastischen Großkunst längst schon einen Platz in der vorderen Reihe einnehmen konnte: Achteinhalb. Dreh- und Angelpunkt ist hier der Filmemacher Guido Anselmi (Marcello Mastroianni, Weiße Nächte), der auf die entscheidende Eingebung wartet, um seine Arbeit endlich zufriedenstellend finalisieren zu können. Als Ort der musischen Heilung zieht sich Guido in einen entlegenen Kurort zurück – und wird trotzdem tagtäglich mit dem konfrontiert, vor dem er eigentlich fliehen wollte: Seiner fehlenden Vision. Der auch in Achteinhalb durchweg brillierende Marcello Mastroianni, eines der wohl größten Gesichter des Weltkinos, schlüpft hier in die Rolle von Fellinis Alter Ego und wird zur interpersonellen Spiegelung dessen ureigener Dilemmata.

Dass sich Federico Fellini dazu entschieden hat, sein abhandengekommenes Vorstellungsvermögen zum Thema des Films zu machen, es also der ganzen Welt zum Diskurs zu stellen, ermöglicht Achteinhalb, das fiktive Scheitern gegen das reelle Scheitern auszuspielen – und Kunst zu erschaffen, die die Ewigkeit überdauern wird. Beeindruckend dabei ist vor allem, mit welcher Leichtigkeit es Fellini gelingt, jeder herkömmlichen Erzählform zu entsagen und ein innerseelisches Potpourri freizulegen, in dem sich die Übergänge zwischen Realität und Traum, zwischen Schein und Sein, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, durchweg fließend gestalten. Genau dieses dramaturgische Verfahren erlaubt es Achteinhalb folgerichtig, einen surrealen Ballungsraum zu eröffnen, in dem das Abstrakte, das Imaginäre immer greifbar bleibt, weil es sich mit den zutiefst menschlichen Empfindungen des Hauptakteurs (und damit auch des Regisseurs) in stetiger Rückkopplung befindet.

Man muss Achteinhalb also als mehrdeutige Psychografie verstehen, bei der Selbstportrait und Selbsttherapie von Belang sind, bei der aber auch die Kritik an der Filmbranche sowie den involvierten Menschen (vom produzierenden bis zum goutierenden Klienten) eine nicht untergeordnete Rolle spielen. Letztlich nämlich sind es äußeren Einwirkungen gewesen, die Federico Fellini in die Verzweiflung zwangen: Die Erwartungshaltungen der Welt nämlich haben ihn in eine Sackgasse aus Versagensangst und Leistungslähmung getrieben. Dass sich Achteinhalb aber niemals in der Düsternis verliert, die seiner Thematik eingeschrieben ist, verweist auf die Genialität des Regisseurs und Drehbuchautors. Achteinhalb ist ein intellektueller Gedankenstrom, der in seiner traumwandlerischen Schönheit gleichwohl vergnüglich und tiefgreifend bleibt. Und am Ende? Am Ende bittet Fellini dafür um Verzeihung, der Illusion klarer Vorstellungen erlegen zu sein, anstatt das Leben als das zu feiern, was es ist: Ein einziges überschäumendes Fest der Sinne.

Fazit

Ein Füllhorn an Motiven, eine selbsttherapeutische Versuchsanordnung, ein wegweisender Arthaus-Primus. Zwischen Fiktion und Realität angesiedelt, begibt sich Federico Fellini in sein tiefstes Inneres und berichtet im Zuge einer Meta-Psychografie davon, wie sein Leben von Erwartungshaltung und Leistungsdruck aus der Spur gekommen ist. Herausgekommen ist dabei einer der wohl größten Klassiker des Weltkinos, dessen Klasse sich daraus speist, bei aller Verzweiflung niemals zu vergessen, das Leben zu lieben.

Autor: Pascal Reis

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