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Inhalt

24 Stunden bleiben Drogendealer Monty Brogan, bevor er eine siebenjährige Haftstrafe anzutreten hat. In dieser Zeit will er sich mit seinem Vater aussöhnen, der mit Hilfe von Montys Drogengeld ein Pub aufziehen konnte. Abschließend möchte Monty mit seinen besten Freunden Frank und Slaugherty noch einmal um die Häuser ziehen. Slaugherty ist ein mit allen Wassern gewaschener Broker geworden, der schüchterne Jacob hat sich als Lehrer in seine minderjährige Schülerin verliebt. Am Morgen konfrontiert Monty alle mit einer radikalen Überraschung…
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Die letzten 24 Stunden in Freiheit, der vielleicht letzte Versuch, die eigene Lebensbilanz noch einmal auszugleichen und einen Schlussstrich unter die Fehler der Vergangenheit ziehen zu können. Montgomery, der von allen nur Monty genannt wird, blickt in Spike Lees25 Stunden einer 7-jährigen Gefängnisstrafe entgegen. Nachdem die Polizei bei einer Wohnungsdurchsuchung nicht nur einen Haufen Geld, sondern zusätzlich ein Kilo verpackte Drogen im Sitzpolster der Couch findet, ist das Schicksal des Drogendealers besiegelt. Während der Regisseur durch regelmäßig eingestreute Rückblenden einzelne Situationen und Ereignisse aus der Vergangenheit der Hauptfigur schildert, geht es in dem von David Benioff auf Grundlage seines eigenen gleichnamigen Romans geschriebenen Film aber hauptsächlich um die Unausweichlichkeit der Gegenwart, wenn sich die Gewissheit des Freiheitsentzugs Sekunde für Sekunde näher auf Monty zubewegt.

Dabei ist 25 Stunden nicht nur das Charakterporträt von Monty, der in seinen verbleibenden 24 Stunden vor allem noch Zeit mit seinen besten Freunden und seiner Freundin verbringen und nebenbei das schwierige Verhältnis zu seinem Vater aufarbeiten will, sondern auch eine Bestandsaufnahme New Yorks im Jahr 2002. Nachdem die Millionenstadt ein Jahr zuvor durch den Terroranschlag vom 11. September auf das World Trade Center wohl auf ewig verändert wurde, versucht der Regisseur neben Benioffs eigentlicher Geschichte auch einen Blick in die traumatisierte Seele einer erschütterten Stadt zu werfen, die sich nach wie vor in komatöser Stagnation und Verwirrung zu befinden scheint.

Bedauerlicherweise bleibt es bei einem Versuch, denn so unpassend aufgesetzt die zusätzlich eingestreuten Einstellungen aus dem Fenster eines Apartments direkt auf Ground Zero beispielsweise bleiben, so oberflächlich und unterentwickelt entpuppt sich auch Lees Umgang mit den Figuren sowie der durchaus eindringlichen Thematik von existenzieller Schwere. Wehmütige Melancholie, tiefgründige Introspektion oder eine umfassende Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der eigenen Handlungen verkommen in 25 Stunden regelrecht zu Nebensächlichkeiten, die nur in wenigen Momenten ihr volles dramaturgisches Potential entfalten dürfen. 

In den Szenen zwischen Monty und seinem Vater James, der sich in der Vergangenheit nach dem frühen Tod von Montys Mutter in den Alkohol flüchtete und demnach kein guter Vater für seinen Sohn war, gelangt der Film vorübergehend zu seinem emotional bewegenden Kern, wenn Lee die Figuren kurzzeitig füreinander öffnet und dem Betrachter damit einen Blick auf deren rohes, verletzliches Innenleben gestattet. Abgesehen von diesen spärlich gesäten Augenblicken irritiert 25 Stunden allerdings nicht nur aufgrund der mitunter dilettantischen Machart, sondern zusätzlich durch Nebenhandlungsstränge, die völlig ins Leere laufen, banale Dialoge, die der eigentlichen Handlung wenig Sinn verleihen sowie massiv vernachlässigte Nebenfiguren, die eigentlich einen integralen Teil von Montys Leben darstellen. 

