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Inhalt

Malik, 19, Franzose maghrebinischer Herkunft muss für 6 Jahre ins Gefängnis, das von dem mächtigen korsischen Mafiapaten César Luciano durch Bestechung kontrolliert wird. Luciano bietet dem ungebildeten Straßenjungen ihm Schutz zu gewähren. Als Gegenleistung soll Malik seinen Zellennachbar töten.Unter gewaltsamen Druck der Korsen führt Malik den Mord aus, was für ihn den Eintritt in ein besseres Gefängnisleben mit großer Zelle und Fernseher bedeutet. Der Analphabet Malik lernt im Gefängnis Lesen und Schreiben aber auch Korsisch, was ihn zu Lucianos Spion werden lässt. Langsam steigt Malik auf, wird immer skrupelloser und führt eigene Geschäfte.Malik gewinnt schließlich der muslimischen Gefängnisgruppe sowie verschiedener Mafia-Clans un avanciert zu einem einflussreichen Kriminellen.
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Kritik

Er müsse die Zeit hier drinnen nutzen, hört der Hauptcharakter Malik (Taher Rahim) von seinem Mitgefangener Reyeb (Hichem Yacoubi). Sekunden später bringt Malik Reyeb um. Er tut, wie ihm geraten wurde, und nutzt seine Zeit im Gefängnis. Der Mord an Reyeb lässt ihn eine Stufe höher in der Hierarchie der Häftlinge aufsteigen. Der gradlinige Plot zeigt die harte Laufbahn eines Selfmademan. Jaques Audiards in Cannés ausgezeichnetes Drama erzählt von seelischer Verrohung innerhalb eines korrumpierenden rechtsstaatlichen Systems. Reyebs Rat ist das heimliche Motto: ein düsteres Carpe Diem. Bis zu der Tat steht der neunzehnjährige Protagonist unten in der Hackordnung. Schneidet er sich bei der Vorbereitung des Mordes versehentlich mit der Tatwaffe, symbolisiert dies den psychologischen Einschnitt des Erlebnisses. Nach dem letzten Verbrechen zeigt Audiard seinen Charakter lächelnd. Das an ihm klebende Blut gehört allein den Opfern, ihn kann nichts mehr verletzen. Das Hallen der Schüsse hat sein Gehör betäubt, Metapher für Maliks abgestumpftes Fühlen. Konträr zu seiner emotionalen Verrohung verfeinert sich sein Äußeres. 

Die Außenwelt ist ein Nebenschauplatz. Jaques Audiards authentisches Drama beginnt und endet an den Mauern der Strafanstalt. Auch draußen wird Malik sich nach der Haft behaupten. Davor war er nur ein Entwurzelter, ein Außenseiter. Seine Familie kennt er nicht, keine der verfeindeten Knast-Gemeinschaften will ihn aufnehmen. Die franko-italienischen Mafia-Angehörigen verachten den korsischen Jugendlichen aufgrund seiner arabischen Abstammung. Für die Araber ist Malik Dienstbote der feindlichen Italiener. Auf sich gestellt zu sein ist Malik gewohnt. Dies macht ihn seinen Mithäftlingen überlegen, die einer nach dem andern den Falschen vertrauen. Bei Haftantritt ist Malik Analphabet. Der Gefängnisaufenthalt bildet ihn, doch sein Wissen weiß er aufgrund seiner Lage nur für kriminelle Zwecke nutzen. Aus dem chaotischen Kleinganoven wird eine Größe der organisierten Kriminalität. „Du siehst aus wie ein Anwalt“, sagt ihm ein Komplize. Verbrechen kann sich sehen lassen. Zu Beginn sitzt der skrupellose Hauptcharakter noch wegen einer kleineren Schlägerei mit Polizisten. Ein Kleinkrimineller ohne Geld und Verbindungen. 

Hinter Gittern erkennen die andern einen Außenseiter. Schnell lernt Malik, dass sechs Jahre Haft die Hölle sein werden. Zuerst will er niemanden kennen. Überleben kann er so im Knast nicht. Der gealterte Pate Cesar (Niels Arestrup) zwingt ihn, den arabisch stämmigen Reyeb zu ermorden. Cesar und Malik sind aufeinander angewiesen: Malik ist der einzige arabisch sprechende Gefangene im Zellenblock, auf den Cesar Einfluss nehmen kann. Doch Malik ist nicht in der Position, Forderungen zu stellen. Die anderen behandeln ihn weiterhin wie einen Handlanger, der Botengänge verrichtet und ihnen Kaffee kocht. Er gliedere sich wieder ein, erklärt Malik allen. In gewisser Weise tut er dies tatsächlich. Er bildet sich weiter und arbeitet an seinem kriminellen Status, der ihn nach Haftende stützen wird. Reyeb erscheint Malik in dessen schlaflosen Nächten. Der bedeutungsvolle Filmtitel und die Visionen unterwandern den brutalen Realismus mit Anwandlungen klassischer Dramen wie Macbeth. Doch der Regisseur glorifiziert seine Figuren nicht mittels theatralischer Elemente. Selbst die Mächtigsten sind nur kleine Rädchen in einem alles zermalmenden Staatsapparat.

Fazit

Mit systemkritischem Scharfblick demaskiert Jaques Audiard das Gefängnis als pervertierte Maschinerie, die ihre zukünftigen Insassen selbst produziert. Kriminelle und rechtsstaatliche Strukturen sind zu einem untrennbaren Geflecht verwachsen.

Autor: Lida Bach

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