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Nach der Ermordung seines Freundes Capella sinnt Gangsterboss Siffredi auf Rache. Die italienische Mafia will sich in Marseille breit machen und greift zu martialischen Methoden. Selbst Siffredi kann dem nicht entgegenkommen, aber nach einem harten Tiefschlag kommt er zurück…mit einer Wut im Bauch, die die „neue“ Unterwelt zum Zittern bringt.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Wenn Sie stürzen werde ich nicht da sein, um Sie aufzufangen…Ich sehe zu und zähle die Schüsse.“

1970 gelang Jacques Deray (Killer stellen sich nicht vor) mit Borsalino ein Achtungserfolg, der sowohl das Publikum wie die internationalen Kritiken für sich gewinnen konnte, 1971 gar für einen Golden Globe nominiert wurde. Hauptdarsteller Alain Delon (Der eiskalte Engel) witterte das Potenzial und war eine der treibenden Kräfte hinter einem der ersten Sequels der (nicht nur europäischen) Filmgeschichte, welches leider noch mehr in Vergessenheit geraten ist als das – trotz des damals großen Erfolges - ohnehin schon nur in Nebengesprächen mal erwähnte Original. Und es kommt noch besser: Die Fortsetzung ist tatsächlich der wesentlich bessere Film, obwohl oder wohl eher weil er sich auf hohem Niveau komplett dem Genre und seiner ruppigen Kraft verschreibt.

Es beginnt mit der Beerdigung von „Bébel“ Belmondo, der für das Sequel (logisch) nicht mehr zur Verfügung stand. Sein Kompagnon Siffredi (Delon) führt den stattlichen, eines Staatsbegräbnisses gleichenden Trauerzuges an und wir ahnen schon, was dies heraufbeschwört: Auge um Auge, wenn notwendig bis zur eigenen, kompletten Erblindung. Diese ersten Minuten deuten schon unmissverständlich den Tonfall des „neuen“ Borsalinos an, der sich dahingehend bald radikal von seiner Vorlage entfernt. Man mag kaum noch von einer Fortsetzung im eigentlichen Stil sprechen, obwohl genau das hier Präsentierte Standard sein müsste, zumindest in so unverhofften Fällen. Dieses Sequel ist so konsequent und selbstbewusst, als das es sich nicht auf der erfolgreichen Vorgehensweise ausruht und gleichzeitig einen logischen Prozess anbietet. Vergleiche zu Der Pate 2 – wohl das beste Sequel der Filmgeschichte – sind dahingehend angebracht, als das sich die Figurenentwicklungen von Alain Delon und Al Pacino ähnlich interpretieren lassen. Vorher recht kleine Nummern auf dem Weg nach Oben. Nun – hauptsächlich durch äußere Umstände- verbitterte, rücksichtslose Bestien, denen der tragischer Werdegang wie ins Gesicht und Gemüt gemeißelt scheint.

Verblüffend abrupt ist der Stilbruch vom vorher relativ beschwingt und zeitweise locker auftretenden Original zur düsteren, deutlich nihilistischeren, enorm zynischen und ausweglos fatalistischen Tommy-Gun-Ballade, die sich weniger um erzählerische Details schert…da sie alles Notwendige tatsächlich flott und effizient abhandelt. Einer echten Exposition benötigt es (Sequel sei Dank) nicht und selbst Neueinsteiger sind so flott im Bilde, passt schon. Vendetta steht in großen Druckbuchstaben auf der Speisekarte und so prescht Borsalino & Co. ungebremst nach vorne. Wer glaubt, Delon’s Flucht aus dem (noch) eigenen Club dürfte schon das räudig-gewalttätige Highlight sein, der dürfte von dem waghalsigen Vorgehen in der Folge (positiv) überrollt werden. Als interessanter, da unfreiwilliger Querverweis darf der ein Jahr später entstandene French Connection 2 genannt werden. In dem der Protagonist in Geiselnahme nicht umgebracht, sondern Heroin-abhängig und damit (vermeidlich) handlungsunfähig gemacht wurde. Obwohl nach dem „Auskatern“ erst richtig wütend. Ähnliches passiert hier und grundsätzlich gibt es erstaunliche Parallelen dazu, was heimlichen Plagiatsvorwürfen Tür und Tor öffnen dürfte. Was reiner Zufall sein könnte oder ein Hinweis dafür, dass wenigstens John Frankenheimer und Co. diesen Film gesehen haben und zu schätzen wissen.

„Als Kind liebte ich Marseille fast zärtlich. Heute komme ich voller Zorn zurück!“

Dass Borsalino & Co. eindeutig nicht an einer wirklich tiefgreifenden Geschichte interessiert ist, wird spätestens nach diesen Zeilen unmissverständlich in Blei und Zement gemeißelt. Kurz vorher ertönt erstmals der lockere, vorher schon fast nervig anmutenden Original-Score, nur um ihn mit dieser Kriegserklärung komplett zu beerdigen. Eine kurze Interlude-Hommage an den Vorgänger und den zu Grabe getragenen Stil aus Ganoven- und Buddy-Krimi, nun wird Blut fließen. Dass sogar versucht wird den eiskalt-brutalen Protagonist durch eine mehrfach betonte Verbindung seiner italienischen Mafia-Gegner mit dem Dritten Reich noch auf sympathisch zu schummeln spricht Bände für die rücksichtslose Gesinnung diese hochklassige produzierten Genre-Hobels. Böse trifft noch böser. So sollte ein illegaler Hahnenkampf in der Unterwelt aussehen.

Fazit

Entsaftet, brachial, bitter-böse und trotz der eindeutigen Nähe zur Exploitation auf sehr hohem Niveau. Eines der besten – in der Relation – und gleichzeitig am wenigsten wertgeschätzten Sequels, welches ein mindestens gutes Original toppt und trotzdem nicht entsprechend gewürdigt wurde. Ganz im Gegenteil. „Borsalino & Co.“ ist ein wunderbar wütender, stellenweise erstaunlich radikaler Edel-Reißer der sich stilistisch sehr bewusst von seinem erfolgreichen Vorgänger distanziert. Mutig wie leider nicht dementsprechend belohnt.

Autor: Jacko Kunze

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