Lee durchzieht seinen Film mit deutlichen Bildverfremdungen, für die er übersättigte Farbfilter und seltsam unpassende Schnitte verwendet, die identische Szenen durch Bilddoppelungen wiederholt abspulen. Zusammen mit dem äußerst dick aufgetragenen Score von Terence Blanchard, der dem eigentlich realistischen Szenario immer wieder Züge eines überhöhten Melodrams verleihen, wirkt 25 Stunden oftmals wie ein unnötig überstilisierter Film, der artifizielle Schauwerte und extravagante Regie-Spielereien ausstellt, ohne ihnen ein inhaltliches Gegengewicht zu verleihen.

Exemplarisch für diesen Ansatz darf auch eine der berüchtigsten Passagen des Streifens aufgefasst werden, in der sich Hauptdarsteller Edward Norton (Fight Club) vor dem Spiegel einer Bar-Toilette mit einem hasserfüllten, wütenden Monolog über die verschiedenen Ethnien New Yorks auskotzt, um am Ende doch nur wieder auf sich selbst zurückzufallen. Trotz des kraftvollen Schauspiels von Norton hinterlässt die Szene eher den Eindruck eines exzentrischen Fremdkörpers, mit dem der Regisseur laut nach Aufmerksamkeit schreit, um von den blassen, teilweise kaum vorhandenen Zwischentönen abzulenken, die der Charakterzeichnung fehlen. Ebenso vergeudet erscheint auch der Cast, in dem sich neben Norton vielversprechende Namen wie Philip Seymour Hoffman (Happiness), Rosario Dawson (Kids) oder Brian Cox (Blutmond - Roter Drache) versammelt haben, die von Lee überwiegend mit erschreckend einseitigen Rollen gestraft werden. 

Während Hoffman als einer von Montys besten Freunden seit dem Kindergarten ein weiteres Mal die Figur des nervösen, verschrobenen Introvertierten spielt, der als Lehrer auch noch eine seiner minderjährigen Schülerinnen begehrt, die von Anna Paquin (Margaret) im lasziv-naiven Lolita-Modus gespielt wird, verkörpert Barry Pepper (The Green Mile) als Montys anderer bester Freund Frank einen egozentrischen, zynischen sowie sexistischen Wall-Street-Broker, der ganz am Ende immerhin noch kurz zeigen darf, dass auch er so etwas wie Gefühle besitzt. Dawson kommt als Montys Freundin Naturelle unterdessen die undankbare Rolle der umsorgenden Partnerin zu, die von den Freunden der Hauptfigur mit lüsternen Blicken angesehen wird, während sie von ihrem eigenen Freund verdächtigt wird, ihn unter Umständen an die Polizei ausgeliefert zu haben. 

Aus diesen halbgar angerissenen Figurenhülsen, unausgearbeiteten Konflikten sowie unsanft abgebrochenen Handlungssträngen findet 25 Stunden schließlich zu einem fast schon peinlich deplatzierten Finale, bei dem man als Zuschauer fast schon beruhigt ist, dass die Hauptfigur nach verzweifelten Ausflüchten in maskuline Eskalation und Was wäre, wenn?-Träumereien doch noch ihrer gerechten Strafe entgegenblicken muss, während eine ganze Stadt weiterhin in trauriger, überforderter Schockstarre verweilt.

Fazit

Mit „25 Stunden“ beweist Regisseur Spike Lee, wie man einen Film trotz grundsätzlich hochinteressanter Ausgangslage sowie Unterstützung eines namhaften Casts in den Sand setzen kann. Die letzten 24 Stunden im Leben eines Drogendealers vor dessen 7-jähriger Haftstrafe verkommt zu einer inszenatorisch überstilisierten Aneinanderreihung von oberflächlich angerissenen Konflikten, banalen Dialogen, erschreckend einseitigen Figurenhülsen und verschenkten Anflügen von wehmütiger Melancholie und aufrichtiger Introspektion in Verbindung mit dem Schicksal eines schwer in Mitleidenschaft gezogenen Post-9/11-Amerikas. Eine herbe Enttäuschung.

Autor: Patrick Reinbott

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